Diskussion um Kulturstandort

OB will Kulturquartier in Beuel schneller umsetzen

BEUEL. Bonnorange hat die Beueler Markthallen unter Vorbehalt gekauft: Der Bonner Stadtrat muss der Umnutzung in einen Wertstoffhof noch zustimmen. Ashok Sridharan hat offensichtlich andere Pläne als sein Kulturdezernent.

Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan hat sich am Montag zum Streit um die künftige Entwicklung des Kulturquartiers Halle Beuel und zum Umbau der benachbarten Markthallen in einen Wertstoffhof öffentlich geäußert: „Mit der Umwandlung des Geländes der Halle Beuel zu einem Kulturquartier werde ich nicht fünf bis zehn Jahre warten. Ich werde in Kürze das Thema anstoßen und entsprechende Gespräche führen.“

Mit dieser Ankündigung widerspricht der OB seinem Kulturdezernenten Martin Schumacher, der vor drei Wochen beim „Beueler Treff“ des GA angekündigt hatte, dass das Areal in Beuel wegen der bevorstehenden Opernsanierung zehn Jahre lang nicht anderweitig genutzt werden könne. Sridharan sagte, er werde sich in zwei Wochen unter anderem mit Pantheon-Chef Rainer Pause und seiner künstlerischen Leiterin Martina Steimer treffen.

„Ich bin sicher, dass der geplante Wertstoffhof keine Einschränkungen und Belästigungen für das Pantheon Theater zur Folge haben wird.“ Die Verwaltung habe am Freitag von der Verkaufsunterzeichnung zwischen Bonnorange und der Erbengemeinschaft erfahren und werde bezüglich der Nutzungsänderung eine Verwaltungsvorlage für den Rat erarbeiten. „Der Stadtrat kann frei entscheiden“, versicherte der OB.

Anlieger sind in Sorge

Der Verkauf der Großmarkthalle in Beuel sorgt indes weiter für Aufruhr. Erst durch die Berichterstattung im GA erfuhren Händler und Öffentlichkeit davon. „Das hat uns kalt erwischt, es ist enttäuschend“, sagt Feinkosthändlerin Gabriele Discher. Sie muss sich nun Gedanken darüber machen, was mit ihrem Geschäft passiert, falls Bonnorange tatsächlich einen Wertstoffhof samt Salzlager auf das Gelände ziehen lässt. Endgültig entschieden ist das allerdings noch nicht.

„Bei dem Kaufvertrag handelt es sich um einen Gremienvorbehalt“, erklärt Bonnorange-Chefin Kornelia Hülter. Zwar sei der Vertrag unterschrieben, der Stadtrat habe aber die Entscheidung in der Hand. Denn die Sondernutzung der Markthallen muss für die eines Wertstoffhofs erweitert werden. „Gibt es ein Nein, fangen wir unsere Suche von vorne an.“

Seit anderthalb Jahren versucht der städtische Abfallbetrieb, einen rechtsrheinischen Standort für ein Salzlager des Winterdienstes und einen Wertstoffhof zu finden. Neun Orte standen bisher in der engeren Auswahl. Sie alle seien mal wegen der Größe – benötigt werden mindestens 9000 Quadratmeter –, mal wegen Bodenwerten und anderen Kriterien nicht geeignet gewesen. Die Markthallen auf dem etwa 11 000-Quadratmeter-Areal scheinen dagegen ideal. „Wir werden sie stehenlassen und die Container innen aufstellen“, so Hülter. Auch die Ziegelsteinfassade werde bleiben. Sie hoffe, vor der großen Brückensanierung im Sommer 2019 den Betrieb aufnehmen zu können.

Mit dem Auto an die Rampe

Für eine eventuelle Geruchsbelästigung gibt sie Entwarnung: „Hier wird nichts stinken.“ Grund seien der Müll an sich und Richtlinien, die für die Anlage gelten. Vor allem Haushaltsgeräte, Kunststoffe und Altmetalle würden dort angeliefert werden. Zwar würden auch Grünschnitt und Restmüll abgegeben. „Generell darf aber nichts länger als 24 Stunden gelagert werden.“

Dass es auf der Beueler Rheinseite überhaupt einen Wertstoffhof geben soll, ist die Folge eines infrastrukturellen Problems: Bonnorange hat eine zu schlechte Verwertungsquote. Bei 65 Prozent müsste sie laut EU-Richtlinie liegen, die Bonner kommen aber nur auf 47 Prozent. Unter anderem, weil es nur zwei Wertstoffhöfe – in Bad Godesberg und in der Weststadt – gibt. „Üblich ist ein Wertstoffhof pro 50 000 Einwohner“, sagt Hülter. Entscheidend seien Kundennähe und Service. Auf dem neuen Wertstoffhof sollen die Bürger deshalb mit dem Auto auf das Gelände fahren können – und nicht auf der Straße warten müssen, ehe sie über eine Rampe in die Hallen rollen, um den Müll von oben in die Container werfen zu können. „Hier werden ausschließlich Privatleute ihren Müll entsorgen.“

Wichtig sei der Wertstoffhof mit seinem Salzlager zudem für den Winterdienst. Bei der bevorstehenden Brückensanierung könne Bonnorange nicht mehr freie Straßen auf der Beueler Seite garantieren, weil die Streufahrzeuge im Stau stehen könnten.

Argumente, die Gabriele Discher nachvollziehen kann. „Aber man hätte uns und die anderen Mieter früher darüber informieren und nicht alles unter der Hand besprechen sollen.“ Denn eigentlich hätte es noch ein Mietergespräch mit allen zwölf ansässigen Betrieben nach den Sommerferien geben sollen – vor Unterzeichnung des Kaufvertrags. Sie weiß derzeit nicht, wie es mit ihrem Unternehmen, das seit fast 30 Jahren in den Beueler Markthallen seinen Sitz hat, weitergeht. „Da fragen sich natürlich auch unsere 13 Mitarbeiter, was die Zukunft für sie bringt“, sagte Discher, deren mittlerweile verstorbener Mann den Feinkosthandel aufgebaut hatte. Sie ist mit ihrer Hallenfläche von rund 1500 Quadratmetern die größte Mieterin – die Anderen haben Parzellen, die durch Metallgitter abgetrennt sind. „Etwas in unserer Größe und mit guter Verkehrsanbindung zu finden ist, in Bonn schwierig“, sagt sie. „Wenn der Wertstoffhof komme, werde Discher wahrscheinlich aus Bonn weggehen.

Neben Bezirksbürgermeister Guido Déus spricht auch Martina Steimer von einem „Vertrauensbruch“ der Stadt und Bonnorange. Sie hätte sich in direkter Nachbarschaft des Theaters die Entwicklung eins Quartiers gewünscht. „Wohnen, Leben und Arbeiten wären hier wunderbar in Einklang gebracht worden.“ Mit einem Wertstoffhof vor der Tür sei das nicht möglich.