Kommentar zu Ladendiebstählen

Nur die Spitze des Eisbergs

Im Vorbeigehen eingesteckt: Kleidung, Elektrogeräte, Kaffee und teure Parfüms stehen bei Ladendieben hoch im Kurs.

Im Vorbeigehen eingesteckt: Kleidung, Elektrogeräte, Kaffee und teure Parfüms stehen bei Ladendieben hoch im Kurs.

Bonn. Knapp dreieinhalbtausend Ladendiebstähle jährlich – das mag zunächst einmal gar nicht so viel erscheinen für eine Innenstadt, deren Warenauswahl alles bietet, was das Herz routinierter Ladendiebe begehrt.

Dumm nur, dass die Zahl offenbar nur die Spitze des Eisbergs darstellt. Denn die örtlichen Händler werden wissen, wovon sie mit dem Hinweis darauf reden, dass lediglich ein Bruchteil der Taten überhaupt zur Anzeige gelangt. Angesichts des Aufwands und der Opportunitätskosten, die ein Strafverfahren auch für die Geschädigten (womöglich noch mit einer teureren Versicherung) mit sich bringt, ist die Haltung der Unternehmer zumindest mit Blick auf geringfügige Güter sogar zu verstehen. An ihrem Verlust jedoch ändert das nichts. Und eine Schadenssumme von bis zu zehn Millionen Euro pro Jahr, wie sie der Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes ins Spiel bringt, wirkt schon deutlich alarmierender als die knapp vierstellige Zahl der Delikte, die die Polizei erfasst.

Deren Beamte sind für ihre Sisyphusarbeit nicht zu beneiden. Kaum haben sie einen Aktendeckel geschlossen, wartet schon der nächste Klient – nicht selten ein „alter Bekannter“. An einem Hoffnungsschimmer ist derweil maßgeblich die im Zusammenhang mit der Kleinkriminalität vielgescholtene Justiz beteiligt: Die beschleunigten Strafverfahren sorgen dafür, dass zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung auch die Täter noch unter dem Eindruck der Geschehnisse stehen. Je stärker der Bezug zur Tat, desto eher eröffnet das Raum für Reue. Ob dann das verhängte Strafmaß auch ausreichend vor Rückfällen abschreckt, steht allerdings auf einem anderen Blatt.