Areal an der Immenburgstraße

Privatinvestor will Stadt Bonn den Schlachthof abkaufen

Bonn. Sowohl Stadtwerke als auch private Investoren wollen der Stadt das ehemalige Schlachthof-Gelände abkaufen. Die Verkaufsentscheidung trifft am Ende der Bonner Stadtrat.

Um den früheren Schlachthof in der Weststadt bahnt sich ein Ringen zwischen den Stadtwerken Bonn (SWB) und privaten Investoren an. Beide Seiten wollen der Stadt das knapp 29.000 Quadratmeter große Gelände an der Immenburgstraße abkaufen und es bebauen. In beiden Szenarien könnte offenbar auch das Westwerk, eine seit Jahren geplante Konzert- und Veranstaltungshalle, realisiert werden (siehe „Ein Zentrum für Popmusik“).

Das Areal liegt seit 2012 brach. Über den Abriss der verfallenden Gebäude hat der Stadtrat am Montagabend im nicht öffentlichen Teil der Sitzung diskutiert. Aus der vertraulichen Beschlussvorlage der Stadtverwaltung gehen Details hervor, die bislang nicht bekannt waren. Demnach will der Eigentümer des benachbarten, 63.000 Quadratmeter großen Grundstücks den alten Schlachthof kaufen, um das gesamte Gebiet einschließlich einer Fläche der nahen Müllverwertungsanlage (MVA) aus einem Guss neu zu entwickeln.

Geplant sind laut Stadt außer dem Westwerk: ein Parkhaus, Büroflächen für BonnOrange und MVA, ein Wertstoffhof, ein Hotel, ein „Foodcourt“ und weitere Bürohäuser. Eigentümerin des Nachbargrundstücks ist laut Vorlage die „Bauprojekt ehemaliger Güterbahnhof GmbH“. Dahinter steht nach GA-Informationen der Bonner Unternehmer Detlev Klaudt. Von ihm war am Mittwoch keine Stellungnahme zu bekommen.

Der Investor hat bereits ein Architektenbüro beauftragt und vor zwei Jahren eine Bauvoranfrage an die Stadt gerichtet. Darauf ließ die SWB GmbH ein Rechtsgutachten zu möglichen Auswirkungen auf die MVA erstellen. Die Anwälte warnten vor eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten, sollten „immissionsempfindliche Nutzungen“ wie Gaststätten, eine Konzerthalle oder ein Hotel nah an der MVA errichtet werden. Als Lösung schlägt die Stadt vor, auf dem Schlachthofgelände nur klassische Gewerbebetriebe zuzulassen. Andere Nutzer könnten die Investoren in größerer Entfernung zur MVA ansiedeln.

Allerdings konkurriert Klaudt inzwischen mit den Stadtwerken, die für die MVA langfristige Pachtverträge mit seiner Firma haben. Im Februar haben sie der Kommune ein Kaufangebot zum Verkehrswert gemacht, wie der Vorlage zu entnehmen ist. Und weiter: „Intention ist die Entwicklung hin zu einem Innovations- und Umwelttechnikstandort für alternative Energien und Recycling“.

Die Stadtwerke, die in der Nähe auch das Heizkraftwerk Nord betreiben, bestätigen ihr Kaufinteresse, nennen aber keine Details. „Wir sind Teil der Initiative NEWest und an Aufwertung und Weiterentwicklung des Areals interessiert“, so SWB-Sprecher Michael Henseler. Im Juni gab es laut der vertraulichen Vorlage ein Treffen zwischen SWB, Stadtspitze und Grundstückseigentümern. Eine „zeitnahe“ gemeinsame Lösung sei trotz gemeinsamer Interessen nicht gefunden worden. „Innovative, gewerbliche Nutzungen und auch das Kompetenzzentrum für Popmusik“ seien jedoch „weiterhin möglich“, schreibt die Stadtverwaltung.

Die Verkaufsentscheidung trifft am Ende der Rat. Beide Konzepte setzen voraus, dass der „Straßenstrich“ und die von der Stadt aufgestellten „Verrichtungsboxen“ an eine andere Straße verlagert werden. Zunächst sollen aber die alten Schlachthofgebäude abgerissen werden, die ein Sicherheitsrisiko darstellen. Trotz Zaun betreten immer wieder Unbefugte das Gelände. Die Abrisskosten schätzt die Verwaltung auf rund 3,4 Millionen Euro. Dazu kämen Ausgaben für die Sondermüllentsorgung, weil die Gebäude mit Öl und Kühlmitteln belastet seien. Wahrscheinlich müsse wegen der Altlasten auch das Erdreich saniert werden. Um ein Ingenieurbüro mit der Planung beauftragen zu können, beantragte die Stadt in der Ratssitzung ein Budget von 600.000 Euro.

Doch die Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP änderte den Beschluss: Jetzt soll die Verwaltung erst mit den Stadtwerken über „eine wirtschaftliche Gesamtlösung für die Freimachung des Grundstücks“ sprechen. Das sei keineswegs eine Vorentscheidung für den Grundstücksverkauf, heißt es aus Koalitionskreisen. Die Stadtwerke hätten aber mit dem Abriss des Hochbunkers am Heizkraftwerk Nord bewiesen, dass sie solche Aufgaben beherrschten.