Taxi kollidiert mit Polizeiwagen

Polizei nimmt Bonner Journalisten bei Unfallaufnahme fest

Der Bonner Journalist Marvin Oppong wirft der Polizei unverhältnismäßige Gewalt vor.

Der Bonner Journalist Marvin Oppong wirft der Polizei unverhältnismäßige Gewalt vor.

Bonn. Am Bertha-von-Suttner-Platz sind in der Nacht zu Mittwoch ein Polizeiwagen und ein Taxi zusammengestoßen. Ein Bonner Journalist wurde während der Unfallaufnahme in Gewahrsam genommen - - und wirft der Polizei unverhältnismäßige Gewalt vor.

Es ist ein Unfall, der nicht nur die beteiligten Autofahrer noch eine Weile beschäftigen dürfte. Auch sieht ein Beobachter des Geschehens einem Ermittlungsverfahren gegen ihn entgegen; seinerseits erhebt er schwere Vorwürfe gegen die Polizeibeamten vor Ort.

Gegen 0.15 Uhr stießen in der Nacht zu Mittwoch am Bertha-von-Suttner-Platz ein Streifenwagen und ein Taxi zusammen. Bei dem Unfall an der Einmündung zum Belderberg wurde eine 29-jährige Frau schwer verletzt, die als Fahrgast im Taxi saß. Für die Rettungsarbeiten und die Unfallaufnahme sperrte die Polizei die Kreuzung ab. Während die Einsatzkräfte bei der Arbeit waren, kam es zu einer Auseinandersetzung mit einem Passanten. Der 35-jährige Marvin Oppong, der als freier Journalist arbeitet und nach eigenen Angaben zufällig in der Nähe war, sah sich die Bergungsarbeiten an und machte Fotos davon. Über das, was im Folgenden passierte, gibt es von beiden Seiten höchst unterschiedliche Versionen.

Der 35-Jährige habe den Unfallbereich betreten, sei durch das Spurenbild gelaufen und habe Fotos von der Verletzten gemacht, teilte die Polizei am Mittwochvormittag mit. Deshalb habe man ihm einen Platzverweis erteilt. „Als er diesem trotz mehrfacher Aufforderung nicht nachkam, nahmen die Polizisten ihn zur Durchsetzung des Platzverweises in Gewahrsam“, teilte die Polizei mit. Oppong soll sich nach Angaben der Beamten dabei zunächst nicht als Journalist zu erkennen gegeben haben. Als die Polizeibeamten ihn in Gewahrsam nehmen wollten, soll er sich gewehrt und eine Beamtin leicht verletzt haben.

Die Beamten brachten ihn zur nahe gelegenen City-Wache. „Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen, bei denen der Beschuldigte erklärte, Journalist zu sein, wurde er wieder entlassen“, so die Polizei. Nachdem der 35-Jährige die Polizeiwache verlassen hatte, kehrte er an den Unfallort zurück, wo Beamte noch mit der abschließenden Unfallaufnahme beschäftigt waren. Einem erneuten Platzverweis kam er laut Polizei nach. Gegen Oppong hat die Polizei nun ein Ermittlungsverfahren wegen tätlichen Angriffs auf die Polizeibeamtin und wegen möglicher weiterer Straftaten eingeleitet. Um welche weiteren Straftaten es sich handelt, wollte die Polizei nicht mitteilen.

Der 35-Jährige schildert die Geschehnisse anders: So habe er am Rande der Unfallstelle gestanden und von dort aus die defekten Autos fotografiert. Verletzte Personen habe er gar nicht gesehen, sagte Oppong dem General-Anzeiger. Nach einem Wortwechsel mit einem Polizeibeamten sei er weiter zurückgegangen, bis sich zunächst ein Beamter auf ihn geworfen und ihn, unterstützt von weiteren Beamten, mit dem Gesicht zu Boden gedrückt habe. Mehrfach sei ihm der Arm umgedreht worden, er habe am Boden liegend um Hilfe geschrien und mehrfach gerufen, dass er Journalist sei. Auch habe er „auf keinen Fall jemanden verletzt“, so Oppong.

In einem im Internet kursierenden Videofilm ist zu sehen, wie Oppong mit den Beamten auf der Fahrbahn ringt. Auf der Wache habe er sich vollständig ausziehen müssen und sei von Beamten provoziert worden, zudem seien die Speicherkarte seiner Kamera sichergestellt und sein Gepäck durchsucht worden. Laut Polizeisprecher Robert Scholten habe es zuvor noch keine solche Konfliktsituationen mit einem Journalisten gegeben. „Wir bedauern, dass es zu Konflikten dieser Art kommt“, so Scholten.