Paulusheim in Endenich

Polizei spendet Betten für Flüchtlinge

Rundgang durchs ehemalige Paulusheim: Die Betten stammen aus der Polizeischule in Brühl, die umgebaut wird. Schränke, Tische und Stühle haben die Alexianer der Stadt überlassen.

BONN. In wenigen Tagen werden die ersten Flüchtlinge in das Endenicher Paulusheim einziehen. Das im Januar geschlossene Seniorenpflegeheim an der Sebastianstraße soll zwei Jahre lang rund 120 Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf bieten.

Am Montagnachmittag nutzten mehr als 300 Bürger die Einladung der Stadt Bonn, beim Tag der offenen Tür das neue Übergangsheim kennenzulernen.

Auch drei künftige Bewohner machen sich schon einmal mit ihrem neuen Zuhause vertraut. Die beiden Presbyterinnen Karin von Kameke und Martina Padberg von der evangelischen Gemeinde am Kottenforst in Röttgen haben ein Ehepaar aus Eritrea und einen 31-Jährigen aus Guinea mit nach Endenich gebracht. Die drei Flüchtlinge leben seit einem halben Jahr in Röttgen in einem Hotel.

Wie viele ihrer Leidensgenossen, weil die Stadt bisher keine Alternative hatte, erklären Sozialdezernentin Angelika Maria Wahrheit und Sozialamtsleiter Kurt Berger, die ebenfalls vor Ort sind. Beide sind froh, dass die Stadt das Paulusheim vom Eigentümer, einer Gesellschaft der Alexianer-Bruderschaft, als Übergangsheim mieten konnte.

Die Kosten belaufen sich inklusive aller weiteren Kosten für Betrieb, Instandhaltung und Herrichtung auf 500.000 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Rund 100.000 Euro pro Monat kostet bisher die Unterbringung von etwa 120 Flüchtlingen im Hotel.

Diese Flüchtlinge sollen jetzt nach und nach ins Paulusheim umziehen, berichtet Achim Behr vom Sozialamt. Er ist einer der städtischen Mitarbeiter, die die Besucher durch das Haus führen und mit vielen Fragen gelöchert werden. "Wir dachten, es sind nur Syrer, die hier einziehen sollen", meint eine Frau ganz erstaunt, als sie hört, dass die Flüchtlinge aus vielen Nationen stammen.

Behr erklärt, dass auf jeden Fall versucht werde, Menschen aus einer Nation möglichst in Zimmern nebeneinander unterzubringen. Er führt die Gruppe durch große, helle Räume, die bereits möbliert sind und jeweils über ein Bad verfügen. Die Betten sind nicht neu, aber im guten Zustand. Sie stammen aus der Polizeischule in Brühl, die umgebaut wird. Die Einbauschränke sowie Tische und Stühle aus solidem Holz haben die Alexianer der Stadt überlassen.

In jedem Zimmer sollen zwei Personen wohnen. Bei Ehepaaren mit kleinen Kindern würden Zusatzbetten aufgestellt. Kochmöglichkeiten bestehen in den voll eingerichteten Etagenküchen. Das großzügig gebaute Heim bietet zudem viel Platz für Aufenthaltsräume, dazu soll in einem größeren Zimmer eine Kinderbetreuung angeboten werden. Bei schönem Wetter steht das parkähnliche Außengelände zur Verfügung.

Auch wird ein Sozialarbeiter ständig im Haus sein, der Ansprechpartner für Bewohner und Anwohner sein soll, erklärt Berger. Er und Wahrheit wissen um die kritischen Stimmen mancher Anwohner und auch von der Sorge um die Sicherheit der Flüchtlinge. Entscheidend für Wahrheit ist, dass viele Mitglieder der beiden Kirchengemeinden, deren beider Pfarrer Adolf Adelkamp und Uwe Grieser ebenfalls zu Besuch sind, der Stadt ihre Hilfe bei der Betreuung der Flüchtlinge angeboten haben. "Diese positive Stimmung in Endenich ist für unsere anstrengende Arbeit eine große Unterstützung", sagt Wahrheit.

Auch Ortsausschussvorsitzende Karin Lepper ist zufrieden. Sie und Dieter Behrenbruch (CDU) erwarten aber, dass bei Verkauf des Areals der Ratsbeschluss umgesetzt wird, nach dem an dem Standort wieder eine Pflegeeinrichtung sowie seniorengerechte Wohnungen gebaut werden sollen.

Mindestens 800 Flüchtlinge werden erwartet

Bonn bietet inzwischen 490 Flüchtlingen aus mehr als 30 Nationen Zuflucht (Stand: Ende März 2014). Das Gros, etwa 80 Personen, stammt aus Syrien. Die Stadt rechnet angesichts der aktuellen Entwicklung bis Ende 2014 mit mindestens 800 Flüchtlingen insgesamt, für deren Unterbringung die Kommune verantwortlich ist.

Neben dem Paulusheim haben die Arbeiten für eine weitere Übergangsunterkunft in Wohncontainern in der Gerhart-Hauptmann-Straße begonnen. Dort sollen zusätzlich 80 Flüchtlinge unterkommen. Mit einem Einzug der Bewohner ist im Sommer zu rechnen. Wie in Endenich, will die Verwaltung auch dort zu einem Tag der offenen Tür einladen.

Das sagt die Stadt Bonn

Bei ihrer Ankunft erhalten die Flüchtlinge umfangreiche Informationen, etwa dazu, wie der Lebensunterhalt sichergestellt wird. Dann werden die Neuankömmlinge von Mitarbeitern des Sozialamtes in die Unterkünfte gefahren. Die Mitarbeiter suchen alle nach Bonn zugewiesenen Flüchtlinge persönlich auf.

Dabei erhalten sie eine Begrüßungsmappe mit allen wichtigen Informationen in sieben Sprachen. Sie helfen auch bei der Bewältigung von Schwierigkeiten (z. B. bei der Schulwahl). Bei der Betreuung der Flüchtlinge arbeitet der Soziale Dienst eng unter anderem mit der Ausländerbehörde, dem Jobcenter, dem Jugendamt und dem Schulamt zusammen.