Kürzlich eröffnete Haltestelle

Pendler sind mit Haltestelle "Bonn UN Campus" zufrieden

Voller Bahnsteig: An einem Werktag im Januar nutzen viele Fahrgäste die Haltestelle „UN-Campus“.

Voller Bahnsteig: An einem Werktag im Januar nutzen viele Fahrgäste die Haltestelle „UN-Campus“.

Bonn. Die Haltestelle „Bonn UN Campus“ ist seit zwei Monaten in Betrieb und wird von den Fahrgästen gut angenommen. Vier Regionalbahnlinien fahren den neuen Bahnhof an.

Aus der Regionalbahn steigen etwa 20 Personen am neuen Haltepunkt „Bonn UN Campus“ aus. Es ist 8.07 Uhr, ein normaler Werktagmorgen. Seit zwei Monaten ist die Haltestelle nun in Betrieb, vier Regionalbahnlinien fahren den neuen Bahnhof an: RE5 (DB Regio NRW) zwischen Koblenz und Wesel, RB26 (Transregio) zwischen Köln-Messe/Deutz und Remagen, RB30 (DB Regio NRW) zwischen Bonn und Ahrbrück sowie RB 48 zwischen Wuppertal und Bonn-Mehlem. Trotzdem sieht es stellenweise noch aus wie auf einer Baustelle: Rot-weiße Absperrgitter begrenzen die beiden Gleise jeweils zur Straße und zum Fahrradweg hin, auf den Bahnsteigen liegt noch der Füllsplitt für die Pflastersteine. Auch die Außenanlagen sind noch Brachland.

„Auf dem Bahnsteig wurde nachträglich ein zusätzlicher Windschutz inklusive neuer Info-Vitrine aufgestellt“, teilt ein Bahnsprecher auf GA-Anfrage mit. „Die Absperrgitter sind provisorisch aufgestellt. In unmittelbarer Nähe wird eine städtische Fahrradabstellanlage errichtet“, heißt es weiter. Momentan ketten Pendler ihre Fahrräder noch an die Geländer der Aufgänge an. Die endgültige Konstruktion eines Zauns oder Geländers und auch die Gestaltung der Außenanlage müssen noch mit der Stadt abgestimmt werden. „Gleiches gilt auch für die Außenanlagen, die sich auf städtischem Gelände befinden“, so der DB-Sprecher.

Der 8.11-Uhr-Zug nach Bonn Mehlem fällt aus – wegen Bauarbeiten, meldet die Durchsage. Derweil steht ein Dutzend Fahrgäste auf den beiden Gleisen. Sie warten auf die nächsten Verbindungen. „Ich nutze die neue Haltestelle eigentlich weniger“, sagt eine Pendlerin, die täglich nach Köln zur Arbeit fährt. Dabei wohne sie um die Ecke. Wegen der Bauarbeiten am Bonner Hauptbahnhof weiche sie nun trotzdem auf den neuen Haltepunkt aus. Einen Vorteil habe der nämlich: Weil man hier früher einsteige, bekomme man noch einen Sitzplatz auf der Strecke nach Köln.

Sieben Züge pro Stunde

Für alle, die täglich zwischen Dom- und Bundesstadt pendeln, bietet der neue Haltepunkt eine Verbesserung. „Bequemer ist es auf jeden Fall“, sagt eine andere junge Frau. Früher ist sie immer mit dem Fahrrad bis zum Hauptbahnhof gefahren, um von dort aus den Zug nach Köln zu nehmen. „Morgens habe ich das Gefühl, dass er schon gut angenommen wird“, sagt sie, bevor sie in den 8.28 Uhr-Zug Richtung Norden einsteigt.

Bis zu sieben Züge halten derzeit pro Stunde an den beiden Gleisen. Ohne Umstiege erreichen Fahrgäste Koblenz, Mainz, Ahrbrück, Köln oder Wesel. Weitere Anbindungen sind vorerst nicht geplant. „Ein Fernverkehrshalt ist leider aufgrund der Bahnsteiglänge nicht möglich“, teilt die DB mit.

Derweil sorgt der neue Haltepunkt weiter südlich für Ärger: Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember hält der Regionalexpress RE5 nicht mehr in Oberwinter. Für den zusätzlichen Haltepunkt in Bonn musste ein Bahnhof auf der Strecke gestrichen werden (der GA berichtete). Ein Mitarbeiter der Deutschen Post kommt täglich aus Oberwinter, seit der Umstellung muss er von Remagen aus fahren. „Es ist eine kleine Zeitersparnis“, sagt er dennoch. Sonst mussten Reisende aus Richtung Süden am Bahnhof in Bad Godesberg in die Stadtbahnen umsteigen.

Auch bei Nachbarn sorgte der Neubau zunächst für Ablehnung. „Es ist recht laut, wenn die Züge anfahren und bremsen“, berichtet einer der Anwohner aus der benachbarten Wohnsiedlung an der Genscherallee. Vor allem in der Nacht höre man die Durchsagen, „Nichtsdestotrotz nutzt man den Bahnhof, wenn er da ist“, sagt er.

Haltestelle gut für Besucher der Bundeskunsthalle

Als um 8.47 Uhr der nächste Zug anrollt und sich die Türen öffnen, wird es auf einmal voll auf Gleis 2. Mehr als 100 Fahrgäste verlassen den Zug und strömen durch die Unterführung in Richtung Regierungsviertel. Einige von ihnen bleiben an den beiden Bushaltestellen an der Genscherallee stehen. Von hier führen die Buslinien 610, 611 und 630 sowie die Nachtbuslinie N10 zum Heiderhof, nach Lessenich und Duisdorf. Momentan bestehen die Bushaltestellen nur aus zwei Unterständen.

Im Rahmen der Weltklimakonferenz hatte die Stadt wegen Lieferschwierigkeiten Provisorien errichtet. „Das Tiefbauamt prüft derzeit, ob die Häuschen stehenbleiben oder durch die ursprünglich vorgesehenen Konstruktionen ersetzt werden. Der Lieferant kann jetzt wieder liefern“, sagt Werner Esch vom Tiefbauamt.

Dass die Haltestelle gut ankommt, hat man in der benachbarten Bundeskunsthalle festgestellt. Auf seiner Internetseite gibt das Museum den Bahnhof als eine Anfahrtsmöglichkeit an. „Nach meiner Beobachtung ist die Haltestelle gut angenommen worden. Am späten Nachmittag und frühen Abend steigen zahlreiche Fahrgäste dort ein, vor allem in Richtung Köln“, berichtet ein Museumsmitarbeiter. „Wir bekommen von unseren Besuchern ein sehr positives Feedback, insbesondere in Verbindung mit unserem VRS-Angebot, da der Komfort der Anreise merklich gesteigert wurde“, erklärt Sven Bergmann, Pressesprecher der Bundeskunsthalle.

Das Bild, das sich im Feierabendverkehr bietet, bestätigt den Eindruck: Zwischen 17 und 19 Uhr füllt sich der Bahnsteig an Gleis 2 vor Einfahrt des nächsten Zuges.