Statistik zu Ein- und Ausreisen

Nur wenige Flüchtlinge nutzen Familiennachzug nach Bonn

Mit ihren Kindern an der Hand geht eine Frau in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) in Gießen (Hessen) über den Hof.

Mit ihren Kindern an der Hand geht eine Frau in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) in Gießen (Hessen) über den Hof.

Bonn. Die Möglichkeit des Familiennachzugs für Flüchtlinge wird in Bonn offenbar nur teilweise ausgeschöpft. Außerdem kamen vergangenes Jahr 23 Menschen aus der Stadt in Abschiebehaft.

In der in die Schlagzeilen geratene Abschiebehaftanstalt im ostwestfälischen Büren sitzen regelmäßig auch Menschen ein, die sich zuvor in Bonn aufhielten. Das geht aus einer Stellungnahme der Bonner Verwaltung an den Sozialausschuss hervor. Gefragt hatte nach den jüngsten Zahlen zur Abschiebehaft die Linksfraktion.

Für 23 Personen, darunter zwei Frauen, war demnach im vergangenen Jahr Abschiebehaft zu beantragen. In allen Fällen wurden die Betreffenden in ihre Herkunftsländer abgeschoben, zumeist waren Nordafrika und der Balkan das Ziel. Alle 21 Männer wurden in Büren inhaftiert, wo sich mit rund 140 Plätzen das größte Abschiebegefängnis Deutschlands befindet. Es war wegen Angriffen und Morddrohungen gegen das Personal und mehrerer Ausbrüche in die Schlagzeilen geraten. Abschiebehaft, die bis zu drei Monate dauern kann, kommt infrage für Ausreisepflichtige, die wegen Fluchtgefahr bis zu ihrer Abschiebung inhaftiert werden müssen.

Wie viele Personen mit einem Bezug zu Bonn abgeschoben wurden, ist nicht bekannt. Bezogen auf ganz Nordrhein-Westfalen lag die Zahl der Abschiebungen nach Angaben der Behörden im Jahr 2017 bei 6300. Zudem kehrten rund 14 500 Personen freiwillig in ihre Herkunftsländer zurück, mehr als 11.000 von ihnen wurden mit einem Förderprogramm dabei finanziell unterstützt. Den knapp 21.000 Ausreisen steht für 2017 die Zahl von 22.453 Neuankömmlingen gegenüber. NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) hatte kurz nach seinem Amtsantritt gegenüber dieser Zeitung ein „besseres Rückkehrmanagement“ angekündigt.

Unterdessen sieht die Stadt Bonn mit Blick auf die zu erwartenden Familiennachzüge offenbar keinen Anlass zur Sorge. So wird deren Umfang nach Einschätzung der Verwaltung deutlich geringer ausfallen als theoretisch möglich. Das erklärte der Leiter des Ausländeramtes, Michael Wald, kürzlich auf Einladung des „Runden Tisches Flüchtlingshilfe Bad Godesberg“.

Demnach seien bis Ende Februar von rund 4100 Personen, die schon jetzt die Berechtigung für einen Familiennachzug haben, 359 Menschen auf diesem Wege nachgeholt worden. Subsidiären Schutz genießen in Bonn derzeit etwa 1200 Flüchtlinge. Wenn diesen ab 31. Juli, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, der Familiennachzug wieder gestattet wird, rechne das Ausländeramt zwar mit zahlreichen Anträgen. Allerdings sei vor dem Hintergrund der bisherigen Erfahrungen die Wahrscheinlichkeit gering, dass Familiennachzug in großem Maßstab erfolgen wird.