Kommentar zur Kippa-Attacke Objektivität gibt es nicht

Blick in den Bonner Hofgarten, in dem der jüdische Professor attackiert wurde.

Bonn. Nach der antisemitischen Attacke im Hofgarten haben die Aussagen von Anfang an nicht an allen Stellen logisch zusammengepasst. Heißt das, dass gelogen wurde? Nicht zwangsläufig, kommentiert GA-Redakteur Philipp Königs.

Widersprüche sind das tägliche Brot von Polizisten, Staatsanwälten und Verteidigern: Nach der antisemitischen Attacke auf den jüdischen Professor Yitzhak Melamed und dem anschließenden Niederringen des Opfers durch Polizisten aufgrund einer Verwechslung haben von Anfang an die Darstellungen der Beteiligten und Zeugen nicht an allen Stellen logisch zusammengepasst. Heißt das, dass einer von ihnen gelogen haben muss?

Heißt das, dass einer oder mehrere Protagonisten an diesem Julinachmittag auf der Bonner Hofgartenwiese vielleicht über- oder untertrieben haben, um groß auszuteilen oder um zu verharmlosen? Nicht zwangsläufig. In Extremsituationen, auf die man nur selten vorbereitet ist, überlagern Emotionen nicht selten das tatsächlich Geschehene. Eine völlig objektive Beschreibung ist ohnehin nicht möglich. Der persönliche Eindruck und die Realität sind eben nicht absolut deckungsgleich. Das gilt für alle Beteiligten.

Wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind, hat die Bonner Staatsanwaltschaft zu beurteilen, ob der Vorwurf der Körperverletzung gegen die Polizisten zu halten ist und Anklagen gegen einen oder mehrere Beamte folgen werden. Die Anklagebehörde wägt letztlich ab, ob die Beamten unter den gegebenen Umständen (also dem Trugschluss, dass das Opfer der mutmaßliche Täter ist) angemessen und nach (auch für die Polizei) geltenden Gesetzen reagiert haben. Haben sie das Opfer, das sie für den Täter hielten, geschlagen, weil es die Situation erforderte und es sich gegen die Festnahme wehrte? Oder überzogen ein oder mehrere Beamte bei diesem Einsatz und teilten gegen einen Mann aus, der bereits fixiert und hilflos am Boden lag?

Das sind die Kernfragen, um die es geht und auf die man am Ende der Untersuchungen gerne Antworten hätte.

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