Kontrollen in Bonn

Polizei stellt Drogen und Messer am Hofgarten sicher

Bei den Kontrollen im Bonner Hofgarten werden mutmaßliche Drogendealer nicht nur durchsucht, sondern auch fotografiert.

Bei den Kontrollen im Bonner Hofgarten werden mutmaßliche Drogendealer nicht nur durchsucht, sondern auch fotografiert.

Bonn. Nach groß angelegten Kontrollen im Bonner Hofgarten hat die Polizei am Mittwoch neun Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche Drogendealer eingeleitet. Einige Tütchen mit Marihuana fanden die Beamten in Astlöchern von Bäumen.

Eigentlich hätte es die Gruppe junger Männer besser wissen müssen. Schon am Mittwochnachmittag waren sie von der Polizei bei einer Drogenkontrolle im Bonner Hofgarten aufgegriffen worden. Nur wenige Stunden später standen sie wieder am Eingang der U-Bahnhaltestelle Universität/Markt. Und wieder nahm sie die Polizei hoch – obwohl sie einen Platzverweis erhalten hatten.

Mit einer großangelegten Aktion war die Polizei am Mittwoch gegen Drogenkriminalität am Bonner Hofgarten vorgegangen. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, waren dabei Drogen, mutmaßliches Geld aus Drogengeschäften sowie ein Messer sichergestellt worden. Im Einsatz war auch ein Drogenspürhund.

Es ist schon eine fast übliche Szenerie im Hofgarten: Mehrere Mannschaftsbusse der Einsatzhundertschaft fahren zügig vor und platzieren sich vor der Haltestelle. Von allen Seiten umstellen rund 30 Polizisten den Platz, an dem tagsüber ein Café-Roller steht. Auch aus der Haltestelle selbst kommen die Beamten die Treppen hinaufgerannt. So versperren sie den Weg, falls jemand flüchten will. Die 14-köpfige Gruppe hat dadurch keine Chance zu türmen. Und ist dementsprechend kooperativ – zumindest vorerst.

„Der Hofgarten ist nicht nur wegen der Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit ein Schwerpunkt für uns“, sagt Polizeisprecher Simon Rott. Zuletzt gab es blutige Schlägereien, eine Messerattacke, unzählige Drogendelikte. Einmal feuerte ein junger Mann mit einer Schreckschusspistole in die Luft, was für Panik sorgte. Drogen- und Körperverletzungsdelikte wurden zwar schon vorher im gesamten Innenstadtbereich verstärkt in den Fokus genommen. „Aber wir reagieren hier auch auf die Beschwerden aus der Bevölkerung“, so Rott. Und die haben zugenommen. Einige Bonner empfinden den Hofgarten sobald es dunkel wird als Angstraum, Frauen werden unflätig angesprochen, Jugendlichen Marihuana angeboten. Auch wenn die Kriminalität rein statistisch gesehen sinkt: „Es zählt auch die gefühlte Sicherheit.“

Zu ihr tragen groß konzertierte Einsätze wie am Mittwochabend bei, das ist schon nach wenigen Minuten zu spüren. Die Passanten halten an, fragen nach, was passiert ist. Darauf angesprochen, wie sie diese Kontrollen finden, kommt fast immer ein „gut“. Für manche scheinen sie aber auch ein bisschen zu dick aufgetragen zu sein. Sie fühlten sich nicht unsicher, Drogenhandel habe es schon immer gegeben. Der Hofgarten ist wegen seiner Weitläufigkeit und Nähe zur U-Bahn ein idealer Umschlagplatz.

Wer sich nicht ausweisen kann, muss mit auf die Wache

Die festgesetzte Gruppe weiß das. Waren die jungen Männer, darunter auch drei Minderjährige, erst noch kleinlaut, gewinnen sie mit jeder Minute, die sie mit ihren Jogginghosen vor der Haltestelle stehen, an Selbstvertrauen. Erst wird diskutiert, dann gestikuliert. Bis die Polizisten wieder aktiv werden. Vier Mannschaftsbusse haben sie in einem Quadrat zu einem sogenannten Trichter geparkt. Eine Art mobiles Büro, wie Zugführer Ralf Weinbach erklärt: „Hier werden die Personen durchsucht, Fotos von ihnen gemacht und Identitäten festgestellt.“

Wer sich nicht ausweisen kann, muss mit auf die Wache kommen und seine Fingerabdrücke abgeben. Die Minderjährigen kommen jetzt zuerst dran – damit sie schnellstmöglich von ihren Eltern abgeholt werden können. Dem ein oder anderen wird das irgendwann zu bunt: Doch sobald er sich wehrt, packen die Polizisten fester zu und drücken denjenigen gegen die Fahrzeugseite. Der Ton ist rau. All diese Abläufe sind einstudiert und von langer Hand geplant. Ein bis zwei Wochen dauert die Vorbereitung eines solchen Einsatzes.

„Interventionseinsätze laufen im Innenstadtbereich ständig“, sagt Simon Rott. Der Ablauf ist immer gleich: Beamte in zivil beobachten potenzielle Dealer und merken sich auffällige Personen. Mal greifen sie die mutmaßlichen Täter selbst auf, mal werden sie später bei einer Razzia durchsucht. Dann entdecken sie meist größere Mengen Bargeld, Tütchen mit Marihuana oder Bunker durch Spürhunde. In letzteren verstecken Dealer ihre Drogen, sodass sie immer nur kleinere Mengen Rauschgift bei sich tragen.

Bei der Gruppe junger Männer wurden schon am Nachmittag acht Päckchen Marihuana und 835 Euro Bargeld in kleinen Scheinen gefunden. Am Abend kamen zu den vier bestehenden fünf Strafanzeigen hinzu. Zwei Drogenfunde in Bäumen und am U-Bahnsteig konnten noch nicht zugeordnet werden. Trotzdem: Vermutlich werden die mutmaßlichen Dealer wiederkommen. Zu groß ist die Nachfrage, mit der sie gutes Geld verdienen können.