Seelsorger und Lehrer

Neuer Militärdekan auf der Hardthöhe eingesetzt

Uwe Rieske ist der neue evangleische Militärdekan auf der Hardthöhe.

Uwe Rieske ist der neue evangleische Militärdekan auf der Hardthöhe.

Bonn. Uwe Rieske ist neuer evangelischer Militärdekan. Neben der reinen Seelsorge an Soldaten steht der „lebenskundliche“ Unterricht für die Soldaten im Vordergrund.

Als er evangelische Theologie studierte, hatte Uwe Rieske noch ganz andere Pläne für seine Zukunft. „Ich bin eigentlich habilitierter Kirchenhistoriker und wollte an der Uni bleiben“, sagte der 62-Jährige. Stattdessen führte ihn sein Weg erst in die Notfallseelsorge, er war sechs Jahre lang Landespfarrer für dieses Aufgabengebiet. Und jetzt hat er einen neuen Posten angetreten: Am Mittwoch wurde er vom evangelischen Militärbischof Sigurd Rink als Militärdekan auf der Hardthöhe eingeführt.

Rieske wurde in Lübeck geboren, studierte in Bethel, Hamburg und Bonn, trat dann zunächst eine Stelle an der Technischen Hochschule Aachen an und kam schließlich zur Notfallseelsorge nach Bonn. „Als der Dienstsitz von Bonn nach Wuppertal verlegt wurde, war das für mich ein Anlass zu schauen, was es sonst gibt.“ Dann wurde ihm die Stelle als Militärdekan zusammen mit seinem evangelischen Kollegen Friedemann Schmidt und dem katholischen Militärseelsorger Heinrich Peter Treier angeboten.

Für Rieske ist das eine neue spannende Herausforderung, bei der ihm die Erfahrungen aus der Notfallseelsorge zugute kommen. Neben der reinen Seelsorge an Soldaten steht der „lebenskundliche“ Unterricht für die Soldaten im Vordergrund. „Es geht um Orientierung“, erklärt er. „Soldatinnen und Soldaten sind gehalten, unter Umständen auch mit Einsatz ihres Lebens dieses Land zu verteidigen. Und das hat ethische Implikationen.“ Es gehe um die Frage, was der soldatische Auftrag mit sich bringt – etwa einen Arbeitsplatz weit weg von den Angehörigen, womöglich im Ausland, die Unterordnung unter einen militärischen Auftrag, eventuell der Verlust von Kameraden – und wie man als Mensch damit umgeht. Daneben geht es um grundlegende Fragen: „Was wird hier eigentlich verteidigt, mit welchem Auftrag, welcher Geschichte und Tradition?“

Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Seelsorge im neuen Kommando Cyber- und Informationsraum (KdoCIR). Dort befassen sich Spezialisten mit der Abwehr von Cyber-Angriffen. Diese Soldaten versuchten in einem völker- und sicherheitsrechtlichen Neuland, Angriffe unbekannter Qualität von unbekannten Menschen abzuwehren. „Das World Wide Web schafft einen völlig entgrenzten menschengemachten Raum, in dem Akteure, die einfach eine unglaubliche Intelligenz haben, auch Unglaubliches anrichten können“, so Rieske. Die Erlebnisse im Hochsicherheitsraum dürften sie nicht einmal mit ihrer Familie teilen. „Dann kann es sein, das es einen erheblichen seelsorgerischen Bedarf gibt.“

Das Amt tritt er für sechs Jahre an, er kann um weitere sechs Jahre verlängern. Das Rheinland kennt der Vater von sechs Kindern seit 1992, und er fühlt sich wohl. „Bonn ist eine ganz behagliche nette Stadt mit ganz vielen Möglichkeiten.“ Für den Norddeutschen auch wichtig, „dass der Rhein für einen Norddeutschen auch immer noch eine Anmutung von Wasser bereit hält“.