211 Jazzmusiker spielen vor

Plätze für Bundesjazzorchester werden in Bonn vergeben

Vier junge Musiker geben Kostproben ihres Könnens, und die Juroren Niels Klein (rechts) und Jiggs Whigham hören zu.

Vier junge Musiker geben Kostproben ihres Könnens, und die Juroren Niels Klein (rechts) und Jiggs Whigham hören zu.

Bonn. 211 junge Jazzmusiker sind aus ganz Deutschland angereist, um diese Woche im Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium (EMA) spielen zu dürfen. Denn dort findet aktuell die Auswahl für das Bundesjazzorchester statt.

Projektleiter Dominik Seidler und seine Jury-Kollegen wählen aus den über 200 Bewerbern 38 Musiker aus, die Teil des offiziellen Jugendjazzorchester der Bundesrepublik Deutschland werden dürfen. Alle zwei Jahre werden die Plätze im Orchester neu vergeben. Für Seidler eine große Chance: „Die enorme Steigerung der Bewerber und die Qualität sind umwerfend.“ Für die Musiker bietet das Bundesjazzorchester eine einzigartige Förderung: Musiker wie Till Brönner oder Roger Cicero haben hier ihre Grundlagen gelegt. Das Projekt des Deutschen Musikrates enthält drei Arbeitsphasen mit nationalen und internationalen Konzerten. Auch wenn viele Musiker länger bleiben wollen, die Nachwuchsförderung ist nur auf zwei Jahre angelegt.

Für die Auswahlphase nach Bonn zu kommen, war fast selbstverständlich: „Bonn ist unsere Heimat“, erzählt Seidler. Das Orchester ist ein Projekt des Deutschen Musikrates, der seinen Sitz in Bonn hat. Mit dem EMA ist man historisch verbunden: Nach der Gründung 1988 durch Peter Herbolzheimer absolvierte das Nachwuchsorchester seine erste Arbeitsphase in Bonn. Den Abschluss bildete ein Konzert im EMA 1988 – zum Jubiläumsjahr sind Seidler und seine Kollegen daher besonders dankbar, dass sie die Schule wieder nutzen können, um hier die „Besten der Besten“ auswählen zu können.

Zu diesen Besten gehört auch der 18-jährige Posaunist Dario Moehrke. Seit er acht ist, spielt er bereits Posaune. Wie viele seiner Mitbewerber war er die letzten Jahre Teil eines Landesjazzorchesters. Nach zwei Jahren ist seine Zeit dort aber inzwischen vorbei, und so hofft er jetzt auf die Chance Bundesjazzorchester, um andere Musiker kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Gerade diese Erfahrungen machten das Orchester aus, sagt Projektleiter Seidler: „Wir wollen die jungen Leute mit einer Vielfalt von Konzerten und Orchesterleitern konfrontieren. Wir bringen sie in ein professionelles Umfeld, gerade durch internationale Konzertreisen.“

Kontakte, die im Orchester geknüpft werden, halten ein Leben lang. Diese Erfahrungen machten das Bundesjazzorchester auch für Dario lange zu einem schillernden Ziel. Inzwischen sieht der 18-Jährige das etwas lockerer: „Ich muss nicht unbedingt der Allerbeste sein, eher mit mir selbst zufrieden.“ Trotzdem ist die Anspannung kurz vorher natürlich vorhanden: „Ich will es halt gut machen.“

Ähnlich angespannt ist auch Lucas Kemmler. Der 22-Jährige ist aus Hamburg angereist, wo er eigentlich Physik studiert. Seit er laufen kann spielt er Gitarre – die Musik haben ihm seine Eltern in die Wiege gelegt, den Jazz brachte sein Musiklehrer dazu. Seit drei Jahren ist er bereits Teil des Landesorchesters seines Heimatlandes Schleswig-Holstein. Mit 22 ist dieses Jahr für ihn die letzte Möglichkeit es beim Bundesorchester zu probieren: „Ich dachte ich probier's mal. Ich habe nichts zu verlieren, kann da nur gewinnen.“ Die Connections und die Arbeitsphasen wären für ihn eine „Förderung, an die kommt man sonst nicht dran“. Auch wenn das Lampenfieber vorher hoch ist, nach den ersten Tönen geht es schnell wieder, da ist Lucas sich sicher.

Einige Zeit später sind die beiden sichtlich entspannter wieder da. Ob sie es ins Orchester geschafft haben, wird erst Ende der Woche entschieden. Dann muss die Jury 38 Musiker auswählen. Für sie geht es im März mit der ersten Arbeitsphase los. Am 7. Mai kommen sie dann wieder nach Bonn – auf die ganz große Bühne des Jazzfestes in der Bonner Oper.