Ausstellung im Stadtmuseum Bonn

Poppelsdorfer Unternehmer erfand Locher und Aktenordner

Bonn. Eine Ausstellung im Bonner Stadtmuseum zeigt die Geschichte des Poppelsdorfer Unternehmens. Friedrich Soennecken erfand Locher und Aktenordner.

Vor mehr als 40 Jahren entdeckte Christian Kleist im Keller des biologischen Instituts an der Kirschallee einige alte Kataloge des einstigen Poppelsdorfer Büroartikelherstellers Soennecken, der dort früher seine Fabrik hatte. Kleist war fasziniert von den edlen und reich verzierten Schreibfedern der Jahrhundertwende. Die formale Ästhetik der Gründerzeit mit ihren schmuckvollen Ornamenten und reichhaltigen Goldverzierungen standen für ihn in einem reizvollen Gegensatz zu der nüchternen und reduzierten Formensprache der 1970er Jahre.

Der Wunsch, die abgebildeten kunstvoll ziselierten Schreibfedern, Tintenfässer oder Locher einmal in die Hand nehmen zu können, brachte ihn dazu, über die Jahre nach Produkten und Preziosen des Bonner Familienunternehmens Soennecken Ausschau zu halten. Seit dieser Woche sind die Ergebnisse zusammen mit weiteren musealen Fundstücken in einer eindrucksvollen Ausstellung im Bonner Stadtmuseum an der Franziskanerstraße zu sehen.

Horst Pierre Bothien, Kurator des Stadtmuseums, ist es in Zusammenarbeit mit Christian Kleist, Wolfgang Alt und Klaus Gries vom Förderverein Poppelsdorfer Geschichte gelungen, ein Stück Bonner Industriekultur und ein Gefühl für das Bonn der Zeit von 1875 bis 1968 zu vermitteln. Gerade die historischen Schwarz-Weiß-Fotografien lassen für die Besucher manch eine Gerätschaft wieder lebendig werden.

Zwar werden sich altersbedingt nur wenige daran erinnern, einmal mit der von Friedrich Soennecken erfundenen Rundschrift das Schreiben gelernt zu haben. Auch die Reisekopierpresse, mit der sich ein besonders wichtiges Schriftstück mit erheblichem Aufwand duplizieren ließ, gehört zu den Erfindungen des um Ideen nicht verlegenen Sauerländers Friedrich Soennecken, die er sich patentieren ließ.

Grundlage seines damaligen großen Erfolges, auf dem er sein Unternehmen aufbauen konnte, war die metallene Rundschreibfeder, die nach der Spitzfeder, die er zunächst aus England importierte und später dann in Poppelsdorf herstellte, den zu dieser Zeit noch üblichen Gänsefederkiel ablöste. Mit den Metallfedern, die in ein Tintenfass getaucht wurden, schrieb man noch bis in die 1950er Jahre hinein. Dann erst kamen Füllfederhalter und die ersten Kugelschreiber auf, denen man jedoch keine Zukunft vorhersagte.

Soennecken gilt auch als Erfinder des Aktenordners, was wahrscheinlich die beiden sich überschneidenden Ringe seines Firmenzeichens erklärt. Vorangegangen war das Patent auf den Locher, den das Unternehmen von 1886 bis 1968 produzierte. Später kamen alle erdenklichen Ordnungssysteme und sogar Büromöbel hinzu.

„Soenneckens Bürowelt“ wurde zu einem weltbekannten Markenbegriff. Obwohl sich das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg wieder erholen konnte, verlor es in den 1960er Jahren den Anschluss an die Konkurrenz und musste schließen. Vom einstigen Wohlstand zeugt ein Mausoleum auf dem Poppelsdorfer Friedhof und die Villa Soennecken an der Ecke Reuterstraße/Kirschallee. Sie wurde 1935 von Sohn Alfred Soennecken an die Bonner Universität verkauft und steht seit sieben Jahren leer.