Bonner Barcamp im Posttower

Neue Ideen für Mobilität

Britta Classen und Paul Muller stoßen mit dem Prototyp der DHL-Paketdrohne auf besonders großes Interesse.

Britta Classen und Paul Muller stoßen mit dem Prototyp der DHL-Paketdrohne auf besonders großes Interesse.

Bonn. 200 Teilnehmer sind beim Barcamp im Posttower auf der Suche nach frischen Denkansätzen. Eine Paketdrohne der Post hat es ihnen besonders angetan.

Eine Therapiestunde für Pendler, der Twitter-Kundendialog der Stadtwerke Bonn (SWB), das autonome Fahrzeug als potenzieller Mörder im Straßenverkehr oder „der bewegte Hund“ – digitale Mobilitätshilfen für Vierbeiner und ihre Besitzer – gerade im Bereich Verkehr gibt es viele Überschneidungspunkte zwischen analogem und digitalem Alltag. Schon am Eröffnungstag des dritten Bonner Barcamps haben deshalb viele der rund 200 Teilnehmer am Freitagmittag unter dem Oberbegriff Mobilität passende Themenideen mit in den Posttower gebracht.

Die Start-up-Unternehmer Karin Krubeck, Johannes Mirus und Sascha Foerster wollen mit diesem aus dem Silicon Valley importierten Veranstaltungsformat auch in Bonn neue Formen der offenen Diskussion etablieren. „Das Konzept ist hervorragend geeignet, Menschen aus der Region miteinander zu vernetzen, die sich für Zukunftsthemen interessieren“, erklärt der Bonner Postsprecher Björn Troll, warum Deutsche Post DHL dieses Jahr erstmalig als Gastgeber dabei ist.

Angesprochen ist prinzipiell jeder. Wie die obligatorische Vorstellungsrunde mit kurzen Hashtags, die digitale Variante des deutschen Stichworts, allerdings schnell zeigt, sind überwiegend Mitarbeiter aus der Kreativwirtschaft gekommen, die sich neue Geschäftsideen oder Impulse versprechen. Sabina Grund und Susanna Parishanzadeh arbeiten für die Initiative Zink der zinkverarbeitenden Industrie in Düsseldorf: „Alle Veränderungen im Mobilitätsverhalten sind für uns wichtig“, sagen sie. Zink stecke schließlich in Karosserien ebenso wie in Schienen oder Leitplanken.

Martin Stappen, Sachkundiger Bürger der Bonner Sozialliberalen möchte mit der Veranstaltung ein Ohr am Puls der Gesellschaft haben. Monika und Achim Meurer haben sich als Referenten angeboten. Das Ehepaar, Achim stammt ursprünglich aus Bad Honnef, hat vor zwei Jahren allen Besitz verschenkt. Seither ziehen sie als Fotograf und Autorin um die Welt – immer dahin, wo sie jemand zum Bleiben und Schreiben einlädt. Für zwei Wochen sind sie gerade in einem Bonner Hotel zu Gast.

Die Teilnehmer bringen derart viele Facetten ein, dass es keine Tagesordnung braucht. Themenvorschläge für kürzere Workshops und Diskussionsrunden werden je nach Interesse angenommen oder verworfen. Dann wird in Gruppen debattiert, gelacht, geplant und alles gleich gestreamt, getwittert und gebloggt. Aber auch die Zeitung ist willkommen. In einer Runde geht es um Barrierefreiheit. Ein Rollstuhlfahrer und ein Schwerhöriger fragen sich zusammen mit einem Dutzend anderer Teilnehmer, wie man Menschen mit Handicap im Verkehr am besten unterstützt. Die Idee einer Hilfe-App kommt ins Spiel, bei der jeder zeitnah im direkten Umkreis um einen Gefallen bitten könnte. Das wird dann gleich mal digital geteilt.

Auf das zahlenmäßig größte Interesse stoßen die Versuche der Post mit einer Paketdrohne für eilige Sendungen. Noch allerdings sei dies Grundlagenforschung, erklärt Mitarbeiter Paul Muller. Neben der Faszination Technik kommen beim Barcamp aber auch kritische Fragen auf. Ob die Lieferdienste von Lebensmitteln uns Bürger nicht gerade erst unmobil machten etwa. Am heutigen Samstag sucht das Barcamp im Posttower nach weiteren Antworten.