Idee des Unternehmers Frank Asbeck

Poppelsdorfer Schloss soll eine Glaskuppel bekommen

Die Vision für einen neuen Konzertsaal: So könnte die Überdachung des Schlossinnenhofes aussehen.

Bonn. Der Berliner Reichstag und seine Kuppel lassen grüßen: Auch das Poppelsdorfer Schloss in Bonn könnte eine moderne Glasüberdachung bekommen, genauer gesagt der Innenhof des Schlosses, der heute noch als Parkplatz für die Mitarbeiter der dort untergebrachten Institute dient.

Die Vision: Unter diesem Glasdach würden eine Bühne und ein Veranstaltungsort für 1050 Besucher entstehen, 710 Plätze unten und 340 oben in der Galerie unterm Kuppeldach. Mit dieser Idee hat der Bonner Unternehmer Frank Asbeck jetzt einen Stein ins Wasser geworfen, der auch bei der Universität  Wellen schlägt. Zumal Asbeck sich bereit erklärt, die Baukosten von 2,5 Millionen Euro für diese "Zukunftskuppel" aus seinem privaten Vermögen zu übernehmen.

"Ich bin durch das Betrachten einer Luftaufnahme darauf gekommen", berichtet der Unternehmer. Als Ex-Student der Alma Mater, der schon vor 30 Jahren in dem Schloss gewesen war, habe er plötzlich erkannt: "Auf das Gebäude gehört eine Kuppel."

Die Idee war geboren, und es fanden sich auch bei näherer Betrachtung immer mehr Argumente dafür. "Der Innenhof ist als Parkplatz viel zu schade", war laut Asbeck ein Aspekt. Wichtiger aber war: "Das Gebäude ist wunderbar, die Lage ist zentral und die Verkehrsanbindung gut, weil es in der Innenstadt und im Zurich-Komplex auch genügend Parkplätze gibt." An der Poppelsdorfer Alle halten Straßenbahnen, und der Fußweg zum Schloss ist kurz. Für Konzertbesucher könne man auch einen Shuttle-Service anbieten.

Idealer Veranstaltungsort für Musik, Theater, Sport und Bildung

Das alles mache das Schloss zu einem idealen Veranstaltungsort für Musik, Theater, Sport und Bildung. Das hatte übrigens auch Beethovenfest-Intendantin Nike Wagner vor einem Jahr erkannt, als sie für das Poppelsdorfer Schloss einen aufblasbaren Kammermusiksaal für 500 Besucher ins Gespräch brachte, um für das Beethovenfest einen weiteren Spielort zu haben. Und auch Asbeck schwärmt: "Das wäre doch wunderbar, sich in einer Konzertpause auf der Freitreppe des Schlosses an der Schönheit des Botanischen Gartens  zu erfreuen." Die aufblasbare Variante ist aber seine Sache nicht.

Die Finanzierung der Kuppel will der Unternehmer privat übernehmen. "Ich hatte ja damals angeboten, die Orgel für das Beethoven-Festspielhaus als Privatmann zu sponsern", sagt Asbeck. "Da diese Pläne gescheitert sind, würde ich das Geld nun gerne für den Bau dieser Glaskuppel geben." Er ließ durch seinen Architekten Ralph Schweitzer eine Planstudie anfertigen.

Diese zeigt, dass sich die Glaskuppel im Gegensatz zum Berliner Reichstag nicht über das Schloss erheben würde und aus der Entfernung kaum sichtbar wäre, weil das Glasdach über die Höhe der vier bestehenden Turmhauben nicht hinausragen soll. Die optische Anmutung des Poppelsdorfer Schlosses würde dadurch nicht verändert.

