Debatte um Bonner Festspielhaus

Post will Anbau für Beethovenhalle prüfen

BONN. Faustdicke Überraschung für die meisten Politiker: Erst kurz vor der Sitzung des Stadtrates am Donnerstag informierte Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch die Fraktionsvorsitzenden über einen gemeinsamen Festspielhaus-Vorstoß, den er mit dem Post-Konzern am Vormittag endgültig abgestimmt hatte. Nach Einschätzung des Konzerns wäre ein neuer Konzertsaal an der Beethovenhalle deutlich preiswerter als in der Rheinaue.

Um das Beethoven-Jubiläum 2020 gebührend feiern zu können, soll nun auch geprüft werden, ob ein hochwertiger Konzertsaal als Erweiterungsbau neben der Beethovenhalle realisierbar ist. Anders als noch vor wenigen Jahren geplant, soll das denkmalgeschützte Gebäude dabei komplett erhalten bleiben.

Sowohl Nimptsch als auch die Post betonten, diese Variante sei eine "zusätzliche Option" zum bisher diskutierten Standort im "Blindengarten" in der Rheinaue. Der Konzern machte in einer Pressemitteilung aber seine Zweifel an der Finanzierbarkeit des Festspielhauses in der Rheinaue klar: Der "ursprüngliche Kostenrahmen" werde dort "deutlich" überstiegen.

Summen nannte die Post nicht. Die Stadt hatte in der Vergangenheit von geschätzten Baukosten von 80 Millionen Euro gesprochen. Eingeweihte des Projektes hielten dagegen rund 100 Millionen Euro für realistischer.

Die Baukosten, in die keine öffentlichen Mittel fließen dürfen, wären bei einer Erweiterung der Beethovenhalle nach Einschätzung der Deutschen Post DHL viel niedriger. Das Projekt könnte auf diese Weise "gegebenenfalls früher umgesetzt und somit rechtzeitig bis 2020 realisiert werden", heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Außerdem habe diese Lösung den Charme einer innerstädtischen Anbindung. Vorbehaltlich der Zustimmung der Konzerngremien bekräftigte die Post ihre Absicht, bis zu 30 Millionen Euro zur Finanzierung beizutragen.

Man sei auch bereit, "die entsprechenden architektonischen Planungen aufzugreifen und anzupassen", erklärte der Konzern. Oberbürgermeister Nimptsch kündigte an, dass in diesen Prozess die Festspielhaus-Initiativen einbezogen werden sollen und sprach vom "richtigen Signal zur richtigen Zeit".

Der Stadtrat begrüßte den Vorstoß einhellig. "Das ist die Chance, ein Projekt umzusetzen, das wir befürworten", sagte CDU-Fraktionschef Klaus-Peter Gilles. Und setzte hinzu: "In Anpassung an die Realitäten."

Die CDU gehe davon aus, dass die Prüfungen zügig angegangen würden. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Bärbel Richter dankte der Post für ihr Engagement und rief die anderen Parteien auf, Beethoven "endlich so zu ehren, wie es andere Städte längst vormachen".

FDP-Fraktionschef Werner Hümmrich betonte, er halte die Beethovenhallen-Variante für "realistischer als den Standort Rheinaue". Auch Bernhard Wimmer vom Bürger Bund Bonn äußerte die Hoffnung, dass der neue Konzertsaal auf diese Weise rechtzeitig vor 2020 fertiggestellt werden könnte.

Weniger einig war der Rat bei der Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens für ein Festspielhaus in der Rheinaue (siehe unten). Grüne und Linkspartei stimmten dagegen. "Mit ihrer aktuellen Erklärung macht die Post unmissverständlich klar, dass ein Festspielhaus in der Rheinaue auch für 80 bis 100 Millionen Euro nicht zu realisieren ist", sagte der planungspolitische Grünen-Sprecher Hartwig Lohmeyer nach der Sitzung.

"Der Einleitungsbeschluss, den der Rat trotzdem gefasst hat, ist Realitätsverweigerung." Und Michael Faber, Chef der Linksfraktion, kommentierte: "Das Projekt hatte noch nie eine seriöse Finanzierungsgrundlage und ist jetzt endgültig tot."

Der Verein Festspielhausfreunde reagierte am Abend auf die überraschende Wende. "Wir begrüßen jede Chance, 2020 einen angemessenen Konzertsaal zu haben", so die Vorsitzende Monika Wulf-Mathies. Es könne aber nur um einen Neubau, auf keinen Fall um eine Sanierung der Beethovenhalle gehen. Auch die Option Rheinaue müsse sorgfältig geprüft werden, "um am Ende nicht mit leeren Händen da zu stehen".

Vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren für den Blindengarten

Das vorhabenbezogene Bebauungsplanverfahren, das die Beethoven-Initiativen angestoßen haben, soll die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen für den Fall klären, dass das Festspielhaus in der Rheinaue gebaut werden soll. Antragsteller ist die "Projektentwicklungsgesellschaft Beethoven Festspielhaus gGmbH", gegründet von der Beethoventaler-Genossenschaft und dem Förderverein um IHK-Präsident Wolfgang Grießl.

Die Gesellschaft hat sich bereit erklärt, "alle Kosten des Bauleitplanverfahrens zu tragen, mit Ausnahme der Kosten für grundstücksbezogene Untersuchungen, die der Sphäre der Stadt zuzurechnen sind, und ausschließlich der Aufwendungen für Verwaltungsleistungen, die ihrem hoheitlichen Aufgabenbereich zuzuordnen sind." Die Projektgesellschaft würde auch die Umplanungskosten der Architektenentwürfe bezahlen, die sich noch auf den ursprünglichen Standort auf dem Grundstück der Beethovenhalle bezogen. Grießl rechnete mit Gesamtkosten bis zu 300.000 Euro.