Fiesta Viktoria

Party von Blow Up bis Café Blau

Bonn. Bonner feiern ihren Sieg über die Shopping-Mall-Pläne für das Viktoriakarree in Kneipen und Geschäften.

Überall saßen und spielten sie. Am Ende eines kleinen Kiosks, mit Bier- und Cola-Kästen auf der einen und Weinflaschen auf der anderen Seite; zwischen Regalen voller Bio-Produkte; in einem schummrigen Club, in einer Kneipe, in einem Café. Vielfältig, offen und unkonventionell sind die Schlagworte, die die erste Kulturnacht wohl am besten beschreiben dürften, mit der das Viktoriaviertel am vergangenen Samstag sich selbst und den Sieg über die (mittlerweile auf Eis gelegten) Shopping-Mall-Pläne des Karstadt-Investors René Benko feierte.

Vom Blow Up bis zum Café Blau hatten sechs Lokalitäten eingeladen, von 19.30 Uhr bis 22.30 Uhr das kostenlose Programm aus Konzerten, Lesungen, Theater und einem Vortrag zu genießen. Ein Angebot, das zahlreiche Bonner Bürger aller Altersklassen gerne annahmen: Die Veranstaltungsorte waren mindestens gut gefüllt, im besten Fall aus allen Nähten platzend. „Genau so habe ich mir das vorgestellt“, freute sich Organisator David Schumacher. „Alle sind entspannt und gut drauf, während wir zeigen können, warum die Vielfalt des Quartiers unbedingt erhalten bleiben muss.“

Tatsächlich lohnte sich der Besuch jeder einzelnen Veranstaltung. So konnte man zum Beispiel gut im Café Blau beginnen, wo das Improvisationstheater Mission IMPROssible für einen furiosen Start sorgte (im späteren Verlauf folgten das Kammerspiel „Der letzte Deutsche“ sowie eine Ausgabe von „Kunst gegen Bares“). Weiter ging es dann Richtung Zebulon, in dessen Tiefen der Akustik-Pop, Loop-Station-Spielereien und Folk erklangen.

Direkt nebenan konnte man in Bergfeld's Biomarkt hineinschnuppern oder zum Café Kurzlebig laufen, wo das Gitarrenduo Vladislav Vashchenko und Uwe Arenz Latin und Jazz spielte. Dann in den Kiosk am Rathaus mit seiner Ein-Mann-Bühne und drei Singer-Songwritern – und zum Schluss ins düstere Blow Up, wo die Autoren Lothar Kittstein und Judith Merchant sowie der Jungschauspieler Robin Hemmersbach Textauszüge vortrugen.

Das Publikum zeigte sich überaus zufrieden, auch wenn es manchmal nicht ganz einfach war, in die Lokale hineinzugelangen. Selbst das Café Blau mit seinem nicht unerheblichen Fassungsvermögen geriet zum Teil an seine Grenzen. „Egal, dann ziehen wir eben weiter“, kommentierte dies ein älteres Ehepaar lachend. Nur keinen Stress. Und das bunte Viertel genießen. Nicht zum letzten Mal, wenn es nach David Schumacher geht. „Ich würde die Aktion gerne im Frühsommer wiederholen, wenn die Läden mitziehen“, sagte er am Samstag.