Serie "100 Köpfe: Wir sind Bonn"

Peter Adolf: 33 Jahre Pfarrer in der Nordstadt

Der Seelsorger Peter Adolf in Sankt Marien.

BONN. Er hält Frauen als Priester und verheiratete Pfarrer für theologisch vertretbar. Und dass Wiederverheiratete von der Kommunion ausgeschlossen sind, ist für ihn ein Skandal. "Ich habe aus meiner kritischen Meinung nie einen Hehl gemacht", sagt der 70-jährige Peter Adolf, der als Pfarrer von seiner Gemeinde Sankt Marien in der Nordstadt am Sonntag, 23. Juni, nach 33 Jahren in den Ruhestand verabschiedet wird.

"Geistige Enge, Bigotterie und Kirchturmdenken sind ihm fremd", bestätigt sein Kollege Pfarrer Raimund Blanke. "Er ist kantig, weder angepasst noch klerikal - das macht den Umgang mit ihm nicht immer leicht."

Trotzdem: Auch in Köln, wo mit Joachim Kardinal Meisner ein erzkonservativer Theologe das Sagen hat, ist man von Adolfs Wirken beeindruckt. Das von ihm initiierte Petrus-Modell erfährt vom Erzbistum volle Unterstützung.

Das Gemeindemodell nach französischem Vorbild setzt auf starke Laien, die mit den Hauptamtlichen eine der Welt zugewandte Kirche gestalten sollen. Nicht zuletzt ein solches Modell der Mitbestimmung dürfte zum erfolgreichen Generationenwechsel in seiner Gemeinde mit beigetragen haben, sagt Adolf mit Stolz und Freude.

Die Laienmitbestimmung lernte Adolf, der gelernte Großhandelskaufmann, während seines Theologiestudiums in den 1960er Jahren in Frankreich kennen. Adolf hatte schon zuvor den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils erahnt: "In Paris habe ich den konziliaren Aufbruch dann so richtig wahrgenommen und die politische Dimension des Glaubens mitbekommen." Auch die Spiritualität von Taizé hat ihn geprägt.

Bis heute hat Adolf, der 1973 im Kölner Dom zum Priester geweiht worden war, nicht aufgehört, eine Kirche zu predigen, die auf Macht verzichtet und stattdessen mit ihrer "frohen, also befreienden und versöhnenden Botschaft" auf die Welt zugeht: nicht nur im Dialog mit den Laien, anderen Konfessionen und Religionen, Kirchenfernen und Ungläubigen, sondern auch in der Kunst.

So hat Adolf in der umgewidmeten Kirche St. Helena den Dialog-Raum "Kreuzung an Sankt Helena" für zeitgenössische Kunst geschaffen. Doch auch Liturgie und Diakonie, der Dienst am Menschen, vor allem an den Bedürftigen, gehören zu Adolfs Glaubenspfeilern. Wobei er im sozialen Dienst von dem Gedanken geleitet wird, Menschen zu befähigen, sich selbst zu helfen. Bei alldem hat Adolf immer ein Ziel vor Augen: an einer humanitären Gesellschaft mitzubauen.

Kritiker hatte und hat Adolf insofern kaum, als dass sich schon in seiner Anfangszeit in Sankt Marien an seiner starken Persönlichkeit die Geister schieden, erinnert sich Gemeindemitglied und Religionslehrerin Annegret Naaß. Wer mit Adolfs Überzeugungen, die er durchaus hartnäckig vertrete, nicht klar gekommen sei, habe die Gemeinde verlassen.

Doch Adolf hatte als menschenfreundlicher Seelsorger auch schon bald einen Ruf weit über die Nordstadt hinaus. "Bis heute kommen die Menschen von weither in die Messe, um Pfarrer Adolf zu hören", so Naaß. Auch wenn nicht alle die Länge seiner Predigten schätzen, ergänzt die 56-Jährige augenzwinkernd.

Adolf wird nach 33 Jahren im Pfarrhaus an der Heerstraße in eine Wohnung nach Dottendorf ziehen. Aktiv sein will er weiter für sein Petrus-Modell, das deutschlandweit Aufmerksamkeit erlangt hat. Und mit seinem großen Erfahrungsschatz will er sich in der katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung engagieren. Adolfs Nachfolger werden Stadtjugendseelsorger Maik Schirpenbach und Krankenhausseelsorger Walter Koll, die sich die Stelle teilen.

Typisch bönnsch

Peter Adolf über Bonn:

  • Ich mag Bonn wegen seiner menschengerechten Ausmaße und unkomplizierten Begegnungsmöglichkeiten.
  • Mein Lieblingsplatz ist auf dem Umgang des Kirchturms von St. Marien mit dem herrlichen Blick auf Stadt, Rhein und Siebengebirge.
     Ich vermisse Bonn... Ich war noch nie so lange weg, dass ich Bonn vermisst hätte, denn ich bin auch gerne an anderen schönen Orten dieser Erde.
  • Typisch bönnsch ist leider auch die schmuddelige Innere Nordstadt und der Kneipenlärm bis in die Frühe des Sonntagmorgens.

Die Verabschiedung von Peter Adolf wird am Sonntag, 23. Juni, ab 11 Uhr mit einer Messe in St. Marien, Adolfstraße 77, gefeiert.