Kommentar zum WCCB-Prozess

Nicht sehr glaubwürdig

Die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe und ehemalige Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann.

Die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe und ehemalige Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann.

Bonn. Ex-Oberbürgermeisterin Dieckmann will nichts von den dubiosen Machenschaften gewusst haben, die am Mittwoch vor dem Landgericht zur Sprache gebracht wurden. Das klingt nicht sehr überzeugend.

Wie kam es zum WCCB-Bauskandal, der noch Generationen von Steuerzahlern belasten wird? Hat ein gewiefter Betrüger aus Fernost die Stadt Bonn über den Tisch gezogen – oder ist der Stadtrat im Jahr 2005 von der eigenen Stadtverwaltung getäuscht worden, die längst von der überaus zweifelhaften Bonität des „Investors“ Man-Ki Kim wusste? Die damalige Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann hat darauf am Mittwoch vor dem Landgericht erwartbare Antworten geliefert. Ihre Kernbotschaft lautet: Ich war es nicht.

Als Chefin der Verwaltung mit jahrelanger Erfahrung hat sie damals nach eigener Aussage weder von Zweifeln an Kims angeblicher Verbindung zum Autokonzern Hyundai gewusst noch von der kritischen Einschätzung seiner Finanzkraft. Dabei war es doch offenkundig so, dass der Vorstand der Sparkasse KölnBonn den Baukredit über 74 Millionen Euro genau deshalb zunächst abgelehnt hatte. Die Banker waren nur bereit, das Geld auszuleihen, wenn die Stadt eine Bürgschaft schon für die Bauphase abgeben würde – einem Zeitpunkt also, zu dem noch kein fertiggestelltes Gebäude als Sicherheit existieren konnte.

Dass die Oberbürgermeisterin von dieser Ansage aus dem Sparkassenvorstand und den Hintergründen nichts erfahren haben will, klingt unglaubwürdig bei einem so bedeutenden Projekt. Das erfolgreiche Bühnenstück „Bonnopoly“ spitzt exakt das in zwei Wörtern zu: Immer dann, wenn es um unbequeme Einwände gegen die WCCB-Vision geht, brüllen die Darsteller der städtischen Akteure im Chor: „Schnauze, Sparkasse!“ Es muss hart für Bärbel Dieckmann sein, dieses Theaterstück zu ertragen. Wirklich entkräften konnte sie den Verdacht, ein politisch gewolltes Projekt auf Gedeih und Verderb durchgeboxt zu haben, mit ihren Aussagen vor Gericht allerdings nicht. Natürlich profitiert der UN-Standort Bonn heute vom neuen Kongresszentrum. Doch der Preis dafür war zu hoch.