Pilotprojekt für lokalen Versandhandel

Online-Marktplatz für Bonner Cityhändler

Im Einzelhandel gekauft, nach Hause geliefert: Ein DHL-Transporter in der Bonner Innenstadt.

Im Einzelhandel gekauft, nach Hause geliefert: Ein DHL-Transporter in der Bonner Innenstadt.

Bonn. Das Postunternehmen DHL, der Einzelhandelsverband, der Bonner Verein City-Marketing und die Industrie- und Handelskammer starten gemeinsam ein Pilotprojekt für lokalen Versandhandel - und zwar in Bonn.

Der Online-Handel setzt den Einzelhändlern vor allem in den Innenstädten seit Jahren zu. Rund zehn Prozent des Umsatzes gehen laut Experten bereits auf das Konto des Online-Handels. Tendenz steigend. Der Einzelhandelsverband (EHV) will jetzt mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) und dem Verein City-Marketing neue Wege gehen, um der digitalen Konkurrenz die Stirn zu bieten. Mit Hilfe des Postunternehmens DHL soll in Bonn ein Online-Marktplatz entstehen, auf dem die City-Kaufleute ihre Produkte anbieten und von der DHL zum Kunden bringen lassen können.

Dafür hat die DHL die „Allyouneedcity“-Plattform entwickelt. Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt, sagte DHL-Projektleiter Thomas Kempkes am Dienstagabend bei der Präsentation vor mehr als 50 Einzelhändlern. Die Wahl für den Auftakt des Projekts sei bewusst auf Bonn als Sitz der DHL-Zentrale gefallen. Zuvor hatte EHV-Geschäftsführer Adalbert von der Osten von einer „unschönen Situation“ für den Handel gesprochen. Denn obwohl die Einwohnerzahl in den Städten wachse, gingen die Kundenfrequenzen zurück. „Das ist ein Drama, was der Online-Handel auslöst“, sagte er und warb um rege Teilnahme an der lokalen Plattform, die im Oktober starten soll.

Einzelhändler präsentieren sich

Und so soll der digitale Marktplatz in Bonn funktionieren: Die Einzelhändler in der City präsentieren sich und ihre Produkte in einem virtuellen Shop auf der lokalen Online-Plattform der DHL, der Kunde wählt – wann immer er will – die Ware aus, bestellt sie und die DHL liefert. Auf Wunsch sogar binnen zwei Stunden und das an jeden Ort. Zusätzliche Verpackungen sind nicht nötig, da die Ware wie bei einem persönlichen Kauf im Ladengeschäft in eine Tüte gesteckt wird, die lediglich mit dem Namen des Kunden und einem Code versehen werden muss.

Vorgesehen ist laut Kempkes, diesen Service zunächst nur Kunden anzubieten, die im Umkreis zwischen Troisdorf, Königswinter und Bornheim leben. Die komplette Abwicklung der Leistungen inklusive des Zahlungsvorgangs übernimmt die DHL. Darüber hinaus besteht für die Händler die Möglichkeit, über ein virtuelles Schaufenster ihr Geschäft mit allen relevanten Informationen etwa zu Öffnungszeiten sowie den Angeboten zu präsentieren.

Vergleichbare Modelle funktionieren schlecht

„Wir haben uns im Vorfeld viele solcher Online-Plattformen angesehen. Sie eint vor allem eins: Sie funktionieren unterm Strich schlecht“, sagte von der Osten. Dann sei man mit der DHL zusammengekommen, die als erstes Unternehmen ein überzeugendes und für Bonn passgenaues Konzept entwickelt habe. „Die Einzelhändler haben den Vorteil, dass sie viele ihrer Kunden persönlich kennen, deshalb glauben wir fest, dass ein solcher digitaler Marktplatz gut funktionieren wird“, sagte Kempkes.

Karina Kröber vom Vorstand des Vereins City-Marketing nannte das Projekt „eine echte Chance“ für Bonn. Ob es am Ende gut funktioniert, ist vor allem davon abhängig, dass möglichst viele Händler mitmachen. EHV-Vorstandsmitglied Jannis Vassiliou, der in der Sternstraße ein Juweliergeschäft führt, hat sich bereis angemeldet. „Ich bin froh, dass es dieses Angebot mit der DHL als Partner gibt, was uns auf jeden Fall Sicherheit garantiert.“ Aus seiner Sicht gehe kein Weg daran vorbei, den Kunden in Zukunft die Wahl zwischen dem Online- und stationären Kauf zu ermöglichen.