Europa- und Sporttag am Heinrich-Hertz-Europakolleg

Politikverdrossenheit war Thema

Thema Europa: Katja Dörner (Mitte), Martin Zieroth (rechts) und Gerhard Papke im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern des Heinrich-Hertz-Berufskollegs.

BONN. "Was genau tut ihr eigentlich für uns und unsere Zukunft?" Antworten auf diese Frage erhielten die Schüler des Heinrich-Hertz-Europakollegs am Dienstag von Politikern. Anlässlich des dortigen Europa- und Sporttages unter dem Motto "Europa bewegt" gab es unter anderem eine Podiumsdiskussion mit Politikern. Wie es in und mit Europa weitergehen soll, darüber sprachen die Bundestagsabgeordneten Katja Dörner (Grüne) und Paul Schäfer (Die Linke) sowie die Landtagsabgeordneten Gerhard Papke (FDP) und Renate Hendricks, (SPD) sowie die Politiker David Winands (CDU) und Martin Zieroth (Piraten) mit den Schülern.

Dass über ein Europa der Zukunft geredet wird - ihr Europa - war allen Schülern klar. "Für Europa und für den Euro", darin waren sich die sechs Politiker einig. Nur wie? "Europa lebt von der Vielfalt. Das ist gut, aber die Länder dürfen sich nicht in vollkommen unterschiedliche Richtungen bewegen und vor allem nicht über ihre Verhältnisse wirtschaften, so dass Länder wie Deutschland die Schulden anderer zahlen müssen", sagte Papke. Einige Schüler reagierten mit zustimmendem Nicken, andere mit verhaltener Ablehnung und Kichern, wieder andere überhaupt nicht.

Dafür rief die Aussage Papkes bei den Politikern eine starke Reaktion hervor. "Ja, weil die Banken gerettet werden. Die Deutsche Bank ist so groß, die könnte uns erpressen", wetterte Schäfer. "Die Sparauflagen in den betroffenen Ländern sind brutal. Die Verarmung wird vorangetrieben, während wieder einmal die Banken gerettet werden." Trotzdem, ein geeintes und vor allem friedliches Europa sei keine Selbstverständlichkeit, meinten unisono alle Politiker.

Große Emotionen weckten die Ausführungen der Politiker bei den Schülern nicht. Passend dazu kam das Thema Politikverdrossenheit auf. Die Schüler wurden aufgefordert, sich für Politik zu interessieren, schließlich bestimme diese die Umstände, in denen die Schüler selbst lebten. "Ein bisschen hochgestochen haben die Politiker geredet, die Kommunikation zum Publikum hat etwas gefehlt, und manchmal wurde nicht richtig auf unsere Fragen eingegangen", merkte Schülerin Andrielly Santana nach der Diskussion an.

In den Turnhallen der Schule ging es beim Europa- und Sporttag um nicht ganz so ernste Themen. Für alle gab es ein Rahmenprogramm mit Zumba, Salsa, Jonglieren und Turnieren in Hallenfußball und Streetbasketball. Außerdem gab es eine Ausstellung rund um Europa. Schüler, die ein Praktikum im Ausland absolviert hatten, bekamen am Ende des Tages ihre Zertifikate, die Europässe.