Interview mit Alfons Am Zehnhoff-Söns

Niedrigwasser dämpft Bilanz des Bonner Hafens

Hafen am Strom: Mit einer Verladebrücke werden die Container von den Schiffen gehoben, im Hintergrund die Nordbrücke.

Hafen am Strom: Mit einer Verladebrücke werden die Container von den Schiffen gehoben, im Hintergrund die Nordbrücke.

Bonn. Auf eine rote Ampel müssen die Schiffe, die täglich in Graurheindorf ihre Fracht umladen, derzeit keine Rücksicht nehmen. Im GA-Interview äußert sich Geschäftsführer Alfons Am Zehnhoff-Söns zum anhaltenden Niedrigwasser und anderen Herausforderungen.

Die Logistikfirma Am Zehnhoff-Söns ist einziger Kunde der Bonner Hafenbetriebe. Durch ein langes Niedrigwasser des Rheins hat sie ein schweres Jahr hinter sich. Hinzu kommen der bevorstehende Generationswechsel im Unternehmen und bevorstehende Jahrzehnte der Baustellen auf wichtigen Straßen

Herr Am Zehnhoff-Söns, warum sind Sie eingestiegen in den familiengeführten Hafenbetrieb?

Alfons Am Zehnhoff-Söns: Ich habe im elterlichen Betrieb die Lehre zum Speditionskaufmann abgeschlossen und kurze Zeit später ein betriebswirtschaftliches Studium in Bremen absolviert. Danach wollte ich alles, aber nicht mehr in die Spedition zurück. Dann war ich für fünf Jahre in anderen Unternehmen unterwegs. Als im Bonner Hafen das Containergeschäft begann, wurde es für mich interessant, denn das ist ein internationales Geschäft. Das war genau das, wonach ich gesucht habe.

Haben Sie überlegt, in einen anderen Betrieb zu gehen, losgelöst von der Familie?

Am Zehnhoff-Söns: Wenn sich unser Unternehmen damals in eine andere Richtung entwickelt hätte, wäre ich vermutlich nicht eingestiegen. Mein ältester Bruder Gregor war schon in der Firma, als ich dazu kam. In 2004 haben wir als dritte Generation die Anteile unserer Eltern Louise und Wilhelm Söns übernommen und führen das Unternehmen gemeinsam. Die vierte Generation ist mit meinen Söhnen Alexander und Andreas auch schon im Unternehmen beschäftigt.

Die kommenden Geschäftsführer also...

Am Zehnhoff-Söns: So ist es. Das macht uns alle auch ein wenig stolz, zumal die Entscheidung aus freien Stücken fiel. Es ist schön zu sehen, wie auch in dieser Generation unternehmerisches Handeln und Denken gelebt wird.

Nicht alle Familienunternehmen schaffen diesen Wechsel. Verraten Sie mal, wie Sie das hinbekommen haben?

Am Zehnhoff-Söns: Für mich war beim Heranwachsen der Kinder wichtig, dass sie ein Jahr als Schüler ins Ausland gehen. Die Welt ist nicht Deutschland, die Welt ist mehr als Deutschland. Wenn junge Leute rausgehen, bekommen sie einen ganz anderen Eindruck. Einen prägenden Eindruck. In diesem einen Jahr haben die beiden mehr fürs Leben gelernt als in einem Jahr Schule. Dann ist es einfacher, im Leben auch über den Tellerrand zu schauen. Ganz abgesehen davon, hat unser Unternehmen ja den Vorteil, dass wir viel im Ausland unterwegs sind, vor allem in China.

Ihre Kinder werden die Geschäfte vermutlich anders führen als Sie. Was haben Sie bei Ihrem Einstieg verändert?

Am Zehnhoff-Söns: Als die Eltern uns ihre Anteile angeboten haben, habe ich mich erst noch zurückgehalten. Nach meinem 40. Lebensjahr wollte ich mich entscheiden, ob ich etwas anderes mache. Dann war klar, ich bleibe in der Firma und mache sie zu meinem beruflichen Mittelpunkt. Was meine Person betrifft, habe ich deutlich gemacht, dass ich die Vorgängergeneration nicht imitieren möchte, sondern einen eigenen Weg suchen will. Führungsstile müssen sich an Veränderungen anpassen. So habe ich rechtzeitig erkannt, dass ich Macht teilen muss, auch weil die Firma größer wurde. Wir haben also einen Stamm von Mitarbeitern aufgebaut, dem wir vertrauen und der motiviert ist.

Im Laufe der Jahre hat Ihr Unternehmen in den Hafen investiert und betreibt ihn mittlerweile in einem Joint Venture mit den Stadtwerken. Welche strategischen Überlegungen steckten hinter diesen Entscheidungen?

Am Zehnhoff-Söns: Wir sind Dienstleister und müssen schnell und leistungsfähig arbeiten. Als es den Kommunen noch gut ging und sie sich den Hafen trotz defizitärem Geschäft leisten konnten, durften wir hier nur von 7 bis 17 Uhr umschlagen. Wenn der Lkw um 17.05 Uhr kam, war das nicht immer machbar. Deswegen habe ich damals mit der SWB-Geschäftsführung Verhandlungen aufgenommen, aus denen die Bonner Hafenbetriebe GmbH entstanden sind. Seitdem schreibt der Hafen schwarze Zahlen.

In welchem Zustand war der Hafen bei der Übernahme?

