Collegium Josephinum

Neues Gutachten zu Zäpfchengabe

BONN. Am Collegium Josephinum Bonn (CoJoBo) wird die jahrelang geübte Praxis, Schülern Zäpfchen zu verabreichen, erneut untersucht. Das geschieht offenbar auf Druck der Bezirksregierung Köln, nachdem im Schulausschuss Zweifel an der Unabhängigkeit der bisherigen Untersuchungsbeauftragten geäußert worden waren.

Die Kölnerin war von den Redemptoristen ausgewählt worden. Wie der katholische Orden mitteilte, untersuchte sie sechs Fälle von Zäpfchen-Einsätzen zwischen 2008 und 2011. Diese seien nur "in bestimmten Akutsituationen" und "verantwortungsvoll" angewendet worden. "Eine Sexualbezogenheit" im Handeln der beiden CoJoBo-Patres sei nicht erkennbar. Kritiker halten der Gutachterin mögliche Befangenheit vor, weil sie öfter kirchliche Aufträge annehme.

Jetzt wird ein neuer Sachverständiger gesucht. Diese Nachricht der Bezirksregierung an den Schulausschuss wurde in dessen letzter Sitzung mit Genugtuung aufgenommen. "Wir haben den Druck erhöht und sehen das als Erfolg an", erklärte die Vorsitzende Dorothee Paß-Weingartz. Sie hatte die Schulaufsicht angeschrieben.

Die Bezirksregierung habe ihr geantwortet, sie habe dem CoJoBo ihre Auffassung zur Medikamentenvergabe deutlich gemacht: Die Verabreichung von Zäpfchen sei nur mit Zustimmung der Eltern und Schüler und dann auch nur in besonderen Ausnahmesituationen zulässig. Ein medizinisches Gutachten im Auftrag der Grünen kommt zum klaren Ergebnis: Der Einsatz von Zäpfchen bei Schülern ist nicht angebracht.

Auch ein weiteres Gutachten, das von den Redemptoristen selbst bei der Universitätsklinik Köln in Auftrag gegeben worden war, empfiehlt den Verzicht auf Zäpfchen, wie CoJoBo-Schulleiter Peter Billig bestätigt: "Wir überarbeiten unser Medikamentenkonzept und werden künftig wohl keine Suppositorien mehr einsetzen."

Kritik im Schulausschuss gab es auch daran, dass einer der beteiligten Patres den schulischen Präventionsarbeitskreis leitet. Das weist Billig entschieden zurück. "Das Projekt läuft schon lange, und der Pater ist aufgrund seiner pastoral-psychologischen Ausbildung seiner Sanitäts-Kenntnisse für die Aufgabe prädestiniert." Laut Bezirksregierung fällt diese Entscheidung allein in die Personalhoheit des Schulträgers. Gegen den Mann werde schließlich nicht staatsanwaltlich ermittelt.

Nach zwei Anzeigen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs laufen derzeit noch Ermittlungen gegen den zweiten Pater. Er ist deshalb vom Dienst suspendiert. Die Grünen-Politikerin Paß-Weingartz kritisierte scharf, dass der Mann weiter in der CoJoBo-Mensa tätig sei und täglich mit Schülern in Kontakt komme. Letzteres bestreitet Schulleiter Billig: Der Pater sei zwar weiterhin Verwaltungsleiter der Mensa, erledige diese Aufgabe aber nur nachmittags - ohne Schülerkontakt.