Varieté Premiere von "Highlights" im GOP überzeugt nur teilweise

Kris Kremo ist ein Jonglage-Veteran, der seine Kunst von seinem Vater erlernt hat.

Bonn. Im GOP-Varietétheater wird in Bonn mit "Highlights" ein neues Programm gezeigt. Die Show sticht aber nicht nur mit Höhepunkten hervor.

In gewisser Weise ist der Titel Programm: Den ein oder anderen Höhepunkt gibt es in der neuen Show des GOP-Varietétheaters tatsächlich zu erleben. Eine charmante Jonglage-Legende zum Beispiel, eine fantastische Vertikalseil-Artistin oder eine Mobile-Künstlerin mit einer wahrhaft atemberaubenden Performance. Nummern, die außergewöhnlich sind, herausragend, mitunter gar einzigartig. Darbietungen also, die man sonst kaum zu Gesicht bekommt. Damit ließe sich schon ein schöner Abend gestalten. Oder auch eine spannende Talkshow. Immerhin finden sich auf der Bühne Figuren, die auch etwas erzählen hätten und einen Blick hinter die Kulissen gewähren könnten. Soweit die Idee. Und dann kommt Martin Quilitz.

Der 51-jährige Moderator ist dem GOP schon länger verbunden, eine frühere Show trug sogar seinen Namen. Mit „Highlights“ soll er nun zum Varieté-Äquivalent von David Letterman oder Harald Schmidt aufgebaut werden, der mühelos Zehntausende begeistern kann und immer wieder neue Kunststücke aus dem imaginären Hut zaubert. Bei der Bonn-Premiere überzeugt er allerdings nicht. Seine bemühten Pointen über seine Heimat Ostwestfalen sind ermüdend, die Interaktion mit dem Publikum beschränkt sich auf Kommentare zu Hemden und mehr oder weniger vorhandener Haarpracht, und seine vielgepriesene Verbindung zu den Künstlern ist nicht mehr als ein Lippenbekenntnis.

Da helfen auch ein paar Videoeinspieler nicht weiter. Von Talk keine Spur, statt einer Late-Night-Show gibt es das Morgenmagazin. Und das ist einfach zu wenig. Dabei hätten zumindest einige Künstler deutlich mehr verdient. Wenn etwa Naima Rhyn Rigolo aus 13 Palmästen und einer Feder ein riesiges Konstrukt entstehen lässt, das nur durch Balance zusammengehalten wird, ist das Publikum wie verzaubert. Die Ruhe und Eleganz der 61-Jährigen, ihre Präsenz und ihre Energie ziehen jeden in ihren Bann und schaffen eine Stille, in der man eine Stecknadel fallen hören könnte. Klasse.

Leichtigkeit und Selbstironie

Gleiches gilt für Kris Kremo (67), der mit seiner vom Vater vererbten Gentleman-Jonglage schon von Queen Elizabeth und König Carl Gustav von Schweden auftrat und seine Kunst mit einer Leichtigkeit ausübt, die seinesgleichen sucht. Zugegeben, nicht jeder Trick klappt, doch dank einer guten Dosis Selbstironie ist das alles halb so wild. Zumal auch nicht alles so spektakulär aussehen kann wie die Luftartistik der charismatischen Linda Sander oder die Mallakhamb-Kunst von Narendra Rameshrao Gade, der an einem indischen Holzpfahl eine perfekte Körperbeherrschung demonstriert. Dagegen schwächelt Gabriel Drouin am Cyr ein wenig – und die dreifache Waldorfschul-Musik-Comedy von Frau Bonse und dem Michael ist angesichts von ungelenken Hippie-Meditationen auf Gymnastikbällen und nur bedingt klingenden Klangstab-Konzerteinlagen mitunter einfach nur peinlich. Auf derartige Tiefpunkte hätte man gut verzichten können, und erst recht auf die Abschlussnummer von Martin Quilitz, der sich als taumelnder Joe-Cocker-Verschnitt endgültig demontiert, während die Artisten aus unerfindlichen Gründen in Hippie-Kostümen auftauchen, so als ob sie eine Saalwette verloren hätten und jetzt die bitteren Konsequenzen tragen müssten. Damit schafft man auf jeden Fall kein Highlight. Schade.

Showzeiten: „Highlights“ läuft bis zum 24. Juni 2018 immer mittwochs, donnerstags und freitags um 20 Uhr, samstags um 18 und 21 Uhr, sonntags um 14 und 17 Uhr. Karten ab 29 Euro (Kinder, Schüler und Studenten 15 Euro) gibt es bei Bonnticket. Zudem lädt das GOP-Theater am Pfingstmontag, 21. Mai, von 11 bis 18 Uhr zu einem Tag der offenen Tür mit Auszügen aus „Highlights“ und anderen Attraktionen. Mehr unter www.variete.de.

Zur Startseite