Bonner Kultur

Oper will Ausgleich für Einnahmeverlust

Dirk Kaftan mit der Geigerin Midori und Musikern des Beethoven Orchesters in der Oper.

Dirk Kaftan mit der Geigerin Midori und Musikern des Beethoven Orchesters in der Oper.

Bonn. Weil die Beethovenhalle zum Jubiläumsfest 2020 nicht fertig wird, bekommt der Ersatz-Spielort Schwierigkeiten. Wie hoch das Minus sein wird, ist noch nicht abzusehen.

Als „ärgerlich, aber kein Problem“ bewertete Oberbürgermeister Ashok Sridharan vor einer Woche auf der Berliner Tourismusmesse ITB kurz und bündig den unplanmäßigen Ausfall der Beethovenhalle für Konzerte im Jubiläumsjahr 2020 zu Ehren des großen Bonner Komponisten. Je länger am Donnerstagabend die Sitzung des Kulturausschusses dauerte, desto mehr verbreitete sich dort jedoch ein anderer Eindruck. Aufmerksam folgten die Kommunalpolitiker den Ausführungen von Generalintendant Bernhard Helmich. Ihm zufolge nämlich könnte es durch die zwangsläufige Nutzung der Oper als dem zentralen Spielort sehr wohl zu einem „Problem“ kommen.

Konkret besteht es darin, dass der Opernbetrieb zugunsten des Konzertprogramms zeitweise weichen muss und nicht in gewohnter Weise stattfinden kann. Die entstehenden Ausfälle auf der Einnahmenseite der Oper, so Helmich sinngemäß, sollten durch ein „Finanzierungsmodell“ kompensiert werden. Anders, so führte der Generalintendant aus, könne man die Überlassung der Oper nicht ohne weiteres realisieren.

Finanzierungsfragen teilweise offen

Woher also soll das Geld kommen, dessen Summe unter dem Strich derzeit kaum jemand beziffern kann, weil sich das Programm erst im Entwurfstatus befindet? Während Helmich zur Lösung eine „Flexibilisierung der Förderrichtlinien“ ins Spiel brachte, streckte Bärbel Richter (SPD) gedanklich bereits die Hand in Richtung des städtischen Haushalts aus. Die Politik solle „sich im Finanzausschuss hinsetzen und sehen, wo sie das Geld hernehmen kann“, statt die Beethoven Jubiläums Gesellschaft „unter Druck zu setzen“.

Damit reagierte die Sozialdemokratin auf den gemeinsamen Appell von CDU, FDP und Grünen an die Gesellschaft und ihren Aufsichtsrat sowie an den Oberbürgermeister, die entscheidenden Sitzungen möglichst bald anzusetzen, um „letzte Sorgen aus dem Weg zu räumen“. Zuvor war zunächst der 9. Juli, im Verlauf der Sitzung dann ein unbestimmter früherer Zeitpunkt als Termin für die entscheidende Aufsichtsratssitzung genannt worden. Spätestens dann muss sich allerdings zeigen, inwieweit sich die Jubiläums-GmbH die von Helmich aufgeworfene Frage der Folgefinanzierung zu eigen macht.

Zumindest ihr künstlerischer Geschäftsführer Christian Lorenz ließ am Donnerstag den Satz fallen, die Jubiläums Gesellschaft sei „nicht dafür zuständig, eine Spielstätte zu schaffen, und auch nicht dafür verantwortlich, dass die Hauptspielstätte ausfällt“. Lorenz hatte eingangs geschwärmt, die Oper sei „in ihrer Flexibilität an jegliche Grenzen der Disposition gegangen“, um als Spielort zur Verfügung zu stehen.

Mit mancher Schwärmerei hatte die Sitzung auch begonnen. Gemeinsam mit Lorenz regten Helmich, Beethovenfest-Intendantin Nike Wagner und Generalmusikdirektor Dirk Kaftan den Appetit der Anwesenden auf das Beethovenjahr mächtig an und lobten gegenseitig die Zusammenarbeit. Man sei „an legendären Namen dran“, versprach Nike Wagner und verriet, dass als Besonderheit eine Inszenierung der „Missa Solemnis“ im Kölner Dom, übertragen auf den Roncalliplatz und ergänzt um Karlheinz Stockhausens elektronisches Werk „Gesang der Jünglinge“, geplant sei.

Das Beethovenfest hat 2020 zwei Teile

Für eine konzertante Aufführung des „Fidelio“ sorgen die Berliner Philharmoniker, zudem würden der „Fidelio“-Urfassung „Leonore“ und der Figur des Prometheus eigene Schwerpunkte des Beethovenfestes gelten, welches 2020 auf zehn Tage im März rund um Beethovens Todestag und das bewährte Programm im Herbst mit „großen Konzerten“ (Nike Wagner) gesplittet werde.

Die „größten Pianisten der Welt“ stellte Dirk Kaftan als Gastmusiker in Aussicht. Man wolle „diese Stadt zu einer Sinfonie machen und zum Erklingen bringen“ und auf diese Weise eine sinfonische Erzählung liefern. Bereits das Eröffnungskonzert 2019 solle „ein Netz über die Stadt spannen“. Als programmatische Höhepunkte nannte Kaftan die Reise eines Beethoven-Kahns auf den Flüssen zwischen Bonn und Wien, ein Simultankonzert in den beiden Beethovenstädten und ein großes Finale im Telekom-Dome.

Sportlich soll es auch laut Bernhard Helmich werden: Er kündigte unter anderem ein großes gemeinsames Fest von Bonns Kultur- und Sportleben im Sportpark Nord, eine Neuinszenierung des „Fidelio“ sowie Rekonstruktionen historischer Choreographien an. Auf die Frage aus dem Plenum, welche Programmpunkte bereits definitiv feststehen, antwortete Dirk Kaftan: „Nicht viele.“ Derzeit läuft das Antragsverfahren zur Bewilligung der einzelnen Projekte. Gegen Ende dieses Jahres, so Christian Lorenz, soll dann das endgültige Programm der Öffentlichkeit vorgestellt werden.