Schwiegermutter vor Gericht

Opfer sagt nach Beilangriff in Bonn aus

Symbolbild.

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Bonn. Im Prozess gegen die 56-Jährige, die im Wahn beim Weihnachtsessen mit einem Beil auf ihre Schwiegertochter losging, hat das Opfer nun vor dem Bonner Landgericht ausgesagt.

Wie sehr die Frau im Zeugenstand unter dem leidet, was ihre Schwiegermutter ihr angetan hat, ist nicht zu übersehen: Immer wieder bricht der 30-Jährigen die Stimme, als sie schildert, wie die Schwiegermutter ihr beim Weihnachtsessen 2017 völlig unerwartet mit einem Fleischbeil auf den Kopf und die zum Schutz erhobene Hand schlug. Obwohl sie weiß, dass die Schwiegermutter an Schizophrenie leidet und die Tat im Wahn beging, wird sie ihre Ängste nicht los.

Mit keinem Blick bedenkt sie die 56-Jährige, die nur wenige Meter von ihr entfernt neben ihrem Verteidiger vor dem Schwurgericht sitzt und sich nun wegen versuchten Mordes verantworten muss. Mit einer Haftstrafe muss die 56-Jährige nicht rechnen: Weil der psychiatrische Gutachter sie als schizophren und damit als schuldunfähig einstuft, beantragt die Staatsanwaltschaft nun ihre Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik.

Wie ihre Schwiegertochter als Zeugin schildert, kam die Attacke aus heiterem Himmel. Die 30-Jährige war mit ihrem Mann, dem Sohn der Beschuldigten, und den zwei gemeinsamen kleinen Kindern zum Weihnachtsessen zu der 56-Jährigen gefahren. Man saß gerade beim Dessert, die Kinder waren schon vom Tisch aufgestanden und ins Nebenzimmer gegangen, um mit den Geschenken zu spielen, als es geschah.

„Ich war gerade mit meinem Pudding beschäftigt, da sah ich, wie meine Schwiegermutter in den Schrank hinter sich griff“, schildert die Zeugin. Sie habe sich jedoch nichts dabei gedacht. „Und plötzlich habe ich die Schläge auf meinem Kopf gespürt.“ Sie habe die Hand hochgenommen, doch die 56-Jährige habe noch einmal zugeschlagen. Dann habe sie gesehen, so die 30-Jährige, wie ihr Mann seine Mutter gegen den Schrank gedrückt und den hoch erhobenen Arm mit dem Fleischbeil festgehalten habe. Alles sei voller Blut gewesen, sie habe ihren Bruder angerufen, damit der die geschockten Kinder abhole. Wieder bricht die 30-Jährige in Tränen aus. Den Ermittlern hatte sie anschließend geschildert: „Als die Sanitäter mich abgeholt haben, hat sie mich angesehen und gelacht. So einen Blick hatte ich noch nie gesehen.“ Die 56-Jährige war in dem Wahn, die Schwiegertochter wolle ihren Sohn bei einer Knieoperation mit Hilfe der Ärzte töten.

Seit der Tat ist die 30-Jährige, wie sie erklärt, auf starke Medikamente angewiesen. Sie leidet unter großen Ängsten, kann nicht mehr schlafen und ist mit ihren ebenfalls traumatisierten Kindern in therapeutischer Behandlung.