Wahlkampf in der Bäderfrage

Pro und Contra zum Bau des Wasserlandbades

Badespaß im Wasserland: Mit dieser Animation zeigen die Architekten, wie es einmal im Inneren der neuen Schwimmhalle aussehen soll.

Badespaß im Wasserland: Mit dieser Animation zeigen die Architekten, wie es einmal im Inneren der neuen Schwimmhalle aussehen soll.

Bonn. Ein neues, modernes Bad in Dottendorf oder doch lieber Erhalt des Kurfürstenbades und des Frankenbades? Auch in der Redaktion gehen die Meinungen auseinander. Ein Pro und Contra:

GA-Lokalchef Andreas Baumann und GA-Redakteur Jürgen Pohlmann sind unterschiedlicher Meinung, ob ein modernes, neues Bad in Dottendorf gebaut werden soll oder nicht. Hier die Standpunkte für Pro und Contra.

Für den Neubau ist GA-Lokalchef Andreas Baumann:

Niemand kann ernsthaft bestreiten, dass das Wasserlandbad eine Freizeitattraktion in Bonn sein wird. Ein modernes, barrierefreies Gebäude mit Wellness, Sauna, Gastronomie, Wasserrutschen, Sprungturm, einem beheizten Außenbecken – all dem also, was die Bonner bisher nur im Umland finden. Dazu ein Sportbecken für Vereine und Schulen, das getrennt vom Familienbereich genutzt werden kann. Das Bad wird zudem energetisch optimiert sein.

Ja, das Projekt hat auch Nachteile. Für etliche Schulen wird die Anfahrt zum Schwimmunterricht länger. Sie müssen ihre Stundenpläne dann so organisieren, dass es passt – das ist nicht einfach, aber sicherlich machbar. Und: Der Eintritt im Wasserland liegt höher als in anderen städtischen Bädern. Für Menschen, die sozial bedürftig sind, gibt es aber mit dem Bonn-Ausweis 50 Prozent Ermäßigung.

Dass die Investitionskosten höher sind als bei einer Sanierung von Kurfürsten- und Frankenbad, zieht nicht als Argument gegen das Wasserland. Worauf es ankommt, das ist der jährliche Zuschussbedarf. Und da schneidet der Neubau, wenn die Angaben der Stadt stimmen, besser ab. Das entscheidende Plus: der Steuervorteil für die kommunalen Stadtwerke. Hier liegt aber auch ein Risiko. Machen sie nicht genug Gewinn, schmilzt der Steuereffekt dahin, und die Rechnung geht nicht mehr auf.

Trotzdem: Wie sähe denn die Alternative aus? Sanierung durch das Städtische Gebäudemanagement, dem bei der Beethovenhalle gerade die Kosten explodieren? Das nach 64 zusätzlichen Stellen ruft, um all die anderen Sanierungen und die Kita-Neubauten bewältigen zu können, die unabdingbar sind? Fakt ist: Wer beim Bürgerentscheid mit Ja – also gegen den Neubau – stimmt, wird bei den Bädern ähnlich wie beim Viktoriakarree jahrelangen Stillstand bekommen. Es gibt keinerlei konkrete Planungen für Kurfürsten- und Frankenbad. Und die 26 Millionen Euro, die jetzt für die Sanierung von Beueler Bütt und Hardtbergbad im städtischen Haushalt stehen, müssten wohl neu aufgeteilt werden. Die quälende Endlosdebatte im Rat würde von vorn beginnen.

Gegen das Wasserlandbad ist GA-Redakteur Jürgen Pohlmann:

Könnte Bonn aus dem Vollen schöpfen, würde ich keine Sekunde zögern und den Bau des Wasserlandbades begrüßen. Die Stadt hat jedoch Schulden bis über beide Ohren und lebt auf unabsehbare Zeit mit überzogenen Konten. An den Folgen des WCCB-Skandals werden die Stadt und damit alle Bürger noch lange zu tragen haben, die Kosten für die Sanierung der Beethovenhalle steigen im Monatstakt, und Entscheidungen über das marode Opernhaus und die sanierungsbedürftigen Kammerspiele stehen auch noch aus.

Schaue ich mir vor diesem Hintergrund die Kostenkalkulation von etwa 60 Millionen Euro für das Wasserlandbad und um die 35 Millionen für die Sanierung von Kurfürstenbad und Frankenbad an, so schlägt bei mir das Pendel für die kostengünstigere Variante aus. Zudem glaube ich, dass man mit der dauerhaften Schließung des Kurfürstenbades Bad Godesberg seiner Seele und seiner Wurzeln beraubt. Die Anfänge des Ortes liegen nun einmal im Badewesen. Setzt man dieser Tradition ein Ende, kann man Godesberg getrost den Titel Bad entziehen, weil er zur inhaltslosen Formel geworden ist. Ich plädiere deshalb für die kleine Lösung, also den Erhalt der Stadtteilbäder, wobei es nach der langen Schließung des Kurfürstenbades durchaus Sinn machen könnte, das Kurfürstenbad abzureißen und neu zu bauen – natürlich nur in einer bescheidenen Variante.

Der Erhalt der Bäder in den Stadtbezirkszentren hätte noch einen anderen Vorteil: kurze Wege zum Schulschwimmen. Die anstehenden Großbaustellen auf den Autobahnen rund um Bonn lassen jetzt schon jeden nach Alternativen suchen. Jedes Auto oder jeder Bus, der sich nicht in den Berufsverkehr einreihen muss, erleichtert die Lage. Ich weiß überhaupt nicht, wie den Schulen, die auf einen Bus zum Wasserland angewiesen wären, eine vernünftige Zeitkalkulation gelingen soll. Sicher würde jeder den Familien ihr Spaßbad und den Sportlern ihr Wettkampfbecken gönnen – aber nicht um jeden Preis. Und diesen strengen Maßstab würde ich auch in der Kultursparte anlegen.