Am Zehnhoff-Söns: Strukturell war er ziemlich schlecht aufgestellt. Eine Modernisierung war unausweichlich. Unser Unternehmen hat 17 Millionen Euro investiert, 80 Prozent wurden durch den Bund gefördert. Die Brücke ist sicher eine wichtige Investition, um mehr Waren umschlagen zu können. Aber am meisten Geld haben Baumaßnahmen verschlungen, die nicht zu sehen sind, weil sie unter der Erde liegen. Ich nenne mal die Spundwand und abgedichtete Flächen, um die Befestigung sicherzustellen.

Am Bonner Hafen werden Sie sich aufgrund der besiedelten Umgebung kaum weiter ausdehnen können. Strebt Am Zehnhoff-Söns dennoch an, weiter zu wachsen?

Am Zehnhoff-Söns: Unser Unternehmen wächst kontinuierlich, wir sind spezialisiert auf intermodale Verkehre. Darunter versteht man Systeme mit mindestens zwei Verkehrsträgern, also Bahn/Schiff, Lkw/Schiene oder Lkw/Schiff. Als ein Betreiber für den Hafen in Trier gesucht wurde, waren wir interessiert. Wir haben das Knowhow als Betreiber eines Terminals und wir können die Wasserstraße mit Bonn als Hauptumschlagplatz nutzen. 2015 sind wir dann in Trier tatsächlich eingestiegen.

Erwirtschaftet das Unternehmen schon Gewinne in Rheinland-Pfalz?

Am Zehnhoff-Söns: Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr erstmals schwarze Zahlen schreiben werden. Trier hatte Anlaufschwierigkeiten, da der Hafen bis dato nicht auf intermodale Verkehrssysteme ausgerichtet war. Also mussten wir zunächst hohe Anlaufinvestitionen sowohl im Bereich Bahn- als auch Binnenschiffstransport tätigen. Allerdings spielt uns die Verkehrspolitik in die Karten. Die Regierung versucht, den Lkw-Verkehr unattraktiver zu machen, beispielsweise durch höhere Gebühren, durch Erhöhung der Ruhezeiten oder teurere Maut-Gebühren, die für Anfang kommenden Jahres geplant sind. Umgekehrt werden zum 1. Januar die Preise der Deutschen Bahn Netz abgesenkt, um die Schiene interessanter zu machen.

Also spricht vieles für Bahn oder eben Schiff.

Am Zehnhoff-Söns: Ja, doch entgegen aller verkehrspolitischen Bemühungen bleibt der Lkw dominierend, was womöglich an einer guten Lobbyarbeit hinter den Kulissen liegt.

Aber auf den Straßen reiht sich Stoßstange an Stoßstange. Darunter muss doch die Zuverlässigkeit der Lkw erheblich leiden.

Am Zehnhoff-Söns: Das ist schon richtig. Die Straßen brechen unter der großen täglichen Last zusammen. Wir bekommen den Verkehr nicht mehr vernünftig abgewickelt. Was uns in den nächsten 15 bis 20 Jahren erwartet, ist nicht gut.

Werden Ihre Lkw täglich im Stau stehen?

Am Zehnhoff-Söns: Schwer zu sagen. Als ich mich noch im Vorstand der Industrie- und Handelskammer engagiert habe, konnten wir dem Landesbetrieb das Versprechen abringen, dass auf der Nordbrücke während der Sanierung durchgehend zwei Fahrspuren in jede Richtung erhalten bleiben. Ich hoffe, diese damalige Zusage hat noch Bestand. Wenn das der Fall wäre, würde ich nicht von einem Gau sprechen wollen, sondern von stärkeren Behinderungen.

Und wenn nicht?

Am Zehnhoff-Söns: Weicht der Landesbetrieb von dieser Planung ab, bricht der Verkehr zusammen. Ich glaube auch nicht, dass der Autoverkehr eine gleichzeitige Sanierung von Nordbrücke und „Tausendfüßler“ verkraften würde. In Deutschland schreiten Sanierungsarbeiten viel zu langsam voran. Wenn ich allein die Planungs- und Genehmigungsphase bei der Parallelverschiebung der Leverkusener Brücke sehe, wird der für 2030 geplante Bau einer Rheinquerung bei Niederkassel nie und nimmer realisiert werden können, auch wenn dieses Bauvorhaben im Bundesverkehrswegeplan steht.

In diesem Jahr hatte Ihr Unternehmen mit Niedrigwasser zu kämpfen. Wie hat sich das ausgewirkt?

Am Zehnhoff-Söns: Eine solch lange Phase des Niedrigwassers haben wir noch nicht erlebt. Das führt naturgemäß dazu, dass der Verkehrsträger Binnenschiff deutlich an Attraktivität verliert. Daher gehe ich momentan davon aus, dass wir im intermodalen Bereich erstmals keine Wachstumsraten vorweisen können, sondern im Gegenteil einen Volumenrückgang verzeichnen werden.

Wie haben Sie in der Zeit agiert?

Am Zehnhoff-Söns: Letztlich bedeutet Niedrigwasser, dass die Schiffe nicht so voll beladen werden können wie bei normaler Wasserführung. Das wird bedingt ausgeglichen durch höhere Preise, die wir dann berechnen. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn der Transport mit dem Schiff immer noch günstiger bleibt als mit anderen Verkehrsträgern. Notfalls können wir komplett auf Lkw umsteigen oder eben den Hafen in Trier nutzen. Ich kann allerdings nur hoffen, dass Niedrigwasserlagen wie in diesem Jahr nicht zum Dauerzustand werden.