Botulismus-Fall

Nervengift Grund für Tiersterben in Bonner Rheinauensee

Enten vor dem See in der Rheinaue.

Enten vor dem See in der Rheinaue.

Bonn. Die Stadt hat am Donnerstag neue Ergebnisse zum Tiersterben im Rheinauensee veröffentlicht. Experten des Bundesforschungsinstitut haben bei einer toten Gans Botulismus festgestellt. Die Stadt gibt ein Gutachten zur Seesanierung in Auftrag.

Zum Tiersterben in der Rheinaue hat die Stadt nun weitere Ergebnisse veröffentlicht. Bei einer toten Gans konnte das Friedrich-Loeffler-Institut, das Bundesinstitut für Tiergesundheit, „zweifelsfrei Botulismus“ nachweisen. Insgesamt hat das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit vier tote Wasservögel untersucht. Hinweise auf eine Tierseuche hatten die Experten nicht gefunden. Die verendeten Tiere hatten Anzeichen der Erkrankung gezeigt, die durch das Nervengift Botulinumtoxin versursacht wird. Der Giftstoff wird von Bakterien bei Sauerstoffmangel in Gewässern ausgebildet.

Die Wasseranalysen, die eine Spezialfirma aus Wesseling Ende Juni durchgeführt hat, reichen hingegen nach Angaben der Stadt nicht aus. Stattdessen soll ein neues Gutachten zur Situation des Gewässers erstellt werden. Dazu soll unter anderem der Phosphorgehalt bestimmt werden, der das Pflanzenwachstum im See beeinflusst. Außerdem soll die Beschaffenheit der Sedimentschicht am Grund des See sowie die Durchlüftung des Sees untersucht werden. Außerdem müssen die Zu- und Abflüsse, die „Diese Analysen erfordern zum Teil wöchentliche oder monatliche Messungen und werden sich über einen längeren Zeitraum erstrecken“, kündigte die Stadt an.

Anhand der Ergebnisse soll entschieden werden, wie der See saniert werden kann und welche Maßnahmen bereits im Herbst umgesetzt werden können. Bisher waren zwei Varianten für Ende des Jahres im Gespräch: Demnach sollte die Sedimentschicht des Sees abgetragen werden oder ein Durchlüftungsanlage im See installiert werden.

Um weniger Vögel anzuziehen, will die Stadt zunächst den Uferbereich der Wiese vor der Vogelinsel weniger mähen. Der Bestand an Wasservögeln habe sich laut Stadt in den vergangenen Jahren stark vermehrt. Durch Kot und Lebensmittelreste, die Besucher beim Füttern der Tiere in den See werfen, werde der Rheinauensee verschmutzt und aus dem Gleichgewicht gebracht. Das Amt für Stadtgrün hat Hinweisschilder mit den Auswirkungen der Fütterung aufgestellt. Die Stadt erwägt zudem, einen kleinen Zaun aufzustellen, um den Vögel den Zugang zum Wasser zu versperren.

In den vergangenen Wochen haben die Mitarbeiter des Amtes für Stadtgrün nur zwei tote Wasservögel gefunden, im Juni waren es rund 400 Kadaver. Derzeit wird konstant Wasser über die Abläufe am Grund des Sees in den Rhein abgelassen und Frischwasser eingeleitet.