Schiffswracks, Mammutzahn, Weltkriegsmunition

Niedrigwasser im Rhein fördert Erstaunliches zutage

Das Wrack der "De Hoop" ist durch das Niedrigwasser des Rheins wieder aufgetaucht. 1895 war das niederländische Schiff gesunken.

Bonn. Die Dürre hat auch Auswirkungen auf den Wasserstand des Rheins. Dadurch kommt auch in der Region um Bonn manches zum Vorschein, das normalerweise weit unterhalb der Wasseroberfläche liegt.

Ein 123 Jahre altes Schiffswrack bei Kleve, Handgranaten aus den Weltkriegen in Bad Honnef, Bendorf und im Rhein-Lahn-Kreis und ein Mammutzahn in Dormagen - das ist nur ein Teil dessen, was in den letzten Wochen am Rhein gefunden wurde. Das Niedrigwasser legt lange Verborgenes frei.

Das Frachtschiff "De Hoop" sank im Winter 1895 nahe der niederländischen Grenze bei Kleve. Rotraud Kemkes vom Rhein-Museum in Emmerich kennt die Hintergründe: "Einige Schiffe sollten Dynamit für den Kaiser transportieren. Doch das Wasser war mit einer Eisdecke überzogen, die Schiffe luden ihre Fracht ab." Als das Wasser wieder schiffbar war, wurden die Schiffe erneut beladen. Dabei kam es zu einer Explosion, und "De Hoop" brannte aus und sank. 16 Menschen starben bei dem Unglück. Das Wrack wurde nie geborgen und kommt heute bei Niedrigwasser zu Tage, zuletzt im Jahr 2003. Und auch jetzt ist das 123 Jahre alte Schiff wieder am Rhein zu sehen. Weitere Wracks sind Rotraud Kemkes aber nicht bekannt. "Wir gehen nicht davon aus, dass hier noch etwas auftaucht", erklärt sie. Dem Wrack haben Souvenirsammler zugesetzt. Alle beweglichenTeile seien mittlerweile entfernt worden, berichtet Kemkes, was noch da sei, sei wohl zu groß und schwer um es mitzunehmen.

Gefährlicher als das Wrack sind Rückstände aus den beiden Weltkriegen, die zuletzt auftauchten. Im Rhein-Lahn-Kreis wurde eine französische Artilleriegranate gefunden. Bei Bendorf entdeckten Spaziergänger eine Handgranate. Auch nahe der Insel Grafenwerth in Bad Honnef wurde eine Handgranate geborgen. In vergangenen Jahren seien jedoch mehr Weltkriegsrelikte bei Niedrigwasser gefunden worden, berichtet Bernhard Budszuhn, Wachleiter der Wasserschutzpolizei in Bonn. Wenn Spaziergänger eine Granate oder Ähnliches finden, sollten sie diese in keinem Fall anfassen oder gar transportieren wollen. Stattdessen solle sofort die Polizei verständigt werden.

Viel älter als die Granaten ist der in Düsseldorf am Rhein gefundene Mammutzahn. Paläontologe Thomas Martin von der Universität in Bonn hat den Fund untersucht: "Es handelt sich um einen Stoßzahn, der aus der letzten Eiszeit stammen dürfte." Dieser sei einst drei Meter lang gewesen, das gefundene Stück, 1,30 Meter lang, sei nur ein Teil des Zahnes. Aus wissenschaftlicher Sicht wäre das Niedrigwasser hilfreich, so Martin. "Die Funde am Uferbereich sind abgesammelt", berichtet der Paläontologe, bei Niedrigwasser käme jedoch Neues zum Vorschein.

Wer etwas finde, das ein Fossil sein könnte, solle das jeweilige Amt für Denkmalpflege informieren. Die stellvertretende Direktorin des Neanderthal-Museums in Mettmann, Dr. Bärbel Auffermann, warnt auch davor, die Gegenstände anzufassen: "Ein Stoßzahn wird, wenn er austrocknet, sehr fragil." Man müsse mit dem Fund vorsichtig umgehen. Einfach mitnehmen dürfe man den Fund sowieso nicht: "Erstmal gehört der Fund dem Bundesland. Ob das Land interessiert ist, steht auf einem anderen Blatt." Thomas Martin erwartet noch weitere Funde: "Der Rhein bietet viel Material."

(Mit Material von dpa)