OB-Kandidat in Bonn

Peter Ruhenstroth-Bauer macht das Rennen

BONN. Noch vor wenigen Monaten war vielen Bonnern und auch wohl vielen in der SPD der Name Peter Ruhenstroth-Bauer (58) kein Begriff. Jetzt strebt der Mann, der unter Bundeskanzler Gerhard Schröder Vize-Regierungssprecher war und von 2002 bis 2005 als Staatssekretär diente, in Bonn das Oberbürgermeisteramt an

Mit der Empfehlung von Amtsinhaber Jürgen Nimptsch machte der Vater von vier erwachsenen Söhnen am Samstag bei der Vollversammlung der SPD in der Gesamtschule Beuel gegen SPD-Unterbezirkschef Ernesto Harder (37) mit 227 zu 153 Stimmen klar das Rennen. Ruhenstroth-Bauer strahlt, als das Ergebnis nach fast vier Stunden Vorstellungsreden und Aussprache der Mitglieder endlich auf dem Tisch liegt.

Zu den ersten Gratulanten gehört der sichtlich enttäuschte Verlierer Ernesto Harder. Während der Parteichef mit seiner Frau Claudia bald darauf den Saal verlässt, muss Ruhenstroth-Bauer immer weiter Hände schütteln. Später erklärt Harder dem GA telefonisch: "Ich habe in den letzten Wochen innerhalb und außerhalb der SPD viel Anerkennung erfahren. Dafür bedanke ich mich bei allen ganz herzlich." Über seine Zukunft als Parteichef schweigt er sich aus. Morgen trifft sich der SPD-Vorstand. Eingeweihte sind überzeugt, dass Harder seinen Vorsitz niederlegen wird.

"Nein, für meinen Namen gibt es keine Abkürzung. Ich heiße von Geburt an so", sagt der Gewinner den Journalisten von der schreibenden Zunft und lacht. Peter Ruhenstroth-Bauer weiß, sein Nachname passt kaum in eine Schlagzeile, und sagt dann wie zum Trost: "Meine Frau hätte mit ihrem Namen gleich drei Nachnamen." Ablichten lassen will er sich mit Ehefrau Cornelia allerdings nicht. "Wir sind hier nicht in Amerika", stellt er klar, "ich mache OB-Wahlkampf, nicht meine Frau."

Dann gibt der frischgebackene OB-Kandidat freimütig zu: "Ich muss sagen, ich fühle mich jetzt richtig befreit. Das war schon anstrengend." Der Mann hat also Nerven. Ziemlich starke, wie Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch überzeugt ist. Und starke Nerven werde sein potenzieller Nachfolger bei der Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP auch brauchen, sagt Nimptsch, als er am Mikrofon für Ruhenstroth-Bauer Partei ergreift. "Ich habe es nicht für möglich gehalten, mit welcher Brutalität persönliche Angriffe gefahren werden", berichtet Nimptsch über seine Erfahrung als OB mit der ehemaligen schwarz-grünen Ratsmehrheit.

Derweil laufen am Rande des Saals bereits erste Wetten. Viele wollen sich allerdings nicht festlegen. "Das geht knapp aus", ist der Satz, der am häufigsten fällt. Dass Ruhenstroth-Bauer sich dann doch mit 60 Prozent Stimmenanteil klar von Harder absetzt, überrascht selbst viele Anhänger. Darunter auch der Landtagsabgeordnete Bernhard von Grünberg.

Er hatte Ruhenstroth-Bauer ins Spiel gebracht, als klar war, dass Bundestagsabgeordneter Ulrich Kelber, anders als von vielen erwartet, doch nicht als OB-Kandidat antreten wird. Kelber legt den Mitgliedern seinen langjährigen Weggefährten Harder ans Herz. "Die Stadt darf nicht zur CDU-Beute werden", sagt er und empfiehlt den promovierten Politikwissenschaftler, der neben Bärbel Richter auch Fraktionsvorsitzender ist.

Sein kommunalpolitisches Engagement und seine Arbeit als Parteifunktionär schon von jungen Jahren an legt Harder in seiner Rede denn auch in die Waagschale. "Ich will OB werden und habe klare Vorstellungen, wie ich diese Stadt führen will", sagt er. Der Applaus ist freundlich, aber verhalten.

Ruhenstroth-Bauer wirkt souveräner als Harder und ist rhetorisch klar überlegen. Er lobt zunächst das Wahlverfahren der Partei. In der SPD liefen Kandidaturen eben nicht automatisch auf verdiente Funktionäre zu, sagt er. "Und wenn die Basis entschieden hat, dann kämpfen alle gemeinsam und geschlossen. Wer gewinnt, bekommt Rückenwind von allen", sagt er und betont seine lange bundespolitische Erfahrung. Der Beifall für ihn ist hörbar kräftiger. Und auch bei der späteren Aussprache, an der sich mehr als 30 Genossen beteiligen, schlägt das Pendel immer mehr in seine Richtung.

Die OB-Wahl

Mit Peter Ruhenstroth-Bauer steht nach Ashok Sridharan von der CDU nun der zweite OB-Kandidat in Bonn fest. Die Grünen wollen ihren Kandidaten am 10. März nominieren. Als einziger Bewerber steht bisher Ratsfraktionsgeschäftsführer Tom Schmidt fest. Die FDP wird voraussichtlich keinen eigenen Spitzenkandidaten ins Rennen schicken.

Anders als bei der OB-Wahl 2009 wird es diesmal wieder zu einer Stichwahl kommen, wenn ein Bewerber nicht auf Anhieb die absolute Mehrheit gewinnt. Im zweiten Wahlgang reicht die einfache Mehrheit. Bei der OB-Wahl am 30. August 2009 errang Jürgen Nimptsch 40,9 Prozent, sein Kontrahent von der CDU, Christian Dürig, kam auf 35,5 Prozent. Peter Finger (Grüne) erzielte 10,2 Prozent, Werner Hümmrich (FDP) sieben Prozent.