OB-Wahl 2015

Nimptsch will nicht mehr

Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch

Der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch.

Bonn. Jürgen Nimptsch wird 2015 nicht wieder für das Amt des Oberbürgermeisters kandidieren. Auf seiner Homepage gab er bekannt, dass verschiedene Gründe die Ursache für die Entscheidung sind.

Seine zentrale Wahlaussage von 2009 "Bonn soll stark bleiben" sehe er als eingelöst an. So habe sich Bonns Platzierung im Städteranking  des Hamburger Wirtschaftsinstituts unter seiner Amtszeit von Platz acht auf Rang drei verbessert. Man bezeichne die Stadt gelegentlich auch als "Motor in NRW". Für seine Arbeit erfahre er von den Bonnern viel Anerkennung, aber auch Kritik und Anregungen für Verbesserungen.

Allerdings sei der Gegenwind aus der Opposition im Zusammenhang mit der medialen Begleitung sehr kräfteraubend gewesen. Nimptsch führt zudem persönliche Angriffe durch Beschwerden, Rügen, Anzeigen und unwahren Aussagen seitens der CDU und Grünen an, die gemeinsam die Ratsmehrheit ausmachen. Das habe auch dazu geführt, dass vieles wie etwa die Haushaltskonsolidierung nicht erledigt wurde.

Auch die private Ebene blendet der Verwaltungschef nicht aus: "Die lebensbedrohliche Erkrankung meiner Frau gibt ihr und mir keine Sicherheit, dass uns 2020, nach einer möglichen zweiten Amtszeit, noch viel gemeinsame Lebenszeit zur Verfügung stehen wird; wir haben aber Grund zur Hoffnung, dass dies in den nächsten Jahren so sein wird."

Bis zur Wahl am 20. Oktober 2015 werde er im Amt bleiben.  Bis dahin möchte er zumindest  die Themen Beethoven 2020, WCCB und Innenstadt weiter voran treiben.

Die ersten Reaktionen aus dem politischen Bonn kamen aus der eigenen Partei. "Mit Bedauern" habe man die Entscheidung zur Kenntnis genommen, teilte die SPD-Fraktion im Bonner Rat mit. Deren Vorsitzende, Bärbel Richter, lobte die Arbeit des 61-Jährigen: "Jürgen Nimptsch hat in den letzten Jahren das Boot auf schwieriger See sicher weiter in Richtung Strukturwandel gesteuert."

Georg Fenninger, CDU-Fraktionsgeschäftsführer: „Herr Nimptsch hat recht: Es gibt auch noch etwas anderes als OB. Das ist eine respektable Entscheidung und verdient Hochachtung, wenn er sich bei der Abwägung für seine Frau entscheidet. Dennoch: Die politischen Gründe, die er nennt, sind wieder einmal theatralisch. Bei aller Kritik an den Defiziten seiner Verwaltungsleitung, hat er aber bei der Repräsentation der Stadt einen tollen Job gemacht.“

Brigitta Poppe, Sprecherin der Grünen-Ratsfraktion: „Es stimmt: Wir haben ihn manchmal geärgert, er uns aber auch. Wenn wir mal ungehaltener reagiert haben, dann hatte das auch seinen Grund. Denn an Absprachen hat sich der OB aus unserer Sicht nicht immer gehalten. Und wenn er so plötzlich ohne vorherige Absprache eine Opernfusion mit Köln vorschlägt, dann finde ich das auch nicht sehr professionell.“

[kein Linktext vorhanden]Joachim Stamp, Bonner FDP-Landtagsabgeordneter, erklärte: "Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Jürgen Nimptsch und dem offenen Umgang auch mit seinen privaten Beweggründen. Alle Beteiligten der Bonner Kommunalpolitik sind jetzt aufgerufen, nach vorne zu schauen und im Sinne der Stadt Bonn das verbleibende Jahr vernünftig zusammenzuarbeiten."

Die Linke bewertete zwar einige Entscheidungen von Jürgen Nimptsch während seiner Amtszeit als kritisch, sah aber dennoch, dass er in einer komplizierten Situation Verantwortung für die Stadt übernommen habe. Eine Fertigstellung des Kongresszentrum im kommenden Jahr werde mit Jürgen Nimptsch verbunden bleiben. "Es ist zu hoffen, dass eine neue Ratsmehrheit ab 2015 einem künftigen Oberbürgermeister oder einer Oberbürgermeisterin konstruktiver begegnet, als dies Schwarz-Grün in den letzten Jahren gegenüber Jürgen Nimptsch tat", heißt es in einer Pressemitteilung der Fraktion.

Der Bürger Bund Bonn (BBB) erklärte, dass sie wenig überrascht sei von dem Verzicht des OB auf eine erneute Kandidatur. Der Fraktionsvorsitzende Bernhard Wimmer sagte: "Wenn dies für den amtierenden OB eine Option gewesen wäre, hätte er sicher von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, sein Amt vorzeitig zur Verfügung zu stellen und die OB-Wahl gleichzeitig mit der Neuwahl des Stadtrats durchzuführen.“ Klare Worte findet der BBB für die Rolle von CDU und Grüne: "Die Stadt Bonn ist von dieser Zweierbande finanziell vor die Wand gefahren worden. Mit Kassenkrediten und damit einem Rekord-Defizit bei den laufenden Ausgaben in Höhe von 732,3 Mio. Euro (Stand: 30. Juni 2013) stehen sie jetzt vor dem Scherbenhaufen ihrer verfehlten Strategie."

Auch Stadtdechant Wilfried Schumacher äußerte sich zu der Entscheidung von Nimptsch: "Die Begründungen, die er für seinen Rückzug angibt, machen mich sehr nachdenklich und ich würde es sehr begrüßen, wenn die politischen Kräfte in unserer Stadt wenigstens einen Augenblick innehalten würden, anstatt die Worte des Oberbürgermeisters sofort in parteipolitischem Gezänk zu zerreißen."

 

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