Jugendschwurgericht in Bonn

Neuer Prozess um Mord im Haus Müllestumpe

Im Gerichtssaal nimmt ein Justizbeamter dem Angeklagten die Handschellen ab. FOTO: BARBARA FROMMANN

Im Gerichtssaal nimmt ein Justizbeamter dem Angeklagten die Handschellen ab.

12.01.2016 Bonn. Der 19-jährige Angeklagte soll einen Behinderten heimtückisch erstochen haben, um seine Tötungsfantasien in die Tat umzusetzen. Nach einem gescheiterten Prozessauftakt im Dezember sitzt der Mann nun erneut auf der Anklagebank.

Zum zweiten Mal sitzt die Mutter eines am 24. April 2015 im Haus Müllestumpe getöteten Behinderten im Landgericht dem Mann gegenüber, der ihren Sohn aus reiner Mordlust heimtückisch umgebracht haben soll. Nach dem gescheiterten Prozessauftakt am 4. Dezember, an dem das Bonner Jugendschwurgericht das Verfahren wegen fehlender Urkunden ausgesetzt hatte, sitzt der 19-jährige Angeklagte seit Dienstag erneut auf der Anklagebank.

Auch diesmal hat er sich für seinen Auftritt vor Gericht einen Anzug angezogen. Scheu vor den Kameras der Fotografen hat er sichtlich nicht. Nur dem Blick der Mutter, die ihm als Nebenklägerin gegenübersitzt und ihn ansieht, weicht er aus.

Sie hatte zum ersten Prozesstermin Anfang Dezember in einem Brief an den GA ihren Sohn, der das Downsyndrom hatte, beschrieben, um ihm ein Gesicht zu geben, weil es in einem Prozess ansonsten immer nur um die Person des Täters gehe. Ein liebenswürdiger Mensch sei der 30-Jährige gewesen, schrieb sie, ein Mensch, der nicht nur von seiner Familie geliebt worden sei. Als Oberstaatsanwalt Robin Faßbender nun erneut die Anklage verliest, muss sie zum zweiten Mal hören, wie ihr Sohn erbarmungs- und mitleidlos getötet wurde.

Denn laut Anklage hatte der 19-jährige Angeklagte nur ein Motiv für seine Tat: Er wollte sehen, wie es ist, wenn er einen Menschen tötet. Diese Tötungsfantasie, so der Ankläger, habe der 19-Jährige schon länger gehabt und auch einem Freund gegenüber kundgetan.

Vorfall am Tag vor der Tat

Bereits am Tag vor der nun als Mord angeklagten Tat hatte der Angeklagte den Ermittlungen zufolge mit einem Luftgewehr aus seiner Wohnung in Auerberg auf einen Nachbarn geschossen und den 26-Jährigen am Arm verletzt. Der Polizei gegenüber beteuerte er, es habe sich um ein Versehen gehandelt. Die Beamten ließen ihn wieder laufen. Und am nächsten Tag, so der Oberstaatsanwalt, setzte der Angeklagte seine Tötungsfantasie in die Tat um. 

Um 23 Uhr klingelte er laut Anklage an der Wohnung des ihm flüchtig bekannten Behinderten, und als der ihm zwar öffnete, ihn aber bat zu gehen, stach er mit einem langen Messer zu - wieder und wieder, mindestens neun Mal. Der 30-Jährige verblutete.

Zu Wort kommt der Angeklagte an diesem Prozesstag nicht. Die Verhandlung wird nach der Anklageverlesung beendet. Im Beistand eines Notfallseelsorgers verlässt die Mutter den Saal. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt. (Rita Klein)