Umzug an neuen Standort

Paralympisches Komitee bindet sich an Bonn

Bonn. Das künftige Hauptquartier des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) wird ans Bonner Bundesviertel ziehen. Das gaben das IPC, die NRW-Landesregierung und die Stadt Bonn am Donnerstag bekannt.

Nur kurz währte der Leerstand der früheren Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund. Wie am Donnerstag bekannt wurde, wird das Internationale Paralympische Komitee (IPC) sein Hauptquartier ab Januar des kommenden Jahres in der Immobilie zwischen früherem Bundeskanzleramt und Rhein einrichten. Allzu weit müssen die Umzugskisten nicht transportiert werden: Bislang arbeiten die rund 100 Mitarbeiter des IPC am Bundeskanzlerplatz jenseits der Adenauerallee. Das Internationale Paralympische Komitee ist die Dachorganisation von rund 200 internationalen Behindertensportverbänden und nationalen Organisationen.

Die Hinweise auf eine baldige Entscheidung über die Zukunft des Anwesens an der Dahlmannstraße hatten sich in den vergangenen Tagen verdichtet. Am Donnerstagmittag schließlich sickerte aus Regierungskreisen die Nachricht nach außen, der zufolge das Landeskabinett die Liegenschaft dem IPC zur Verfügung stellen will. Nur wenige Stunden später nahm der in London tagende IPC-Vorstand das Angebot aus Düsseldorf an. Sowohl seitens der Landesregierung als auch in den Reihen der Bonner Stadtverwaltung wurde die Nachricht als Erfolg bewertet. Und auch die Belegschaft des IPC scheint mit der Lösung gut leben zu können.

Bund, Land und Stadt an Finanzierung beteiligt

„Die Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees für die Bundesstadt begrüße ich sehr. Bonn bietet mit seinem internationalen Umfeld beste Bedingungen für die weltweite Koordination und Arbeit des IPC“, ließ Ministerpräsident Armin Laschet mitteilen. Er sprach in dem Zusammenhang von einem „Paralympischen Campus“, von dem Impulse für die Entwicklung des paralympischen Sports weltweit ausgehen könnten und für den nunmehr die Weichen gestellt seien.

Ähnlich äußerte sich Oberbürgermeister Ashok Sridharan: „Die Stadt hat das IPC sehr gern bei seinen Bemühungen unterstützt, ein neues Domizil in Bonn zu finden. Hierzu hat es mit dem Bund und dem Land zahlreiche Gespräche gegeben, die zu der nun gefundenen Lösung geführt haben“, so das Stadtoberhaupt. Das IPC sei in den vergangenen 20 Jahren zum festen Mitglied der „internationalen Familie“ in Bonn geworden. Ich danke dem Land, dass es nun diese ganz besondere Liegenschaft in schönster Lage am Rhein zur Verfügung stellt“, so Sridharan.

Allerdings ist bei jener „Bereitstellung“ offenbar auch die Stadt im Boot. Das Land NRW bleibe Eigentümer, an der Finanzierung der Miete seien der Bund, das Land und die Stadt Bonn „beteiligt“, erklärte ein Sprecher der Landesregierung auf Nachfrage des General-Anzeigers und ergänzte: „Die Konditionen werden nun in einem Mietvertrag festgelegt.“ Ob die Miete damit allein der deutsche Steuerzahler tragen soll oder zumindest teilweise das IPC, blieb zunächst ebenso offen wie die Höhe der kalkulierten Miete.

Annika Zayen freut sich über neues Gebäude

Das Spektrum der Optionen für eine Nutzung der Ex-Landesvertretung war zuletzt durchaus breit gewesen. 2004 hatte die Landesregierung das Gebäude der „Stiftung Bonn-Aachen International Center for Information Technology“ unentgeltlich überlassen, die es im vergangenen Jahr an den Campus Poppelsdorf zog. Mit Bekanntwerden der Umzugspläne 2016 reiften seitens des Landes Überlegungen, die Immobilie zu verkaufen. Als Option stand sodann die Ausdehnung des UN-Campus auf das Rheingrundstück neben dem ehemaligen Kanzlergarten im Raume. Zugleich brachte der damalige Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch die Alternative ins Spiel, an der Dahlmannstraße mehreren internationalen Nichtregierungsorganisationen unter einem Dach ein gemeinsames Domizil zu bieten – ein Gedanke, der mit der aktuellen Entwicklung nicht vom Tisch sei, wie am Donnerstag im Stadthaus zu erfahren war: „Unabhängig von der Entscheidung für das IPC verfolgt die Stadtverwaltung dieses Projekt weiter“, sagte Markus Schmitz vom Presseamt.

Zuletzt hatte der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) die Landesvertretung der Universität als mögliches Ausweichquartier für das zu sanierende Hauptgebäude vorgeschlagen. Mit Blick auf die dezentrale Lage hatte die Uni jedoch dankend abgelehnt. Im Gegensatz dazu scheint man sich in der IPC-Belegschaft zu freuen. Die frühere Rollstuhlbasketballerin und wohl prominenteste IPC-Mitarbeiterin Annika Zeyen jedenfalls sagte am Donnerstag dem GA: „Ich freue mich auf die Lage am Rhein, zumal unsere beiden jetzigen Gebäude aus allen Nähten platzen.“