Bonn Center vor dem Abriss

Polizei probt in leer stehenden Büros den Ernstfall

Bevor das Bonn Center abgerissen wird, dient es der Polizei als Trainingsstätte.

Bevor das Bonn Center abgerissen wird, dient es der Polizei als Trainingsstätte.

Bonn. Ob Geiselnahme, Amoklauf oder Terroranschlag: Gleich zu welchem Anlass Spezialkräfte der Polizei ausrücken müssen, die Einsätze werden in aller Regel vorher viele Male geprobt. Für die Trainingseinheiten beliebt sind vor allem leer stehende Gebäude, wie zurzeit das fast leer geräumte Bonn Center an der Reuterbrücke.

Das Gebäude wird ab Anfang November abgerissen, an seiner Stelle soll ein neuer Bürokomplex entstehen. "Ja, es ist richtig, wir haben der Bundespolizei gestattet, in den bereits leer stehenden Gebäudeteilen des Bonn Centers Übungen abzuhalten", bestätigte ein Sprecher des Investors, die Art Invest mit Sitz in Köln. Ob dabei, wie von Anwohnern berichtet, mehrfach Feueralarm ausgelöst worden sei, könne er nicht sagen. Stadtsprecher Marc Hoffmann zufolge weiß davon auch die Bonner Feuerwehr nichts. "Wenn der Eigentümer der Polizei dort Trainingsstunden ermöglicht, ist das im Übrigen seine Sache", erklärte er.

Jens Flören, Sprecher der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin, bestätigte auf GA-Nachfrage, dass die Bundespolizei in den letzten Wochen vermehrt im Bonn Center geübt habe. "Dabei wurden verschiedene polizeiliche Lagen trainiert." Die Kräfte der Bundespolizei nutzten regelmäßig leer stehende Gebäude, um sich darin auf verschiedene Einsätze vorzubereiten, erklärte Fören. "Dazu zählen Vorbereitungen unter anderem für den Einsatz bei Großfahndungen, Haus- und Wohnungsdurchsuchungen oder auch Geiselnahmen", sagte er. Oftmals fänden solche Übungen auch gemeinsam mit der Landespolizei statt, wie zuletzt im ehemaligen Autohaus Reuterbrücke, das mittlerweile abgerissen worden ist. Dort entsteht zurzeit eine neue Wohnsiedlung.

Natürlich trainiere die Polizei auch auf eigenem Gelände - wie zum Beispiel am Standort der Bundespolizei in Hangelar. "Für uns ist es aber immer sehr spannend, in fremde Gebäude zu gehen, um dort Trainingseinheiten abzuhalten", sagte Flören. So habe er selbst an einer Übung mit einem Hubschraubereinsatz im Post Tower - "natürlich erst nach Feierabend der dort beschäftigten Mitarbeiter" - teilgenommen. "Wir haben eine Geiselnahme simuliert", sagte Flören. Bei den Übungen außerhalb der eigenen Polizeigebäude werde allerdings niemals scharfe Munition eingesetzt. "Da benutzen wir ausschließlich Übungs- und Markierungsmunition", versicherte Flören.