Uni soll Vorteile für sich generieren

Außerdem betont Asbeck: "Mir ist als ehemaliger Student und heutiger Förderer der Universität wichtig, dass meine alte Hochschule durch die zusätzliche Nutzung weder mit Anschaffungs- noch Folgekosten belastet wird." Im Gegenteil: Die Uni solle Vorteile wie einen zusätzlichen Audimax und Einnahmen für sich generieren können. "Außerdem könnte man den Bau der Kuppel zeitlich verbinden mit der sieben Millionen Euro teuren und unbedingt notwendigen Sanierung des Schlossdachs." Unterm Strich könne die Uni zum Gewinner werden. Über die weiteren Kosten, die anfallen, müsse man sich im Verlauf des Verfahrens unterhalten. Womöglich seien auch weitere Förderer bereit mitzumachen oder es gebe die Chance, öffentliche Zuschüsse zu erhalten.

Was die historische Substanz angeht, ist das Poppelsdorfer Schloss längst nicht mehr das Originalbauwerk von 1715, sondern wurde nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg erst in den 1950er Jahren wieder aufgebaut. "Das weiß aber kaum einer", sagt Asbeck, den diese Tatsache auch überrascht hatte. Eigentümer der Immobilie ist die Universität Bonn. Im Schloss sind derzeit einige Institute und das Mineralogische Museum untergebracht. Im Sommer finden dort die Schlosskonzerte statt, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

Universität reagiert aufgeschlossen

Der Universitätsleitung hat Asbeck seinen Vorschlag bereits präsentiert, durch die Kuppel über dem Innenhof einen neuen, wetterunabhängigen Veranstaltungsraum zu schaffen. Und diese reagierte erst mal interessiert. Man sehe detaillierten Planungen und Machbarkeitsprüfungen mit Interesse entgegen, erklärte Uni-Sprecher Andreas Archut am Montag dem General-Anzeiger. Die Hochschulleitung habe aber deutlich gemacht, dass die Universität sich weder an der Baumaßnahme selbst noch an den Betriebskosten eines solchen Kuppelbaus beteiligen könne.

Eine Nutzungserweiterung des Schlosses dürfe die Nutzung des Gebäudes für Forschung, Lehre, für das Mineralogische Museum sowie den Botanischen Garten nicht beeinträchtigen, so Archut weiter. "Die Errichtung einer Kuppel ist nur in einem architektonischen Gesamtkonzept sinnvoll, das auch die anstehenden Sanierungsmaßnahmen des Poppelsdorfer Schlosses umfasst", erklärte er. Dieser Sanierungsbedarf werde auf mehrere Millionen Euro beziffert.

Offensichtlich haben Uni-Rektor Michael Hoch und seine Kollegen erkannt, welche Vorteile die Universität aus dem Projekt ziehen könnte. Denn in der Stellungnahmen heißt es auch: "Der Kuppelsaal wäre nicht nur für Konzerte und mit Blick auf das Beethovenjahr 2020 interessant, sondern könnte auch Raum für wissenschaftliche Kongresse und Kulturveranstaltungen der Universität bieten." Auch Oberbürgermeister Ashok Sridharan wird in die Planungen einbezogen. Ihm sollen die Pläne noch in dieser Woche vorgestellt werden.

Vorschlag soll Diskussion anstoßen

Die Frage, ob das Poppelsdorfer Schloss unter Denkmalschutz steht, beantwortet die Stadt Bonn mit Ja. Allerdings ist auch in der Verwaltung bekannt, dass ein Großteil des Ensembles nachgebaut ist. Ähnlich wie beim früheren Metropol-Kino in der Bonner City, wo es vor dem Umbau zur "Thalia"-Filiale ebenfalls eine stark veränderte Bausubstanz gab. Über diese Frage entzündete sich seinerzeit ein Streit, der die Gerichte beschäftigte und die Stadt Bonn auf die Verliererseite brachte, weil sie den Umbau seinerzeit verweigert hatte.

Asbeck will mit seinem Vorschlag eine Diskussion anstoßen und zugleich auch ausprobieren, ob Bonn bereit ist für die Umsetzung neuer Ideen. "Ich bin mal gespannt, ob auch dieser Vorschlag prompt wieder zerredet wird", sagt er. Insofern sei die "Zukunftskuppel" für ihn auch ein Gradmesser, wie stark diese Stadt gedanklich in die Zukunft ausgerichtet ist.