Verkehrskonzept für Bonn

Neun Varianten für die Venusberg-Seilbahn

BONN. Ein Gutachter stellt am Mittwochabend den Zwischenbericht zur Machbarkeitsstudie vor. Die Seilbahn könnte eine Entlastung von bis zu 2000 Fahrzeugen täglich bringen.

Das Projekt Seilbahn bekommt klarere Konturen: Am Mittwochabend hat Thomas Baum, der die Machbarkeitsstudie für die Stadt als Gutachter durchführt, im Rahmen der zweiten Bürgerbeteiligung erste Zwischenergebnisse vorgestellt. Neun Verbindungsmöglichkeiten für eine Seilbahn auf den Venusberg hat er analysiert.

Sie liegen in zwei Korridoren und variieren durch die Verbindungslängen. Zur Erinnerung: Aufgabe ist es, sowohl die einfache Anbindung zwischen Venusberg und Regierungsviertel als auch die Verlängerung über den Rhein hinweg zu prüfen. Eine Trasse würde auf längster Linie vom Venusberg über die vier Stationen Hindenburgplatz, DB-Haltestelle UN-Campus, Posttower, Rheinaue zur geplanten DB-Haltestelle Ramersdorf (Anbindung an die S13) führen. Eine andere über den Stadtbahnhaltepunkt Olof-Palme-Allee südlich der Südbrücke entweder an der Stadtbahnhaltestelle Ramersdorf oder am DB-Bahnhof Oberkassel enden.

Kleine Lösung würde ausreichen

Stadtplaner Baum von der Verkehr, Städtebau und Umweltschutz GmbH hat in Zusammenarbeit mit der Stadt, der Interplan GmbH und dem Ingenieurbüro Sehnal unterschiedliche Fahrgastzahlen für das Jahr 2030 errechnet. Besonders hoch wäre die Frequentierung der nördlichen Strecke mit etwa 6000 Pendlern zum DB-Halt Ramersdorf. Mit lediglich 3260 Passagieren wäre bei einer Verbindung zur Stadtbahn Ramersdorf zu rechnen. „Durch eine Seilbahn wäre je nach Verbindung eine signifikante Entlastung von 1000 bis 2000 Fahrzeugen pro Tag möglich“, erklärte Baum.

Michael Isselmann, Leiter des städtischen Planungsamts, machte klar, dass Fragen zu Kosten und dem genauen Bahnsystem zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht wären. Die bisherigen Ergebnisse würden aber erkennen lassen, dass Bonn keine Hochleistungsseilbahn wie in Koblenz braucht. Eine kleine Lösung wäre ausreichend. „Das Thema ist komplex. Wir suchen deshalb den Dialog mit der Stadtgesellschaft“, erklärte Isselmann.

Workshop zur Trassenbildung

Anfang November soll ein Workshop zur Trassenbildung stattfinden. Im ersten Halbjahr 2017 rechnet er damit, dass die Studie vorliegt und in einer abschließenden öffentlichen Runde die Bürger informiert werden. Die Studie werde aber nur zwei Verbindungen bis zum Ende prüfen. Die Entscheidung müsste der Stadtrat unter Einbeziehung der Ergebnisse aus dem Bürgerdialog fällen. Für die tatsächliche Umsetzung müsste der Rat einem Planfeststellungsverfahren zustimmen, damit sei frühestens im zweiten Halbjahr 2017 zu rechnen.

Nicht nur die Wirtschaftlichkeit, die für eine Förderung des Landes mit bis zu 90 Prozent für den Bau nachzuweisen ist, wird in die Abwägung einfließen. Baum hat ebenso eine Risikobewertung vorzunehmen. Die Umsetzung einer Seilbahn, deren Kabinen einen Mindestabstand zu Hausdächern von 2,50 Meter wahren müssen, wird einfacher, wenn weniger Privatgrundstücke überfahren und somit weniger Schweberechte eingeholt werden müssten. Die südliche Trasse hätte da gute Aussichten, weil sie für die geplante Südtangente weitgehend frei von Wohnhäusern gehalten wird.