Planungswettbewerb

Neuer Anlauf fürs Festspielhaus

Studie des Bonner Architekten Karl-Heinz Schommer für ein Festspielhaus aus dem Jahr 2004. Repro: GA

BONN. Post lädt zehn Architekturbüros für einen weiteren Planungswettbewerb ein. Beim Projekt Festspielhaus Bonn steht fünf Jahre nach dem ersten Wettbewerb der Post fast alles auf Anfang. Ex-Postvorstand Petram macht Druck.

Beim Projekt Festspielhaus Bonn steht fünf Jahre nach dem ersten Wettbewerb der Post fast alles auf Anfang. Zumindest sind bei den am Montag veröffentlichten Namen für den neuerlichen Wettbewerb etliche Architekten aus der ersten Runde dabei: Zaha Hadid und Hermann & Valentiny, die mit "Diamant" und "Welle" ins Finale des ersten Wettbewerbs gekommen waren, gehören erneut zum Kreis der Kandidaten.

David Chipperfield (Berlin, London), Architekt des Folkwang-Museums in Essen und des Neuen Museums auf der Berliner Museumsinsel, war 2008/2009 ebenso dabei wie der Japaner Arata Isozaki und das Büro Murphy/Jahn (Chicago), das den Posttower gebaut hat. Chipperfield hatte eine integrative Lösung vorgeschlagen, die den Bau der historischen Beethovenhalle einbezogen hätte.

Die potenziellen Investoren des Festspielhauses haben nun gemeinsam mit Vertretern der Stadt sowie den Beethoveninitiativen zehn Architekturbüros aus über 50 Bewerbungen ausgesucht. Vorausgegangen war eine offene Ausschreibung, ein sogenanntes Präqualifikationsverfahren. Den Kreis der Wettbewerbsteilnehmer komplettieren fünf renommierte Büros.

Darunter ist gmp - Architekten von Gerkan, Marg & Partner (Hamburg), eines der bedeutendsten Büros in Deutschland, das den neuen Hauptbahnhof in Berlin gebaut hat. Gmp hat auch die Oper in Chongqing errichtet. Zu den Kandidaten zählt auch UNStudio (Amsterdam, Shanghai, Hongkong), das das bizarre BMW-Museum in München geplant hat. Die Architekten von kadawittfeld (Aachen) sind für den Salzburger Hauptbahnhof verantwortlich. Auch sie sollen sich über das Festspielhaus Gedanken machen.

Das hat der Bonner Karl-Heinz Schommer schon vor geraumer Zeit gemacht. 2004 legte er einen Entwurf vor, mit dem Festspielhaus-Initiatorin Karin Hempel-Soos die Runde machte, um Investoren und Entscheider für die Idee zu erwärmen. Schließlich wurde am Montag noch das Büro Snøhetta (Oslo/New York) ausgesucht, dessen Opernhaus in Oslo zu den herausragenden Kulturbauten Europas in den vergangenen zehn Jahren gehört.

Das neue Verfahren war wegen des neuen Standorts - ein Areal südlich der Beethovenhalle - und gewünschten reduzierten Zuschnitts des Festspielhauses nötig geworden. Noch im Juni soll der Bonner Rat grundsätzlich über die Bereitstellung des Grundstücks entscheiden. "Im Interesse des Zeitplans für eine rechtzeitige Fertigstellung zum Beethovenjubiläum 2020 ist eine zügige Durchführung aller notwendigen Beratungen und Beschlüsse erforderlich", heißt es in einer Presserklärung der Deutschen Post DHL, die auch das Auswahlverfahren finanziert.

Noch klarer formulierte es Hans-Dieter Petram am Montagabend während einer Diskussion der "Festspielhausfreunde" im Uni-Club: Wenn es jetzt "Störungen" gebe und der Rat am 23. Juni keinen Beschluss fasse, sei das "Projekt tot", sagte das langjährige Vorstandsmitglied der Post. "Das ist die letzte Chance." Der Konzern hat Petram, der im Ruhestand ist, gebeten, das Festspielhausprojekt erneut zu begleiten.

Ende Oktober, so der Zeitplan, sollen aus den zehn Vorschlägen zwei ausgewählt werden. Im ersten Quartal 2015 soll der Siegerentwurf feststehen. Die Bewertung der Bewerber werde wie schon beim ersten Wettbewerb wieder vom Architekturbüro Albert Speer & Partner durchgeführt, heißt es. "Das Verfahren muss nun zügig weiterverfolgt werden."