Verzögerung bis Ende 2020

Neues Dach des Bonner Hauptbahnhofs zur Hälfte fertig

Das Bahnhofsdach.

Das Bahnhofsdach.

Bonn. Eigentlich sollte die Restaurierung des denkmalgeschützten 5500 Quadratmeter großen Bahnhofsdach Ende 2019 fertig sein, doch die Bauarbeiten verzögern sich bis Ende 2020.

Manchmal ist es schon eine gute Nachricht, wenn ein bereits korrigierter Zeitplan steht, und eine nach oben korrigierte Kostenprognose voraussichtlich zu halten sein wird. Eben dies hat die Deutsche Bahn am Mittwoch bei einer Begehung des Bonner Hauptbahnhofs mitgeteilt. Seit Ende 2017 investieren DB, der Verband Nahverkehr Rheinland (NVR) und der Bund Millionenbeträge in die Sanierung des Bahnhofs, die Kosten tragen sie zu jeweils einem Drittel.

Eigentlich sollte vor allem die Restaurierung des denkmalgeschützten 5500 Quadratmeter großen Hallendachs Ende dieses Jahres fertig sein. Die Kosten wurden vor dem Baustart auf 13 Millionen Euro geschätzt. Doch die bei Denkmälern oft erst während der Bauphase auftretenden Probleme machten den Planern einen Strich durch die Rechnung: Im vergangenen Jahr teilte die DB mit, erst Ende 2020 sei mit der Fertigstellung zu rechnen, und die Kosten lägen unterm Strich wohl bei 30 Millionen Euro. "Von diesen Annahmen gehen wir weiterhin aus", sagte nun Kai Rossmann. Als Bahnhofsmanager ist er für 115 Bahnhöfe im Rheinland zuständig, auch für den Bonner Hauptbahnhof.

Er und Stephan Goertz, Bauleiter von der DB Station & Service, erklärten, dass die Hälfte der aufwendigen Dachsanierung auf dem Hausbahnsteig 1 mittlerweile geschafft sei. Drei von insgesamt sieben Bauabschnitten seien beendet. Im vierten Bauabschnitt haben die Arbeiter gerade über eine etwa zehn Meter hohe Montagebühne die alten Stahlteile des Daches abgetragen. Per Lkw werden sie nach Dortmund zu einer Spezialfirma gebracht, "gesäubert, gesandstrahlt und eingehend geprüft", sagt Goertz. Nicht alle wuchtigen Stahlteile könnten wieder verwendet werden. "Wenn die Teile der Prüfung nicht standhalten, muss ein neuer Träger gegossen werden."

Die Wiederaufarbeitung vor dem Einbau braucht seine Zeit. Das hatte die DB stets betont, wenn Pendler monierten, es seien kaum Bauarbeiter auf der eingehausten Baustelle zu sehen. Was die meisten der rund 67.000 Fahrgäste täglich nicht mitbekommen, ist zwischen dem bereits neuen und dem noch alten Dach in luftiger Höhe gut zu sehen. Der Bau kommt voran. Im neuen Abschnitt lässt sich die Verglasung erkennen, die wie geplant deutlich mehr Licht in den Bahnhof durchlässt. Der Stahl hat keinen blauen Anstrich mehr, sondern einen grauen, weil das der Ursprungsfarbe des 1883/84 errichteten Gebäudes entspricht. Das Zwischendach neben dem denkmalgeschützten Gewölbedach soll fast ausschließlich aus Glas bestehen statt des vorhandenen Plexiglases.

Rossmann zeigt sich glücklich, dass Regionalzüge seit Juni den südlichen Teil von Bahnsteig 1 wieder nutzen können; fast mit Beginn der Sanierung stand das Hausgleis Richtung Norden für An- und Abfahrten nicht zur Verfügung. Genau an dieser Stelle im Süden ist die künftige Anmutung erkennbar. Dort hat die DB den ans Gewölbedach anschließenden Überbau samt Leitungen und neuen Lautsprechern erneuert. "Die Öffnung entspannt die Situation deutlich." Bis zum Sommer wurde das Gros der Züge über Bahnsteig 2/3 abgewickelt, was gerade in den Hauptverkehrszeiten zu dichtem Gedränge führte.

Zu tun gibt es noch genug. Nicht nur die Wahrung des Denkmalsschutzes hat die Kosten in die Höhe getrieben ("Wir haben mittlerweile alleine zwölf Varianten von Fundamenten", so Goertz). Auch der Umfang der Arbeiten im Rahmen des Sanierungsprojekts "#1von150" wurde größer. Das betrifft beispielsweise eine bessere Beleuchtung, die noch einzubauen ist. Aber ebenso einen Anstieg des Komforts. Ziel ist es eben auch, einen barrierefreien Bahnhof zu schaffen. An den Bahnsteigen 4 und 5 habe man, so Rossmann, neue Rolltreppen eingebaut. Der Aufzug zum Bahnsteig 2/3 habe eine neue Steuerung bekommen. Ihn fahren neben den Zügen Richtung Koblenz derzeit noch die langen Fernverkehrszüge gen Köln an. Der viel genutzte (und nicht selten defekte) Aufzug zur Quantiusstraße soll 2020 erneuert werden.