Theater in Bonn

Pantheon: Neustart in alten Mauern

Pantheon-Urgestein Rainer Pause kam gestern zum Fototermin an die Halle Beuel.

Bonn. Die Pantheon-Mannschaft dürfte aufgeatmet haben, als die Ratskoalition gestern Nachmittag ihre Zustimmung zum Rettungsplan für das freie Theater verkündet hatte. "Wir sind erleichtert, wieder eine Perspektive zu haben", sagte die künstlerische Leiterin Martina Steimer. Rund 40 feste und freie Mitarbeiter wissen nun: Es kann weitergehen.

Das Pantheon muss im Juli 2016 das Bonn-Center verlassen, das abgerissen werden soll. "Wir hoffen, dass wir im November in der Halle Beuel starten können", so Steimer. Bis dahin muss diese umgebaut werden: Geplant sind ein großer Saal mit 450 und ein kleiner mit 130 Plätzen sowie eine Gastronomie. "Mit rund 600 Plätzen hat die Halle dann eine Größe, die es in Bonn sonst kaum gibt", betonte Steimer. "Eine Marktlücke, die für weitere Akteure der freien Szene interessant sein dürfte." Es gehe auch darum, das Umfeld auf dem Gelände an der Siegburger Straße zu entwickeln.

Das Pantheon will den Hallenumbau als Bauherr begleiten und hat von einem Architekten eine Kostenaufstellung erstellen lassen, die aber noch geprüft werden soll. Steimer: "Wir sind auf jeden Fall bereit, die Umbaukosten, die der Stadt entstehen, über die Miete zu refinanzieren." Geht der politische Beschluss erwartungsgemäß durch, soll die Verwaltung mit dem Pantheon die Details aushandeln.

Da das städtische Theater Bonn auf die Halle als Spielstätte verzichtet, will die Ratskoalition eine Bestandsgarantie für die Godesberger Kammerspiele abgeben. Die Schauspielbühne stand bisher zur Disposition, weil das städtische Theater seine Ausgaben trotz bereits erfolgter Kürzungen ab 2020 um weitere 3,5 Millionen Euro reduzieren soll. Noch 2011 hatte die Stadt das Einsparpotenzial einer Schließung der Kammerspiele mit rund 1,8 Millionen Euro im Jahr beziffert.

Nach neuen Berechnungen der Theaterleitung soll es dem Vernehmen nach nur noch etwa 500.000 Euro betragen. Außerdem sei es nur mit erheblichen Investitionen möglich, das Opernhaus für eine Nutzung durch Musiktheater und Schauspiel auszubauen, teilte Generalintendant Bernhard Helmich dem Stadtrat schriftlich mit.

Die Jamaika-Koalition betonte gestern, an der Einsparvorgabe von 3,5 Millionen Euro trotzdem festhalten zu wollen. Erreicht werden solle dies unter anderem durch die Vermietung der Halle Beuel, höhere Einnahmen, Kooperationen, Effizienzsteigerung und die umstrittene Zusammenfassung des Beethoven Orchester und des Theaters unter einem gemeinsamen Verwaltungsdach. Was an den 3,5 Millionen Euro fehlt, so steht es in der Beschlussvorlage, muss anderswo aus dem städtischen Haushalt geholt (sprich: gekürzt) werden.

Die Koalition demonstrierte gestern Geschlossenheit. "Das ist eine gute Lösung, mit der auch der Kämmerer und der Generalintendant leben können", lobte CDU-Fraktionschef Klaus-Peter Gilles das Gesamtpaket. Brigitta Poppe betonte, wie wichtig den Grünen auch die Interessen des städtischen Theaters gewesen seien. Nach mehr als einem Jahr gemeinsamer Diskussion sei nun eine schnelle Entscheidung nötig, um die Zukunft des Pantheons zu sichern. FDP-Fraktionschef Werner Hümmrich sprach von einer "guten Entscheidung für die Bonner Kulturlandschaft". Die Stadtbezirke Beuel und Bad Godesberg würden damit gestärkt, was letztlich auch "Symbolcharakter" habe.

Die SPD begrüßte gestern den Pantheon-Plan und das Bekenntnis zu den Kammerspielen. In Beuel könne nun "mit der Zeit ein neues kulturelles Zentrum mit viel Potenzial entstehen", und das Theater Bonn bekomme Planungssicherheit, erklärte die Fraktionsvorsitzende Bärbel Richter. Die SPD forderte allerdings, die Kosten des Projekts extern prüfen zu lassen, wie es die Stadtverwaltung vorgeschlagen habe. Kulturausschussvorsitzender Helmut Redeker (SPD): "Hier sperrt sich die Koalition noch. Das ist kurzsichtig."