Moschee in der Brühler Straße

Oberbürgermeister und Kirchenvertreter zeigen sich beeindruckt vom Neubau

Blick von der Frauen-Empore des Gebetssaals ins Erdgeschoss, wo die Männer gen Mekka beten.

BONN. Eng und düster war gestern, als die Al-Muhajirin-Moschee noch in einem Wohngebäude in der Theaterstraße untergebracht war. Großzügig, hell und eindrucksvoll ist heute, da das muslimische Gotteshaus offiziell an der Brühler Straße eröffnet ist.

So eindrucksvoll, dass Baasem Jürgen Kannich vom Trägerverein der Moschee bei der Eröffnungsfeier am Freitagabend schon ein wenig mulmig wurde, als er von Gastredner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch hörte: "Es gibt bereits viele Anfragen von Touristen, die Ihre neue Moschee besichtigen wollen." Kannich entgegnete augenzwinkernd: "Sie machen uns ein wenig Angst.

In der Tat zeigte sich bei der offiziellen Einweihung des Neubaus der Al-Muhajirin-Moschee nicht nur OB Nimptsch beeindruckt. In seiner Rede sprach er "von einem guten Tag für unsere Stadt" und befand, "die Moschee ist wahrlich schön, wunderbar". Auch die rund 200 Gäste und die beiden anderen Redner Coletta Manemann, Integrationsbeauftragte der Stadt, und Superintendent Eckart Wüster, der für die beiden großen christlichen Kirchen sprach, gratulierten der Moscheegemeinde zu ihrer "wunderschönen Moschee", die Architekt Ahmet Altunbas in zwei Jahren gebaut hat.

Drei Millionen Euro hat das gesamte Projekt inklusive Grundstückskauf gekostet - finanziert wurde es durch Spenden und einen großzügigen Einzelspender aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Nach langer Suche und zum Teil zähen Verhandlungen hatte der Stadtrat 2009 beschlossen, das städtische Grundstück, auf dem sich früher ein Getränkemarkt befand, an den Moscheeverein zu verkaufen. Wegen Bedenken der Politik dauerte es noch einmal anderthalb Jahre, bis die Verwaltung die Baugenehmigung erteilte. So hatte die SPD befürchtet, dass in dem Gemeindezentrum der Schwerpunkt zu sehr auf Arabischunterricht und islamische Glaubenslehre gelegt werde.

[kein Linktext vorhanden]Irritationen in der Öffentlichkeit hatten auch Berichte des General-Anzeigers 2011 mit sich gebracht, wonach Ermittler der Bonner Polizei und des Landeskriminalamtes die Al-Muhajirin-Moschee an ihrem früheren Ort in der Theaterstraße als Treffpunkt für Islamisten ausgemacht hatten. Dies hatte der Vereinsvorstand jedoch bestritten beziehungsweise erklärt, derlei Aktivitäten seien ihm nicht bekannt.

Am Freitag wurde das heikle Thema religiöser Extremismus nur am Rande erwähnt. Der Vereinsvorsitzende, Mahmoud Kharrat, sagte in seiner Begrüßungsrede, Fanatismus und Extremismus hätten in seiner Moschee keine Chance; man sei offen für den Dialog der Religionen und Kulturen. OB Nimptsch betonte, religiösen Extremismus könne man nicht nur auf den Islam reduzieren, und ermunterte die Moscheegemeinde zugleich, "Fürsprecher der demokratischen Gesellschaft und ihrer Vielfalt zu sein".

Während der religiöse Betrieb und speziell das Freitagsgebet seit einigen Monaten laufen, setzen Ehrenamtliche jetzt nach und nach die anderen Vorhaben des Moscheevereins um. Hülya Dogan, auch bekannt als Stadtverordnete des Bündnisses für Innovation und Gerechtigkeit (BIG), stellte am Freitagabend das Frauengremium der Moschee und dessen vorrangigstes Ziel vor: "Bildung für Kinder und Jugendliche, was einen aktiven Beitrag zur Integration darstellt."

Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe sind schon gestartet, gelehrt werden sollen aber auch religiöse Grundlagen. Die Weiterbildung soll auch mit Unterstützung der Stadt beziehungsweise der Volkshochschule geschehen. Fortgeführt werden auch gemeinsame Projekte mit den beiden großen christlichen Kirchen wie der Mittagstisch Oase für sozial benachteiligte Kinder.