Kommentar zum Klimaticket

Nur ein Schnellschuss

Der Bonner ÖPNV bekommt 37,6 Millionen Euro vom Bund, um die Luftqualität zu verbessern.

Der Bonner ÖPNV bekommt 37,6 Millionen Euro vom Bund, um die Luftqualität zu verbessern.

Bonn. Die Stadt Bonn will zum Preis von 365 Euro pro Jahr ein Klimaticket für Bus und Bahn herausgeben. Es gilt jedoch nur innerhalb der Bonner Stadtgrenzen und ist zeitlich befristet. Dazu hagelt es bereits von vielen Seiten Kritik.

Es ist schon mehr als verwunderlich, dass ein Klimaticket, das vor einem Jahr mangels Infrastruktur, Fahrzeugen und Personal abgeschmettert wurde, plötzlich ein Vorzeigeprojekt ist, in das Bundesfördermittel in Millionenhöhe fließen. Und die Aussagen von Offiziellen in den vergangenen Tagen zeigen: So richtig Ahnung, wie das Ganze konkret funktionieren soll, scheint bei Stadtverwaltung und SWB niemand zu haben. Das Ziel, die Stickstoffdioxidbelastung in Bonn zu verringern, ist ehrbar. Aber die Umsetzung ist voreilig und kurzfristig geplant. Wie es konkret funktionieren soll, scheinen auch die Entscheider nicht so genau zu wissen. Anders ist das Informationschaos nicht zu erklären.

Das Problem beginnt aber nicht in Bonn, sondern in Berlin. Da werden ein paar Millionen locker gemacht, um durch Modellprojekte Sanktionen der EU-Kommission zu entgehen. Letztendlich ist das die günstigste Lösung für die Bundesregierung: Alternativen wären rigorose Dieselfahrverbote. Oder langfristig angelegte, milliardenschwere Investitionen in neue Verkehrskonzepte. Bonns OB Ashok Sridharan bleibt da nichts anderes übrig, als das „Lead City“-Projekt eine Testphase zu nennen. Eine Testphase, in der man denen auf den Schlips tritt, die bereits den öffentlichen Nahverkehr nutzen: Sie müssen sich nämlich mit mutmaßlich Tausenden Klimaticket-Neukunden in noch vollere Busse und Bahnen zwängen.

Die dringende Frage, wie man einen Verkehrskollaps in der Stadt Bonn verhindern kann, lässt sich damit nicht beantworten. Selbst wenn auf die Förderung Analysen folgen. Zumindest da sind Bonn und Berlin auf Augenhöhe: Weder hier noch dort gibt es den politischen Willen, wirklich zukunftsträchtige Veränderungen anzustoßen.