Viktoriakarree in Bonn

Projekt "Einkaufszentrum" beerdigt - das sind die Reaktionen

Das Café Blau im Foyer des Viktoriabads ist wegen seiner Atmosphäre nicht nur bei Studenten beliebt. Hier hat die Initiative gefeiert.

Das Café Blau im Foyer des Viktoriabads ist wegen seiner Atmosphäre nicht nur bei Studenten beliebt. Hier hat die Initiative gefeiert.

Bonn. Lange gefeiert haben die Initiatoren des Bürgerbegehrens, die den Verkauf der städtischen Immobilien an die Signa verhindert haben, nachdem das Ergebnis der Ratsentscheidung Montagnacht fest stand. Wo? "Natürlich im Café Blau!", so Lui Eick.

"Wir hatten zuletzt selber nicht mehr daran geglaubt, dass es im Rat eine Mehrheit für das Bürgerbegehren geben würde." Er sei auch "ein wenig bewegt. Das ist eine tolle Sache, dass man basisdemokratisch etwas bewegen kann", so der Betreiber des Café Blau und des Café Sahneweiß.

Eick und seine Mitstreiter betonen, sie seien "keine Nein-Sager. Wir wollen auch, dass etwas in unserem Viertel geschieht". Letztlich sei die Entscheidung im Rat im Interesse der Bürger gefallen. "Dem Steuerzahler sind 350.000 Euro erspart geblieben. Soviel hätte der Bürgerentscheid gekostet, das Ergebnis wäre dasselbe gewesen." Erste Ideen dafür, wie es aus ihrer Sicht nun mit der Entwicklung des Karrees weitergehen kann, will die Initiative am Freitag präsentieren.

Enttäuschung bei Signa

Enttäuscht ist erwartungsgemäß Christoph Stadlhuber, Geschäftsführer der Signa, die gerne ihr Einkaufszentrum mit angegliederter Bibliothek für die Uni Bonn realisiert hätte: "Signa respektiert das Votum des Kommunalparlaments und nimmt diese Entscheidung der Bonner Politik zur Kenntnis. Wir prüfen nun in aller Ruhe allfällige nächste Schritte und die weitere Vorgangsweise. Anerkennung und Wertschätzung gebührt besonders jenen Politikern, die sich immer klar und eindeutig zum Projekt Kaufhaus Viktoria ausgesprochen haben", so Stadlhuber.

Auch die Uni Bonn muss sich jetzt ernsthaft Gedanken über einen anderen Standort für ihre Philologische Bibliothek machen. "Um die benötigten Flächen freizuziehen, denkt das Rektorat nun über Umwidmung und Verlagerung von Räumlichkeiten nach", heißt es. Wie berichtet, gibt es unter anderem Überlegungen, das Juridicum umzusiedeln.

Rektor Professor Michael Hoch deutet an, dass es "erste Ideen" gebe. Aber die sollen erst intern mit den "potenziell Beteiligten" diskutiert werden. Das Rektorat sei "für Vorschläge aus den Fakultäten offen". Hoch weiter: "Für die weitere bauliche Entwicklung der Universität und des Wissenschaftsstandorts Bonn sind wir auf die solidarische Unterstützung von Stadt, Rat und Bürgerschaft angewiesen. Dafür möchte ich werben."

Fenninger sieht "Billigläden" einziehen

CDU-Geschäftsführer Georg Fenninger sieht schlechte Zeiten auf das Viertel zukommen und schon "Billigläden" in die Immobilien einziehen. Auch eine Unterbringung von Flüchtlingen kann sich Fenninger vorstellen. Er sagt: "Das war ein Bärendienst für die Stadt Bonn."

Die Piratenpartei im Stadtrat freut sich zwar über das Ergebnis. "Es bleibt zu hoffen, nun nicht in eine lähmende Schlammschlacht zu verfallen, sondern ernsthaft die politische Aufgabe zu übernehmen und die Stadtteilentwicklung voranzutreiben", sagte Ratsherr Felix Kopinski.

IHK-Präsident Wolfgang Grießl zeigte sich enttäuscht: "Wir fürchten jetzt einen jahrelangen Stillstand im Viktoriakarree. Wer hier Hoffnungen auf eine Bürgerwerkstatt setzt, verkennt doch die Realitäten bei einer Stadt, die mit 1,7 Milliarden Euro verschuldet ist."

Zufrieden mit dem Ergebnis ist SPD-Fraktionschefin Bärbel Richter, die betont, dass inhaltliche Argumente den Ausschlag für die Haltung ihrer Fraktion gegeben haben. Hartwig Lohmeyer (Grüne) sagte, der Rat habe mit seinem Votum für das Bürgerbegehren Größe gezeigt: "Solch ein Projekt lässt sich nur im gesellschaftlichen Konsens umsetzen."