Nach Trennung vom Geschäftsführer

Programm für Beethoven-Jubiläum nicht gefährdet

Malte Boecker beantwortet im Ratssaal die Fragen der Kulturpolitiker.

Malte Boecker beantwortet im Ratssaal die Fragen der Kulturpolitiker.

Bonn. Der Aufsichtsratsvorsitzende der Beethoven Jubiläums Gesellschaft, Malte Boecker, spricht in der Sondersitzung des Kulturausschusses über die Trennung von Geschäftsführer Christian Lorenz und versucht, die Ratspolitiker zu beruhigen.

So ganz konnte Malte Boecker die Zweifel einiger Ratspolitiker nicht zerstreuen. „Ich bin überzeugt, dass Bonn zum Beethoven-Jubiläum die größten Feierlichkeiten weltweit erleben wird“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Beethoven Jubiläums Gesellschaft mbH am Mittwoch in einer Sondersitzung des Kulturausschusses im Stadthaus, die nach der plötzlichen Trennung vom bisherigen künstlerischen Geschäftsführer Christian Lorenz einberufen worden war.

„Wir halten an den programmatischen Leitlinien fest“, versicherte Boecker. Man sei bemüht, „gemeinsam mit den Partnern“ alle öffentlich vorgestellten Projekte zu realisieren. Boecker: „Das Programm wird hohe Strahlkraft besitzen.“ Bisher habe die Jubiläums-Gesellschaft schon 12,8 Millionen Euro für Projekte bewilligt, von denen 7,8 Millionen ins Stadtgebiet flößen; die vierte Förderrunde laufe. Der Bund hat der Gesellschaft 15 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, das Land NRW 10 Millionen, die Stadt Bonn 3,5 Millionen (plus drei abgeordnete Mitarbeiter), der Rhein-Sieg-Kreis 1,5 Millionen Euro – zusammen also ein 30-Millionen-Budget.

Die Gründe für den Abgang von Lorenz blieben in der Sitzung unscharf. Boecker berichtete von Differenzen mit dem Ex-Geschäftsführer über Budgetfragen und die konkrete Umsetzung von Projekten. „Ich musste feststellen, dass wir weit auseinanderlagen“, so der Direktor des Beethoven-Hauses. „Irgendwann muss man entscheiden, wie es weitergehen soll.“ Der Aufsichtsrat habe deshalb eine „einvernehmliche Entscheidung über eine Aufhebungsvereinbarung“ getroffen.

Er habe angeboten, die Aufgaben von Lorenz zu übernehmen – zusätzlich zu seiner Tätigkeit im Beethoven-Haus, das gut aufgestellt sei. Laut Boecker entscheidet der Aufsichtsrat in seiner nächsten Sitzung über die Berufung und vertragliche Details. Bis dahin leitet der kaufmännische Geschäftsführer Ralf Birkner die Gesellschaft allein. Lorenz selbst äußert sich nicht. In einer Mail, die dem GA vorliegt, kritisierte er die schwierigen Rahmenbedingungen der Jubiläums-Gesellschaft. Der „Gestaltungs- und Handlungsspielraum des künstlerischen Geschäftsführers“ sei dort „reduziert“ worden.

Veranstalter entscheiden selbst, ab wann es Karten gibt

Während Elmar Conrads-Hassel (FDP) sich von Boeckers Botschaften „beruhigt“ zeigte, kamen von CDU, Grünen, Linken und Sozialliberalen eher skeptische Reaktionen. „Es ist außergewöhnlich, dass wir von der Jubiläums-Gesellschaft jahrelang nur optimistische Berichte erhalten und trotzdem plötzlich die Trennung vom Geschäftsführer erfolgt“, sagte Tim Achtermeyer (Grüne). Wann es endlich Karten für die Konzerte zu kaufen gebe, wollte Markus Schuck (CDU) wissen. Das entscheiden die einzelnen Veranstalter selbst, erklärte Geschäftsführer Birkner. Der Vorverkauf für die wenigen Eigenveranstaltungen der GmbH – wie das Konzert des London Symphony Orchestra – solle noch vor dem Sommer starten.

Einen „Kraftakt“ stellt laut Boecker das Simultankonzert des Beethoven Orchesters mit den Wiener Symphonikern am 15. Mai 2020 dar. Es soll im Hofgarten stattfinden – man prüft aber auch Alternativen – und vom WDR übertragen werden. Bühne und Logistik hatte die Jubiläums-Gesellschaft europaweit ausgeschrieben, allerdings nur Angebote erhalten, die wohl weit über dem kalkulierten Budget lagen. Jetzt wird eine neue Ausschreibung vorbereitet. Boecker: „Alle Beteiligten sind fest entschlossen, es hinzukriegen.“ Mit „Dritten“ werde über eine nachfolgende Nutzung der Bühne gesprochen. Die Telekom hatte angedeutet, einen internationalen Popstar in der Kategorie von Lady Gaga nach Bonn holen zu wollen.