Bonner Tennis- und Hockey-Verein

Oliver Wittershagen wird Ehrenamtskoordinator

Oliver Wittershagen nimmt seine Aufgabe als Ehrenamtskoordinator im BTHV sehr ernst.

Oliver Wittershagen nimmt seine Aufgabe als Ehrenamtskoordinator im BTHV sehr ernst.

Bonn. Der Bonner Tennis- und Hockey-Verein hat mit Oliver Wittershagen einen Ehrenamtskoordinator etabliert. Für die Bonner Vereinslandschaft ist das eine einmalige Sache.

Ohne ehrenamtliches Engagement kommt kein Verein auf Dauer aus. Für besonders große Clubs wie den Bonner Tennis- und Hockey-Verein (BTHV) ist die Koordination mitunter schwer. Aus diesem Grund wurde nun das Amt eines Ehrenamtskoordinators ins Leben gerufen. Eine bislang für die Bonner Vereinslandschaft einmalige Sache. Die Idee dazu habe es schon länger gegeben, erzählt Oliver Wittershagen, der diese Herkulesaufgabe übernommen hat.

Wittershagen, Vater von zwei Töchtern, die beide beim BTHV Hockey spielen, war bislang nicht sonderlich aktiv in dem Verein gewesen – zumindest nicht in sportlicher Hinsicht. Jetzt hält er die Fäden im Hintergrund für den Club mit mehr als 1600 Mitgliedern zusammen.

Mit Wittershagen hat der Verein eine erfahrene Kraft gefunden. 15 Jahre lang hat er im Auftrag der Vereinten Nationen in mehr als 20 Ländern für Organisationen Freiwilligenstrukturen aufgebaut und betreut. „Der Vorstand wusste davon und hat mich gefragt, ob ich die Koordination übernehmen möchte“, erzählt der 49-Jährige.

Während er über seine neue Aufgabe spricht, sitzt er auf der Terrasse des vereinseigenen Clubhauses und blickt über die Tennisplätze. Der Spielbetrieb beginnt dort erst später, wenn die ersten von der Schule oder der Arbeit kommen. Der zweifache Familienvater ist nach einem Sabbatical nun derjenige in der Familie, der sich um Haushalt und Kinder kümmert. Seine Frau arbeitet als Oberärztin in einer Klinik in Leverkusen.

Parallelen zu Personalern in großen Unternehmen

„Es ist eine ähnliche Aufgabe wie in einer Personalabteilung eines großen Unternehmens“, sagt er. Auch im Verein müssten diejenigen gefunden werden, die die Vorstandsaufgaben erledigen können. Ohne Vorstand könne ein Verein nicht bestehen. Aber auch Finanzen müssen geregelt, der Trainingsbetrieb aufrechterhalten, die Mitglieder betreut und die Anlage instand gehalten werden. Dann gebe es noch diejenigen, die spontan einspringen, wenn etwa ein Fest oder eine sportliche Veranstaltung ansteht. Alle seien wichtig und ohne das Engagement liefe das Vereinsleben nicht.

Als Ehrenamtskoordinator ist Wittershagen Teil des Vorstandes und dafür verantwortlich, den Einsatz der freiwilligen Helfer zu koordinieren. Zu schauen, was genau zu tun ist, und wer was leisten kann. Sein neues Amt ist allerdings nicht auf Dauer angelegt. Es ist ein vom Landessportbund und dem Westdeutschen Hockey-Verband gefördertes Amt. Innerhalb von drei Jahren sollen Strukturen geschaffen werden, die ermöglichen sollen, die umfangreichen Aufgaben mit festen Ehrenamtsteams zu stemmen.

„Im Verein gibt es viele Helfer, die meisten aber wollen lieber ad hoc statt regelmäßig eingespannt werden. Hier gilt es, Strukturen zu schaffen, die das regeln“, erklärt Wittershagen. Dazu hat er ein Konzept entwickelt, an dem sich künftig alle orientieren können. Darin heißt es auch, dass Ehrenamt zwar unentgeltlich ist, aber nicht umsonst – eine Kernbotschaft von Wittershagen. Ehrenamt kann und sollte Spaß machen und es müsse wertgeschätzt werden.

Der 49-jährige Bonner, der während seiner Zeit bei den Vereinten Nationen viele Länder bereist hat, weiß, dass jede Gesellschaft Ehrenamtsstrukturen hat, aber die Anerkennung fehle vor allem in Deutschland. Dies will er als Koordinator ändern. Im BTHV soll nun eine Anerkennungskultur geschaffen werden mit einer wertschätzenden Rückmeldung für die geleistete Arbeit. Wichtig sei außerdem, den Ehrenamtlern Raum für Selbstreflexion zu geben.

Es sei ein Trugschluss zu glauben, nur weil die Arbeit freiwillig ist, könne man auch aktiv werden, wann man wolle. Auch ein Ehrenamt benötige feste Strukturen und genaue Arbeitsabläufe, an denen sich jeder orientieren kann. Kommen und gehen, wann es einem passt, das funktioniere auch im Ehrenamt nicht.