Poppelsdorfer Friedhof

Prominenten-Gräber vor dem Verfall

Poppelsdorf. Risse im Gestein, verblasste Mosaike und zugewucherte Gräber: Der Poppelsdorfer Friedhof ist in keinem guten Zustand. Verwahrlost sind auch historisch bedeutsame, denkmalgeschützte Grabstätten, darunter das Grab des berühmten Bonner Bildhauers Albert Küppers sowie ein künstlerisch wertvoller Mosaikgrabstein.

Bürger engagieren sich gegen den Verfall und haben einen Förderantrag an die Stadt gestellt. Die prüft derzeit die Finanzierbarkeit der dringend notwendigen Sanierungsarbeiten. Mit einer schnellen Verbesserung der Situation ist aber nicht zu rechnen.

"Der Künstler Albert Küppers hat insbesondere auf dem Poppelsdorfer und dem Alten Friedhof zahlreiche großartige Skulpturen hinterlassen, und da fand ich es schlimm, dass sein eigenes Grab in einem stark verwahrlosten Zustand dalag", so Gerhard Geiß.

Der engagierte Kunstkenner fordert in seinem Förderantrag die Instandsetzung des Künstlergrabs. In Kooperation mit dem Bonner Grünflächenamt konnte Geiß die Grabstätte zwar bislang vor der völligen Verwahrlosung schützen, dennoch sind im Lauf der Zeit Schäden entstanden, die einer weiteren Instandsetzung bedürfen. Die Grabsteine sind über die Jahre hinweg nach vorne weggekippt. Geiß fordert von der Stadtverwaltung die Aufrichtung der Steine sowie eine Neufundamentierung, damit diese nicht erneut absinken können.

Ebenfalls sanierungsbedürftig ist ein künstlerisch bedeutsames Mosaikgrab aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Muschelkalkgrabstein, der das kunstvolle Mosaik umfasst, ist durch Risse gezeichnet, durch die Regenwasser ins Innere eindringt und das Gestein weiter auseinanderdrückt.

"Hier ist schnelle Hilfe geboten. Der nächste Winter könnte irreversible Schäden an dem Mosaik, dessen Originalvorlage im Metropolitan Museum of Art in New York ausgestellt ist, verursachen", so Geiß. Sein engagierter Mitstreiter Professor Wolfgang Alt, stellvertretender Vorsitzender des Förderverein Poppelsdorfer Geschichte, ergänzt: "Wenn die Stadt Bonn nicht bald etwas unternimmt, hält dieses Grab keine weiteren 50 Jahre mehr."

Bislang sind die Schäden an den beiden historischen Gräbern noch relativ gering, so dass zur Instandsetzung einfache Maurer- und Anstreicharbeiten ausreichen würden.

Die Stadt ging bislang nicht näher auf die Sanierungsvorschläge des ehrenamtlichen Grabpflegers Geiß ein. Derzeit prüft sie noch die Finanzierbarkeit der Sanierungsarbeiten. "Wir wissen um den maroden Zustand der Gräber. Für die Stadt hat der Friedhof jedoch zurzeit keine oberste Priorität.

Wichtiger ist für uns momentan die Sanierung von Schulen und asbestbeschädigter Gebäude", argumentiert Elke Palm vom Presseamt der Stadt. "Es kann gut sein, dass auf dem Poppelsdorfer Friedhof vor dem nächsten Jahr nichts mehr geschieht."

Geiß ist über die Haltung der Stadt bezüglich der Denkmalpflege auf dem Poppelsdorfer Friedhofs enttäuscht. "Hier liegt einfach so vieles im Argen. Auch der Stationenweg des Bonner Bildhauers Gottfried Welter, der mit seinen marmornen Heiligenfiguren entlang des Friedhofs verläuft, müsste dringend erneuert werden", so Geiß.

Nachdem die Stadt die ersten beiden der sieben Stationen hatte sanieren und neu anstreichen lassen, geschah bei den weiteren fünf Stationen bis heute nichts. "Verantwortlich fühlt sich wieder mal niemand. Auch die Kirche tut nichts", so Geiß.

Am meisten empört sind Geiß und seine Mitstreiter jedoch darüber, dass ein bedeutender Bonner Künstler wie Albert Küppers nach seinem Tod so einfach in Vergessenheit gerät. "Keine Straße, kein Weg, kein Platz erinnert bisher an ihn", so Karlheinz von den Driesch, der sich gemeinsam mit Geiß für den Erhalt des Küppers-Grabmals einsetzt.

Das könnte sich jedoch schon bald ändern. Im Rahmen der umfassenden Neubauprojekte auf dem Poppelsdorfer Campus setzt sich der Förderverein Poppelsdorfer Geschichte derzeit bei Stadt und der Bonner Universität dafür ein, einen der Campus-Wege nach Albert Küppers zu benennen.

"Es ist geplant, dass alle Wege auf dem Campusgelände die Namen berühmter Universitätsmitglieder bekommen sollen. Auch Albert Küppers wird dort vermutlich als erfolgreicher Bonner Bildhauer und ehemaliges Universitätsmitglied vertreten sein", ist Alt voller Hoffnung.

Albert Küppers:

Albert Küppers wurde am 22. Februar 1842 in Coesfeld als viertes von sieben Kindern einer Konditorenfamilie geboren. Nach Lehr- und Studienjahren in Roermond, München, Berlin und London, zog er 1868 nach Bonn, wo er später als Kunstprofessor an der Universität lehrte. 1922 wurde der Künstler dort zum akademischen Ehrenbürger ernannt. Bis zu seinem Tod am 11. Oktober 1929 in Bonn schuf er zahlreiche Marmor- und Bronzebüsten und - reliefs von Bonner Bürgern und Professoren, die bis heute universitäre Einrichtungen, Kliniken und Friedhöfe in Bonn zieren.