Führung durch die Beethovenhalle

Neuer Blick auf ein altes Schätzchen

17.02.2016 BONN. Die Werkstatt Baukultur bringt Besuchern die Beethovenhalle nahe. Die nächste Führung findet am 27. Februar statt.

Viele der 60 Besucher waren schon mal in der Beethovenhalle, doch der kunsthistorische Rundgang öffnete die Augen für manch unentdecktes Detail. Angesichts der bevorstehenden Sanierung stellt die Werkstatt Baukultur der Universität den Bonnern ihre Halle noch einmal vor. „Wir haben die aktuelle Entwicklung zum Anlass genommen, uns auf die Wurzeln zu besinnen“, erklärten die Kunsthistoriker Martin Bredenbeck und Constanze Falke.

Die Halle ist in einzelne Baukörper mit individuellen Formen gegliedert, die zusammen eine große organische Form ergeben. „Das nennt man organisches Bauen, eine Architekturrichtung, die in den 1920er Jahren entwickelt wurde“, erklärte Falke. Im Foyer lenkte sie die Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf ein buntes Glasfenster: „Hier werden Sie ganz unterbewusst vorbereitet auf das, was Sie gleich erwartet“, sagte Falke und demonstrierte den erst auf den zweiten Blick erkennbaren Grundriss der Beethovenhalle, den das Fenstermotiv zeigt.

Das Flanieren über den Garderobengang in Richtung Konzertsaal kommt einem Spaziergang durch den zur rechten Seite liegenden Park gleich – ein Phänomen, das durch die vielen Spiegel erzeugt wird, die die Gartenanlage quasi ins Haus holen. Das zweite große Foyer mit dem Treppenaufgang zur Empore ist das wichtigste Element für die Dramaturgie der Halle. „Hier geht es darum zu sehen und gesehen zu werden“, sagte Falke. Aufgrund der Sicherheitsvorschriften bei der Prinzenproklamation musste dieses Jahr das historische Treppengeländer um ein Edelstahlgeländer ergänzt werden. Das Provisorium soll nach der Sanierung wieder entfernt werden. Darauf habe die Werkstatt Baukultur Bonn Wert gelegt, um das alte Treppengeländer aus Teakholz wieder zur Geltung zu bringen.

Durch Ebenholztüren betraten die Teilnehmer schließlich das Herzstück der Beethovenhalle, den großen Konzertsaal. Hier lohnt es sich, den Blick nicht nur auf die Bühne, sondern in alle Richtungen schweifen zu lassen: An den Seiten fallen die Wände aus japanischem Zen-Holz auf, an der Decke hängen Stahlträger frei, die mit ihren Schwingungen für eine besondere Akustik im Saal sorgen. „Die Rabitz-Decke ist sowohl gestalterisch als auch akustisch ein Hochleistungswerk“, erklärte Falke. Voraussichtlich drei Jahre wird man auf dieses besondere Hör- und Seherlebnis verzichten müssen, bis die Konzerthalle zum Beethovenfest im Herbst 2018 ihre Pforten wieder öffnet.

Am Samstag, 27. Februar, um 13 Uhr bietet die Werkstatt Baukultur Bonn in Kooperation mit dem Verein Pro Beethovenhalle die kunsthistorische Führung ein weiteres Mal an. Treffpunkt ist vor dem Haupteingang. (Sebastian Flick)