Projekt von Caritas und VFG Plakataktion für wohnungslose Menschen in Bonn

Plakative Aktion: Susanne Fredebeul und Andreas Hilleband appellieren an die Solidarität für Wohnungslose.

Bonn. Mit einer Plakataktion machen Bonner Caritas und der Verein für Gefährdetenhilfe auf Wohnungslose in Bonn aufmerksam. In der Bundesstadt sind mehr als 800 Menschen ohne Wohnung.

Seit acht Jahren lebt der 28-jährige Bonner „auf Platte“ und schläft draußen. Mal hier, mal da. Zurzeit mit seinem Schlafsack in einem Gebüsch in Tannenbusch. „Manchmal kommt die Polizei und vertreibt mich. Angeblich hätten die Kinder Angst. Ich mache doch gar nichts. Das ist total demütigend“, erzählt der Wohnungslose. In den kalten Nächten schläft er im Betreuungszentrum in der Quantiusstraße, das er jeden Tag zum Duschen aufsucht. Seitdem ihm sein Vermieter 2010 seine Bleibe gekündigt hat, ist er in seiner Heimatstadt auf der Suche nach einer Wohnung. „Da sind immer zehn bis 15 Leute vor mir, die besser sind als ich. Mich nimmt doch keiner.“

Mit einer Plakataktion am Bonner Münster hat der Verein für Gefährdetenhilfe (VFG) Bonn anlässlich des bundesweiten Tags der Wohnungslosen auf die Situation wohnungsloser Menschen aufmerksam gemacht. „Obdachlose Menschen sterben früher als andere“ und „Obdachlose Menschen kommen aus Angst vor Überfällen nur selten in den Tiefschlaf“ ist beispielsweise auf den Plakaten zu lesen. Vor der Aktion hatte der VFG gemeinsam mit der Caritas in der Quantiusstraße die aktuelle Situation der Wohnungs- und Obdachlosen in Zahlen vorgestellt.

Laut Wohnungsnotfallbericht stieg die Zahl der Wohnungslosen in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr um 28,9 Prozent. Insgesamt waren 32.292 Menschen ohne Wohnung. 10 000 mehr als noch 2014. „Nicht erfasst sind dabei Menschen, die in unzumutbaren Wohnverhältnissen leben und die weder bei den kommunalen Ordnungsbehörden noch bei den Freien Trägern der Wohnungshilfe in Erscheinung getreten sind“, sagte Sozialarbeiterin Nelly Grunwald. Nach wie vor sind zwei Drittel der Betroffenen Männer. Einen Migrationshintergrund wiesen 44,5 Prozent auf, im Jahr 2016 waren es noch 35 Prozent.

Wohnungsbau soll gefördert werden

In Bonn stieg die Zahl der Wohnungslosen von 576 Personen (2014) auf 864 (2017). Mit 27 wohnungslosen Personen pro 10 000 Einwohnern belegt Bonn in NRW Platz fünf. Wohnungslosigkeit trete dabei häufiger in Großstädten als in kleineren Städten und Landkreisen auf: „Die Zahlen zeigen, dass der angespannte Wohnungsmarkt sich in der steigenden Wohnungslosigkeit widerspiegelt. Vor allem für Alleinstehende brauchen wir dringend Wohnraum“, so Grunwald.

Für Gerhard Roden, Fachbereichsleiter der Caritas, ist der Wohnraum die Grundlage für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. „Eine demokratische, humane Gesellschaft muss gefährdete Menschen wieder in die Mitte holen. Eine Ausgrenzung verstößt gegen den Artikel 1 des Grundgesetzes – die Würde des Menschen ist unantastbar“, betonte Roden. Teilhabe sei kein Almosen.

Dringend erforderlich sei eine Verstärkung des öffentlich geförderten Wohnungsbaus. Für Roden und Grunwald ist die Prävention, die Verhinderung der Wohnungslosigkeit, besonders wichtig. Oft müsse man feststellen, dass Wohnungslose resignieren, sich in der Ausgrenzung einrichten und ihr Selbstwertgefühl verlieren. Die Experten betonten, dass jeder in eine gefährdete Lebenslage und Wohnungsverlust geraten könne – etwa durch Scheidung oder Arbeitsplatzverlust.

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