Großprojekt

Poppelsdorfer wehren sich gegen Baupläne am Clemens-August-Platz

Poppelsdorf. Die geplante Bebauung am Clemens-August-Platz in Bonn-Poppelsdorf stößt dort auf Widerstand. Bürger befürchten Auswirkungen auf die Natur, die über den Stadtteil hinausgehen würden.

In Poppelsdorf formiert sich ein breiter Widerstand gegen das geplante Großprojekt auf dem Areal zwischen Clemens-August-Platz, Im Wingert sowie Trierer Straße. „Andere Städte wären froh, wenn sie ein solches Biotop hätten. Aber in Poppelsdorf soll eine einzigartige grüne Oase einfach zerstört werde,“, ärgert sich Ilka Spormann von der Bürgerinitiative „LiW“ (Landschaft im Wingert).

Denn wenn es nach dem Willen des Investors Schoofs aus Kevelaer geht, dann entsteht in Höhe des Kreisels auf der letzten großen Freifläche in Poppelsdorf ein großer Supermarkt mit Tiefgarage, ein Komplex mit 180 Wohnungen sowie eine Kindertagesstätte (der General-Anzeiger berichtete). „Aus ökologischen, klimatischen sowie verkehrspolitischen Gründen wäre das ein unverzeihlicher Fehler“, reagiert Spormann auf die Pläne, die bereits bei einer Bürgerversammlung kontrovers diskutiert wurden.

Vor allem deshalb, weil das rund 1,2 Hektar große Wäldchen für die Kaltluftproduktion und die Frischluftzufuhr unverzichtbar ist. „Wenn man hier in das System eingreift, dann werden die Folgen bis weit nach Poppelsdorf hinein bemerkbar sein“, prophezeit Bürgerin Christa Uebel-Lepartz. Nicht nur das Abholzen des alten Baumbestandes am Platz hätte fatale Folgen, sondern auch die Versiegelung des Bodens durch eine Bebauung. Jetzt hatte die Bürgerinitiative Vertreter der Parteien sowie Experten eingeladen, um mit ihnen vor Ort über die Auswirkungen der massiven Bebauung zu diskutieren.

Aus ökologischer Sicht gibt es ebenfalls Kritik an dem Vorhaben. „Die Artenvielfalt des Melbtals wäre durch die Zerstörung des Naturreviers in Gefahr“, erklärt der Ökologe und Botaniker Eberhard Fischer. Denn oberhalb des Clemens-August-Platzes könne man abends beobachten, wie Zwergfledermäuse sowie Abendsegler auf Nahrungssuche gehen. Auch die Haselmaus breitet sich – vom Melbtal aus – aus. „Wenn die Nahrungskette unterbrochen wird, dann verschwinden die Tiere automatisch“, erklärte der Wissenschaftler.

Wolfgang Alt, Vorsitzender des Poppelsdorfer Heimatvereins, kann sich hingegen eine andere Gestaltung des Geländes vorstellen. „Dort stand früher eine Mühle mit einem Teich. Dieser Grundstücksbereich gehört heute der Stadt. Es wäre doch schön, wenn man das Gebiet durch verschiedene Wege so erschließt, dass an die ursprüngliche Nutzung erinnert wird. Dafür könnte dann auch das alte Kreuz, das heute versetzt unter den Bäumen steht, wie früher näher an die Straße gerückt werden.“

Mit welchen massiven Verkehrsproblemen die Anwohner rechnen müssten, das wurde bei der Ortsbesichtigung ebenfalls deutlich. Aufgrund der Baustelle an der Trierer Straße staut sich der Verkehr derzeit vor einer Behelfsampel. „Diesen Lärm und den Dreck hätten wir den ganzen Tag, wenn hier ein Supermarkt mit Tiefgarage entsteht“, sagt eine betroffene Anwohnerin.

Dass Bonn dringend neue Wohnungen braucht, das ist auch den Poppelsdorfern klar. „Aber wir wehren uns gegen diese massive Bebauung“, sagt Spormann. Mit alternativen Konzepten oder einer lockeren Bebauung könne man schließlich die Situation auf dem Wohnungsmarkt ebenfalls entzerren.