Investorenentwürfe zum Viktoriakarree

Pläne fallen beim Beirat durch - Fachjury entscheidet am Montag

BONN. Die Konzepte der zwei interessierten Investoren für das Viktoriakarree liegen vor, und am Montag wird die Fachjury, zu der auch Stadtverordnete gehören, entscheiden, wem sie den Vorzug gibt.

Der Städtebaubeirat, der als beratendes Gremium nicht-öffentlich tagt, hat am Donnerstag indes schon beide Investorenentwürfe hart kritisiert.

Wie berichtet, legt die Signa Development Deutschland mit Matthias Pfeifer vom Architekturbüro RKW bei ihren Plänen einen eindeutigen Schwerpunkt bei der Schaffung von mehr Einzelhandelsflächen. Die Hochtief Projektentwicklung mit dem Bonner Architekten Albert Leorato sieht insbesondere auf den Innenflächen Stadthäuser vor. Einzelhandel hat sie in ihren Plänen zwar in den Randbereichen des Quartiers zur Rathausgasse und zur Stocken-straße hin eingezeichnet - doch diese Flächen stehen in der Ausschreibung gar nicht zur Disposition. Außerdem sind die Immobilien bereits im Eigentum der Konkurrenz: Sie gehören der Signa.

Teilnehmer in der Sitzung des Städtebaubeirats berichten übereinstimmend, dass der Signa-Plan als "inakzeptabel" beurteilt wurde, den Hochtief-Entwurf empfand das Architektengremium als "romantisch". Die Idee mit den Wohnhäusern sei zwar "sympathisch", hieß es, aber man könne das sicher besser machen. Insgesamt wurde festgestellt, dass beide Bewerber nicht ganz das abgeliefert haben, was in der Ausschreibung gefordert wurde.

Die Ratsfraktionen wollen sich zwar offiziell noch nicht erklären, welchen der beiden Entwürfe sie präferieren, doch sie lassen Sympathien erkennen. So richtig überzeugt ist SPD-Fraktionschef Ernesto Harder auch von keinem der beiden Konzepte: "Beide Bewerbungen ruckeln an unseren Wünschen vorbei. Unangefochten ist ja die Einrichtung der Philologischen Bibliothek der Uni. Wir wollten in dem Quartier Einzelhandel und Wohnen ermöglichen. Aber die Signa hat das Wohnen komplett eingestampft, und Hochtief verplant Grundstücke, die ihr nicht gehören." Dennoch will sich Harder noch nicht festlegen, weist aber mit Blick auf die Bürgerkritik darauf hin, dass ja im Laufe des Bebauungsplanverfahrens noch viel Einfluss genommen werden könne.

Wohnbebauung sieht der planungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Bert Moll, nicht "als den primären Ansatzpunkt" für dieses Areal. Außerdem müsse man das Projekt in Verbindung mit dem politischen Wunsch sehen, die beiden Rampen der Marktgarage am Bischofsplatz und in der Stockenstraße zurückzubauen. Wenn man die Zu- und Abfahrt in Höhe des Hofgarten versetzen und unter der Uni hindurch bauen würde, könnte man den gesamten Verkehr zwischen Uni und Fußgängerzone raushalten.

Das aber, so erste Schätzungen, würde rund zehn bis elf Millionen Euro kosten. Die Signa hatte bereits angeboten, diese Lösung umzusetzen. Dann aber, so weiß auch Moll, muss sie ihr Bauprojekt im Viktoriakarree entsprechend vermarkten können.

"Die Idee mit der Verlegung der Rampen ist total super und wäre am Ende wohl mit dem Erlös des Immobilienverkaufs zu finanzieren", sagt Harder. "Dennoch: Bei unserer haushalterischen Lage ist das nicht zu verantworten."

Die Grünen haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie eine "Überfrachtung mit einem Einzelhandelsmix nicht akzeptabel finden", so ihr planungspolitischer Sprecher, Hartwig Lohmeyer. "Eine Ausweitung des Einzelhandels können wir uns zwar vorstellen, aber viel moderater und nicht auf Kosten der bestehenden Wohnbebauung."

"Die FDP hat sich immer für ein Viktoriakarree ausgesprochen, insbesondere auch im Hinblick auf eine Erweiterung der Bonner City um einen ganzen Block in Richtung Belderberg", so Fraktionsgeschäftsführer Achim Haffner. Indes wollte er noch kein abschließendes Votum treffen.

Aus dem Stadthaus war gestern keine Stellungnahme zu erhalten. Ein Sprecher wies darauf hin, dass es sich zurzeit noch um ein nichtöffentliches Verfahren handele und das Urteil des Städtebaubeirats nur den Charakter eines "fachlichen Empfehlung" habe. Nachdem die Jury am Montag ihr Urteil gefällt habe, werde die Verwaltung eine entsprechende Vorlage für den Rat vorbereiten.