Sanierung in Bonn

Noch immer Chaos auf der Baustelle Beethovenhalle

Bonn. Der Fertigstellungstermin zur Sanierung der Beethovenhalle in Bonn ist zwar für Mai 2021 angesetzt - ob das klappt ist jedoch weiter fraglich. Ein neuer, von den Architekten vorgelegter Terminplan steht in der Kritik.

Die Nachrichten aus der Beethovenhalle werden nicht besser. Noch am Donnerstag nannte die Stadtverwaltung als wahrscheinlichen Fertigstellungstermin den Mai 2021 – gestützt auf einen Terminplan, den die Projektplaner Nieto Sobejano Arquitectos (NSA) im April vorgelegt haben. Der jedoch sei erneut „fehlerhaft und ungeeignet“, erklärte Andreas Fröhlich vom externen Projektsteuerer Drees & Sommer am Freitag im Projektbeirat des Stadtrates.

Der Terminplan – ein zentrales Steuerungsinstrument auf der Baustelle – enthalte falsche Daten und unzutreffende Angaben zum Baufortschritt bestimmter Vorgänge. „Die Struktur wird zunehmend unverständlicher und unbeherrschbarer und wird von keinem Projektbeteiligten mehr akzeptiert“, berichtete Fröhlich. So könne man den Bauprozess nicht koordinieren. CDU-Fraktionschef Klaus-Peter Gilles kommentierte diese Mitteilung mit einem knappen: „Schlimmer geht's nimmer.“

Nachunternehmer beauftragt

Laut Marion Duisberg, kommissarische Leiterin des Städtischen Gebäudemanagements, haben die Architekten einen Nachunternehmer mit der Terminplanung beauftragt. Ab jetzt, so Duisberg, wolle sich NSA selbst darum kümmern. Die Notbremse soll auch bei der Bauleitung vor Ort gezogen werden, an der es viel Kritik gibt: Auch die hat NSA an einen Nachunternehmer weitergereicht. Die Stadt strebt eine einvernehmliche Aufhebung des Vertragsteils Bauüberwachung mit den Architekten an. Dann könnte sie die Bauleitung an ein anderes Büro vergeben. Von einer Kündigung der Architekten, wie noch vor wenigen Wochen erwogen, rät die Stadtverwaltung inzwischen ab. Sie hält die Risiken für zu groß, wie aus einer vertraulichen Ratsvorlage hervorgeht.

Die Verwaltung will „angesichts des schleppenden Baufortschritts“ eine „Task Force“ bilden, um das „dringend erforderliche Schließen der Gebäudehülle (Dach und Fassade)“ sicherzustellen. Wie diese „Task Force“ aussehen soll, blieb im vorgelegten Zwischenbericht an den Rat offen.

Den Architekten hatte die Stadt seit Baubeginn immer wieder fehlerhafte oder verspätete Planungen vorgeworfen. Wegen Zeitverzugs kündigten zum Jahreswechsel zwei Firmen ihre Aufträge für Heizung, Raumluft-, Kälte- und Elektrotechnik. Jetzt hat auch eine Sanitärfirma gekündigt, wie Projektsteuerer Fröhlich berichtete. Damit drohten „deutliche Verzögerungen beim Ausbau“, auch bei nachfolgenden Gewerken. Weitere Unternehmen hätten Kündigungen in Aussicht gestellt, gab Duisberg auf drängende Nachfrage von Bernhard Wimmer (Bürger Bund Bonn) zu. Man spreche mit diesen Firmen und anderen Projektbeteiligten, um Lösungen zu finden, betonte Oberbürgermeister Ashok Sridharan. Das dauere noch.

Unzufrieden mit Zwischenbericht

Tom Schmidt (Grüne) reagierte trotzdem unzufrieden auf den Zwischenbericht: Die Ursachen des „völligen Desasters“ seien nicht wirklich erklärt, und es fehle eine Strategie zum Abschluss der Sanierung. Dabei sehe er auch den Projektsteuerer in der Pflicht.

Die Verwaltung hat wie berichtet Fehler bei der Beethovenhalle eingeräumt (siehe auch „Bauzustand nicht gründlich geprüft“). Bei künftigen Projekten müsse zum Beispiel der Zeitplan ausreichend Puffer enthalten, das Budget mit Risikozuschlag berechnet und auf Umplanungen während der Bauphase verzichtet werden. Der SPD ist das zu wenig. „Das zentrale Problem des Zwischenberichts ist, dass er nur Dinge aufführt, die dem gesunden Menschenverstand entsprechen“, kritisierte die Fraktionsvorsitzende Angelika Esch. „Wieso man dafür sechs Wochen brauchte, ist mir ein Rätsel.“ Sridharan hatte den Rat im März um eine sechswöchige Atempause gebeten, um die Situation zu ordnen.

Die Beethovenhalle sollte bis Ende 2018 für rund 61,5 Millionen Euro fertiggestellt werden. Aktuelle Prognose laut Stadt: 117,4 Millionen Euro. Bis zum Sommer sollen die Gesamtkosten feststehen.