Vergewaltigungsprozess

Opfer von Angriff in der Siegaue hatten Todesangst

Der Angeklagte im Prozess um die Vergewaltigung einer Camperin in der Siegaue am ersten Prozesstag im Bonner Landgericht.

Der Angeklagte im Prozess um die Vergewaltigung einer Camperin in der Siegaue am ersten Prozesstag im Bonner Landgericht.

Bonn. Im Vergewaltigungsprozess gegen einen 31-jährigen Flüchtling aus Ghana haben am Montag damals ermittelnde Polizeibeamte als Zeugen vor dem Bonner Landgericht berichtet, wie die 23-jährige Studentin und ihr Freund den Überfall geschildert hatten.

Es war bereits nach Mitternacht. Das junge Paar, das in der Nacht zum 2. April 2017 in den Bonner Siegauen sein Zelt aufgeschlagen hatte, hörte noch Musik zum Einschlafen. Ansonsten war es totenstill. Bis die Studentin und ihr Freund eine laute, aggressive Stimme hörten. Zunächst dachten sie, da rege sich jemand über das „wilde Zelten“ auf. Doch dann hörten sie das Reißen von Stoff, sahen, wie eine Machete ihr Zelt aufschlitzte. Eine Ahnung von dem Grauen, das das Paar in der Nacht erlebt haben muss, gaben am Montag im Vergewaltigungsprozess gegen einen 31-jährigen Schwarzafrikaner zwei Bonner Kripobeamte im Zeugenstand.

Denn nach dem Aufschlitzen des Zeltes begann der Albtraum erst recht: Im Schein der Taschenlampe schaute ein schwarzes Gesicht auf das Paar herab und forderte die Studentin auf rauszukommen: „You come out, bitch, I wanna fuck you.“ Die beiden versuchten, ihn mit ihrem restlichen Geld, sechs Euro, und einer Bluetooth-Box zu besänftigen. Der Fremde mit der Waffe nahm beides, doch von der Frau wollte er nicht ablassen: Er zerrte sie aus dem Zelt und vergewaltigte sie. Zehn Meter entfernt, „auf nassem Rasen“, so die Polizisten, die noch in der Nacht die Opfer vernommen hatten. „Ich war sehr überrascht“, erinnerte sich die 37-jährige Beamtin: Die 23-jährige Studentin, obwohl gerade Opfer eines Verbrechens geworden, schien „glücklich, freudig, ja sogar gut gelaunt“. Doch schnell sei ihr klar geworden: „Sie war nur glücklich, weil sie beide noch am Leben sind.“

Opfer flehte um ihr Leben und das ihres Freundes

In Wahrheit habe die 23-Jährige unter Schock gestanden. „Trotz Todesangst um sich und ihren Freund“ habe die Studentin geistesgegenwärtig reagiert, als sie sich entschied, sich nicht zu wehren. Sie ergab sich dem „schwarzen Monster“, ihren Freund beschwor sie noch beim Verlassen des Zeltes, das Schweizer Messer steckenzulassen und die Polizei zu rufen. Sie selbst flehte den Vergewaltiger an, sie beide nicht zu töten: „We want to stay alive“, soll sie gesagt haben. „Please leave us.“

Tatsächlich zog der Angeklagte sich an und verschwand in der Nacht. Nach der zweistündigen Vernehmung, so die Kripobeamtin vor Gericht, sei die Studentin regelrecht zusammengebrochen. Als sie vom Schlimmsten erzählt habe, habe sie furchtbar gezittert. Ihr Freund, der parallel von einem 56-jährigen Kollegen vernommen wurde, schilderte seine Hilflosigkeit und quälte sich mit der Frage, ob er in dieser Nacht alles richtig gemacht habe. Zwar sei auch er „froh gewesen, dass er mit heiler Haut rausgekommen“ sei, aber seine Zweifel, so der Beamte, seien schwer zu besänftigen gewesen.

Der Angeklagte – wie zuvor an Händen und Füßen gefesselt - hörte den Zeugen gelangweilt bis genervt zu. Ausgerastet war der Ghanaer, der nach eigenen Angaben aus seiner Heimat geflüchtet war, weil er seinen Schwager erschlagen haben will, nur zu Beginn dieses dritten Prozesstages: Er weigerte sich, den gynäkologischen Bericht von zwei Ärztinnen anzuhören, die in der Nacht noch Spuren der Vergewaltigung gesichert hatten. „Ich will diesen Unsinn nicht hören“, brüllte er auf Englisch. „Das ist alles Müll, Blödsinn. Bringt mir das Mädchen, das solche Sachen erzählt.“ Er wurde erst ruhig, als Kammervorsitzender Marc Eumann drohte, ihn „unten in der Zelle zwischenzuparken, wenn er nicht endlich still ist“.

Die beiden Opfer sollen an den nächsten Prozesstagen als Zeugen gehört werden – zu ihrem Schutz wahrscheinlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Bei der jungen Frau gilt das sogar sicher. Es soll beiden – sechs Monate nach der Tat – alles andere als gut gehen.