Spendenaktion

"Offenes Piano" in der Bonner Innenstadt kommt Flüchtlingen zugute

Mit ihrem spontanen Spiel am Flügel unterhält diese junge Frau die Passanten in der Innenstadt. Der Verein „Open Piano“ sammelt dabei Spenden, die dem Musikunterricht für Flüchtlinge dienen sollen.

Mit ihrem spontanen Spiel am Flügel unterhält diese junge Frau die Passanten in der Innenstadt. Der Verein „Open Piano“ sammelt dabei Spenden, die dem Musikunterricht für Flüchtlinge dienen sollen.

Bonn. Die gemeinnützige Aktion „Open Piano für Refugees“ stellt an diesem Wochenende einen Konzertflügel zum Musizieren für jedermann in der Bonner Innenstadt bereit. Die dabei gesammelten Spenden sollen Flüchtlingen zugute kommen, die damit Musikunterricht erhalten sollen.

Vorsichtig schleicht Klara um den schwarz glänzenden Flügel, der auf dem Münsterplatz mit aufgeklappten Deckel steht. Ihr Blick wandert etwas hilflos umher. Wem das Instrument an so ungewöhnlichem Ort wohl gehört, scheint sie sich zu fragen. Dann fasst sich die Studentin ein Herz, setzt sich auf den Hocker und beginnt zu spielen: „Comptine d'un autre Été“ von Yann Tiersen aus „Die fabelhafte Welt der Amelie“. Die 20-Jährige ist eine gute Klavierspielerin. Was sie nicht gesehen hat: Ein Stück weiter steht ein Instrumentenkoffer, in den die Passanten Geld einwerfen. Klara spielt für die gemeinnützige Aktion „Open Piano for Refugees“, die sich für Flüchtlinge und sozial benachteiligte Menschen engagiert.

Wie Klara setzen sich seit Donnerstag immer wieder Passanten an den Flügel und spielen. Im Schatten des Daches des Restaurants „Midi“ sitzt Udo Felizeter, ein junger Student aus Wien, und beobachtet das Geschehen. Er hat das Sozialprojekt mitinitiiert und tourt seit einigen Wochen durch Deutschland und Österreich, um durch das Klavierspiel fremder Menschen Spenden für das Musikinstitut „DoReMi“ zu sammeln. Flüchtlinge und andere Menschen mit wenig Geld sollen dort mit einkommensstärkeren Personen interkulturellen Musikunterricht erhalten, erklärt er.

Der Verein „Open Piano for Refugees“ hat das Musikinstitut in der österreichischen Hauptstadt im Frühjahr dieses Jahres gegründet und will damit Musikunterricht für alle – unabhängig von Herkunft oder Einkommen ermöglichen. Die Philosophie des Vereins: „Die Open Pianos sollen den öffentlichen Raum kunstvoll beleben, die Interaktion in der Öffentlichkeit und die gesellschaftliche Teilhabe von Minderheiten und sozialbenachteiligten Menschen fördern (...). Musik unterscheidet weder zwischen Religion noch Herkunft. Musik verbindet.“ Mehr als 70 Musikschüler haben an dem Institut bereits einen Platz gefunden. Der Verein finanziert sich nach eigenen Angaben bisher ausschließlich aus Spenden, seine Mitglieder sind ehrenamtlich tätig.

Wie in Bonn, so Felizeter, ist der Verein auch in anderen Städten darauf angewiesen, dass die Flügel kostenlos zur Verfügung ausgeliehen werden. Die Bonner Leihgabe stammt von der Firma Piano Spengler aus Swisttal, der Felizeter außerordentlich dankbar ist. Einige hundert Euros habe er bereits an Spenden gesammelt, sagt er, während ihm Passanten Eis vorbeibringen. An diesem Samstag und Sonntag steht der Flügel tagsüber auf dem Remigiusplatz. Anschließend reist der junge Mann weiter nach Linz – wo er, so hofft er, wieder einen Flügel als kostenlose Leihgabe aufstellen will.